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Es ist in diesen Tagen fast ein bisschen gespenstisch durch unser Gebäude zu gehen. Überall leere Büros, kaum ein Mensch zu sehen – deprimierend. Mittlerweile arbeiten 75 Prozent der SWR-Mitarbeitenden im Home-Office. Noch vor einem Monat hätte sich niemand von uns vorstellen können, dass wir unter diesen Umständen Programm machen können. Und alle fragen sich: Wie lange halten wir das durch?

Natürlich können wir nicht alles von zuhause aus machen. Vor allem Nachrichten entstehen in den Newsrooms, wo wir mit dem gebührenden Abstand zueinander sitzen. Radio ist nun mal ein Live-Medium, da ist wenigstens auch heute Leben in der Bude. Und bei denen, die da sind, spüre ich eine ganz besondere Stimmung. Alle hängen sich richtig rein, weil wir merken, dass die Menschen im Südwesten in dieser surrealen Situation einen zuverlässigen Begleiter in Radio, Online und TV suchen. Auch der Teamspirit im SWR ist ein besonderer. Denn die, die gerade weniger belastet sind, helfen in anderen Bereichen aus, die fast schon am Poller sind. So ist im Moment für die Sportredaktion das Geschäft völlig zum Erliegen gekommen, und die Sportis stellen ihr Können jetzt beispielsweise bei den Nachrichten unter Beweis.

Außenproduktionsflotte im SWR (Foto: SWR)
Die Übertragungskapazitäten des SWR wie im Winterschlaf

Draußen findet nichts mehr statt, keine Übertragungen, keine Events, keine Sportereignisse. Das sieht man auch bei uns in der Wagenhalle. Hier stehen alle Übertragungskapazitäten des SWR wie im Winterschlaf – eine Schande. Auch hier helfen die Mitarbeitenden aus der Außenübertragung jetzt bei Studioproduktionen aus. Überhaupt unser Produktionsbetrieb. Was die Leute aus der IT in den vergangenen drei Wochen gewuppt haben ist super. Sie haben mehr als tausend Mitarbeitenden blitzschnell Zugänge zu den zentralen Systemen vom Home-Office aus ermöglicht. Damit können wir über Systeme wie Teams oder auch das ARD-interne Konferenzsystem miteinander kommunizieren, uns austauschen und Programm machen.

Keine Frage, die Corona-Pandemie hätten wir alle nicht gebraucht, aber wir lernen in dieser Zeit ganz viel. Wir machen einen Crash-Kurs in digitaler Kommunikation, wir stellen für unverrückbar gehaltene technische Standards auf den Prüfstand, wir finden in Verwaltung, Produktion und Programm einfachere Workflows. Dabei ahnen wir, dass davon auch nach der Krise etwas bleiben wird. Im Moment aber hoffen wir nur, dass wir uns bald mal wieder direkt von Angesicht zu Angesicht hier im Haus begegnen und uns – welch verwegener Gedanke – sogar wieder per Handschlag begrüßen können.

Ihr

Kai Gniffke

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