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Vor drei Jahren habe ich Hans-Georg Maaßen beim Schwindeln erwischt (Link zu meinem Brief an Maaßen, erstmals veröffentlicht bei Buzzfeed, später auch bei ZAPP). Damals hatte er in einem Ausschuss des Bundestags behauptet, die Tagesschau habe von „Hetzjagden“ in Chemnitz gesprochen. Das war nachweislich unwahr. Und nach drei Jahren würde ich ja sagen „Schwamm drüber“, aber jetzt kommt diese Erinnerung wieder hoch. Denn nun raunt Maaßen von linksextremen Umtrieben bei der erfolgreichsten Nachrichtensendung der freien Welt.

Im Sender TV Berlin redet er über die linksextreme Szene, nennt dabei auch die Tagesschau, und findet dann, man könne die Biografie von Mitarbeitenden der Tagesschau überprüfen. Ein Gesinnungstest für Jens Riewa, Judith Rakers und Co.? Soll ich als Intendant allen Ernstes bei Bewerbungen erstmal fragen, was die Menschen denken? Vielleicht sollte Hans-Georg Maaßen mal die Menschen in seinem Wahlkreis in Thüringen fragen, welche Erfahrungen sie im Laufe ihres Lebens mit dieser Praxis gemacht haben.

Der öffentlich-rechtliche Rundfunk ist einmal erfunden worden, um Journalismus unabhängig von politischen und wirtschaftlichen Interessen sicherzustellen. Daran hat sich nichts geändert, nur dass in der Flut von Hassbotschaften und Falschinformationen ein unabhängiges Medienangebot noch wichtiger ist als jemals zuvor. Und wer an unserer Integrität zweifelt und uns kritisiert, mit dem reden wir. Auch mit Hans-Georg Maaßen, wenn es sich ergibt.

Ihr

Kai Gniffke

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