STAND
AUTOR/IN

Heute kann ich es ja sagen: Ich hatte ganz schön Bammel an meinem ersten Arbeitstag als Intendant vor genau 365 Tagen. Es ist viel passiert in diesem Jahr, Zeit für eine erste Bilanz. In loser Folge schreibe ich hier im Blog in den kommenden Tagen über dieses Jahr, über Entscheidungen, Überraschungen, Glücksmomente und Enttäuschungen. Und unvermeidlicherweise auch über die Zeit mit Corona. In meinem heutigen Eintrag geht es um die ersten 30 Tage.

Bereits am Eingang erwartete mich an meinem ersten Tag ein Kamerateam, das meine Rückkehr in den SWR nach 16 Jahren in Hamburg begleitete. Ein kurzer Plausch mit den Kollegen am Empfang, dann hoch ins Büro, wo sich die erste Spannung löste: „Welcome Home“ stand auf der Girlande über meiner Bürotür. Dieses Gefühl begleitet mich bis heute. Seit einem Jahr bin ich wieder zuhause in „meinem“ SWR. Tatsächlich kenne ich noch ganz viele Menschen von früher oder aus der Zusammenarbeit mit der Tagesschau. Egal ob in Mainz, Stuttgart oder Baden-Baden, überall kommen Erinnerungen hoch und sprechen mich Mitarbeitende auf alte Zeiten an.

Kai Gniffke in seiner ehemaligen Redaktion von ARD-aktuell in Mainz (Foto: SWR)

Das tut gut, aber natürlich richten wir den Blick nach vorn. Also gilt es von Beginn an, weitere Menschen im SWR kennenzulernen. Es war vielleicht eine Schnapsidee, aber eine wunderbare: Gleich an meinem zweiten Arbeitstag wollte ich alle drei Hauptstandorte an einem Tag besuchen. Früh morgens Croissants bei SWR3 in Baden-Baden verteilen, Mittagessen mit Azubis in der Mainzer Kantine, abends beim Beitragsservice in Stuttgart. Überall habe ich mich vorgestellt und habe - das war damals noch möglich - Hände geschüttelt.

Der erste Monat hatte es in sich. Bei unserer ersten Sitzung der Geschäftsleitung war es ein bisschen wie mit Teenagern beim ersten Date: Ein Mischung aus Unsicherheit und Neugier, wie sich der jeweils andere verhält. Sehr bewegend die offizielle Amtsübergabe von meinem Vorgänger Peter Boudgoust, der mir so viele kluge und wertvolle Tipps mit auf den Weg gegeben hat. Bei einem wunderbaren Mitarbeiterfest löste sich am Abend die Spannung, weil ich spürte, dass die Menschen im SWR dem Neuen offen und warmherzig begegneten. Nach gerade mal zwei Wochen war der Intendanten-Novize schon Gastgeber einer ARD-Sitzung in Stuttgart. Kurz darauf die ersten Sitzungen unserer Aufsichtsgremien, in denen gleich zwei Direktionen zur Neubesetzung anstanden. Anke Mai und Clemens Bratzler wurden mit Traumergebnissen gewählt. Und das alles nicht einmal einen Monat nach meinem Amtsantritt.

Amtsübergabe von Peter Boudgoust an Kai Gniffke (Foto: SWR)

Das wirkt heute schon ganz weit weg. Dieses Jahr ist wie im Flug vergangen. Streng genommen kann ich dieses Jahr in zwei komplett unterschiedliche Hälften teilen - sechs Monate vor Corona und sechs Monate danach. Gerne lasse ich Sie teilhaben an meinem Rückblick auf das erste Jahr. Schauen Sie in den nächsten Tagen mal rein - würde mich freuen.

Ihr

Kai Gniffke

STAND
AUTOR/IN