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Unsere Milch Biomilch mit Auszeit

Hier erfahren Sie, wie auf dem Gasswies Hof in Klettgau Milch erzeugt wird.

Eine Kuh gibt Milch, nachdem sie ein Kalb geboren hat. Auf dem Gasswies Hof züchten Alfred und Silvia Rutschmann die Kühe im Jahreszeitenrhythmus. Alle Kälber kommen deshalb im Frühjahr zur Welt. Wenn alle Milchbauern so produzieren würden, gäbe es zwei bis drei Monate im Jahr fast keine Milch zu kaufen. Dafür haben die Gasswies Milchkühe während ihrer Melkzeit von Frühjahr bis Herbst saftige Weiden vor der Haustüre. Die Gasswies Kuh frisst Gras auf der Wiese und kein Kraftfutter, um Milch zu produzieren.

Im Stall vom Hof Gasswies
 

Die Jahreszeiten-Milch

Auf dem Gasswies Hof wird Milch saisonal produziert.

Zehn Uhr Vormittag auf dem Gasswies Hof in Klettgau: Bauer Fredi, Bäuerin Silvi und ein Nachbarbauer machen eine kurze Pause und plaudern beim Vormittagskaffee in der Stube. Ein Sommerfest der vergangenen Tage ist ein launiges Gesprächsthema. Hinterm Haus grasen die 45 Milchkühe auf der Weide in der prallen Sonne. Die Wiesen rund um den Hof sind in diesem Sommer besonders trocken, das Gras wächst langsam. Für die Kühe und den Bauern sind das magere Zeiten. Das wirkt sich auch auf die Milch aus. Durch die Hitze in diesem Sommer geben die Gasswies-Kühe weniger Milch als sonst.
Saisonale Milchproduktion auf dem Gasswies Hof

(Die Milchproduktion auf dem Bio-Hof folgt den Jahreszeiten.)

Grasen, Schlendern, Dösen, Saufen

Erleben Sie, wie die Kuhherde auf den Gasswies Weiden unterwegs war.

Die Kühe auf dem Gasswies Hof haben freien Auslauf auf den Weiden direkt neben dem Stall. Die Herde bricht meist gemeinsam zum Grasen auf und bewegt sich dann langsam über den Tag hinweg über die Wiesen. Zweimal am Tag – morgens und abends – kommen die Kühe zum Melkstand im Stall, um sich melken zu lassen.

(Emma, Cosmea, Linde, Praline und der Stier Gunter sowie Hofhünding Lilli haben einen GPS-Tracker um den Hals. So konnten Sie hier live sehen, wo die Tiere gerade unterwegs waren.)

Geld ist nicht alles

Der Gasswies Hof wirtschaftet nachhaltig.

Wie viel Gewinn Alfred "Fredi" Rutschmann mit der Milchproduktion allein auf dem Hof macht, weiß er nicht auf den Cent genau. Auf dem Gasswies Hof gibt es dafür keine Vollkostenrechnung. Die Milch ist zwar eine wichtige Einnahmequelle für den Betrieb, aber eben nicht die einzige. Die ökologische Milchviehhaltung ist für Silvia und Alfred Rutschmann zur Philosophie geworden, der Gasswies Hof ein Gesamtkonzept.

1:21:50 h

Mehr Info

Das war die Hof Gasswies Livecam

SWR DATENREPORTER

(Tagsüber sind die Kühe hier auf den Weiden unterwegs.)

Stabile Preise

Im Schnitt bekommt der Bauer rund 48 Cent pro Liter produzierter Biomilch.

Der Milchpreis schwankt bei Bio-Milch nicht so sehr wie bei konventionell produzierter Milch. Das ist ein Vorteil. Allerdings lässt sich beim ökologischen Weidebetrieb dieser Art die Milchleistung der Kühe nicht wirklich steuern. Denn die Kühe grasen während der Melkzeit von Mai bis Oktober auf der Weide und bekommen kein zusätzliches Kraftfutter, das die Milchproduktion ankurbeln würde. Die Einnahmen aus dem Milchverkauf schwanken deshalb.
Milchpreis für biologische und konventionelle Milch im Vergleich

(Für die konventionell produzierte Milch schwankt der Marktpreis mehr als für biologisch produzierte.)

Viele Standbeine

Mit Milchproduktion allein wäre der Hof nicht nachhaltig.

Bei Bauer Rutschmanns Hofkonzept ist das einkalkuliert. Unterm Strich soll der Demeter-Hof aus seiner Sicht ganzheitlich sinnvoll für Mensch, Tier und Natur bewirtschaften sein. Deshalb braucht er mehrere Standbeine, die ineinander greifen. Weil die Kühe zwischen April und Oktober vor allem Gras fressen, wird die Ackerfläche vorwiegend nicht für Futter wie Mais genutzt, sondern für den Anbau von Lebensmitteln wie Getreide, Soja oder auch Sonnenblumen. Aber auch die Solaranlage auf dem Stalldach gleicht in diesem Jahr die niedrigere Milchleistung etwas aus. Und auch die Ernte von Getreide und Obst fällt wohl dieses Jahr nicht schlecht aus.
Biomilch kostet mehr, weil auch die Kosten bei der Produktion höher sind.

(Das Beispiel von Kuh Emma zeigt, wie viel der Biobauer im Durchschnitt mit einer Milchkuh erwirtschaftet.)

Saisonales Abkalben

Im Frühjahr gibt es fast keine Milch vom Gasswies Hof.

Nachdem Alfred Rutschmann den Hof vom Vater übernommen hatte, wurde ihm irgendwann die Arbeit mit den Kühen zu viel: Jeden Tag melken, sieben Tage die Woche, das ganze Jahr hindurch ohne Urlaub, das wollte er ändern. So stieß er auf das Konzept vom „saisonalen Abkalben“. Dabei wird die ganze Kuhherde in den Jahreszeitenrhythmus gebracht: Der Stier deckt alle Kühe im späten Frühjahr, so dass circa neun Monate später im Februar und März alle Kälber auf die Welt kommen. Vor der Geburt werden Kühe – in allen Betrieben – mehrere Wochen lang nicht gemolken, das nennt man Trockenstellen. In den Wintermonaten Dezember, Januar und Februar stehen beim „saisonalen Abkalben“ deshalb nahezu alle Kühe trocken. Der Bauer muss in diesen Wochen die Tiere nicht melken, eine Auszeit für Alle auf dem Hof.
Biomilch kostet mehr, weil auch die Kosten bei der Produktion höher sind.

(Milch wird das ganze Jahr über getrunken und gekauft. Dieser Dauernachfrage kann ein Betrieb mit saisonalem Abkalben nicht nachkommen.)

Nachfrage vs. Tierwohl?

Die meisten Deutschen trinken keine biologisch, sondern konventionell produzierte Milch.

Das bedeutet aber auch, dass die Molkerei fast zwei Monate zwischen Februar und März lang kaum Milch vom Hof bekommt. Würden das alle Bauern so machen, müssten die Verbraucher mit hohen Preisen und leeren Regalen im Kühlfach rechnen. Dieses Konzept verfolgen bislang nur wenige Bauern in Deutschland. Biomilch ist ein Nischenprodukt. Denn konventionell werden allein in Baden-Württemberg jährlich rund 2,2 Milliarden Liter Milch produziert, auf Bio-Höfen nur 150 Millionen Liter (Quelle: Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft, BMEL).
Der Marktanteil von Biomilch liegt bei rund 3,5 Prozent.

(Nur wenige Konsumenten entscheiden sich bislang für die teurere Biomilch.)

Die Kommanditgesellschaft

Um den Hof auf nachhaltlige Beine zu stellen, tragen mittlerweile mehrere Gesellschafter die Hof Gasswies KG.

Fredi und Silvi Rutschmann haben vor einiger Zeit schon eine Entscheidung getroffen: Der Hof gehört mittlerweile einer Kommanditgesellschaft: der Hof Gasswies KG. Sie sind Miteigentümer und bewirtschaften den Betrieb für alle Gesellschafter. Mit Kuhpatenschaften kann jedermann den Hof unterstützen. Die Weiden gehören teilweise einer gemeinnützigen Genossenschaft, die die Flächen an den Biohof verpachtet.
(Quelle: SWR, Petra Jehle)

(Fredi und Silvi Rutschmann auf dem Gasswies Hof)

Für ihr Engagement haben die Rutschmanns viele Preise und Auszeichnungen erhalten. Zuletzt sind sie auch als Demeterhof zertifiziert worden. Mit Bauernhofromantik hat diese Landwirtschaft aber wenig zu tun. Die Arbeit ist hart und muss sich auch für die Rutschmanns finanziell lohnen. Bislang haben sie 45-50 Kühe. Das wird wohl auch so bleiben. Denn im Biolandbau gilt die Regel: pro Kuh braucht der Hof einen Hektar Grünland. Demnächst investieren sie in den Stall. Denn beim Melken ist am Gasswies Hof noch viel Handarbeit zu tun. Das soll künftig etwas komfortabler werden.

Erfahren Sie mehr über konventionelle Milchproduktion mit den digitalen Möglichkeiten der Landwirtschaft auf dem Bürkle Hof bei Freudenstadt