SWR2 Wissen: Aula

Digitale Medien in der Schule: Lernen mit Laptop und Smartphone

Stand
Interview
Ralf Caspary im Gespräch mit Julia Knopf
Onlinefassung
Susanne Paluch

Hurra! Der umstrittene Digitalpakt wurde nach heftigen Diskussionen realisiert, der Bund darf die Länder endlich finanziell dabei unterstützen, Schulen mit digitalen Lernwerkzeugen auszustatten. Und nun? Julia Knopf, Professorin für Fachdidaktik Deutsch in der Grundschule an der Universität des Saarlandes, erläutert die Vorteile.

Audio herunterladen (26,4 MB | MP3)

Beispiele mit Vorbildcharakter

Es gibt eine ganze Reihe von Bilderbuch-Apps. Das ist nicht einfach ein eingescanntes Bilderbuch, sondern die App ist ein Bilderbuch, die durch verschiedene Interaktionsmöglichkeiten mit dem Leser ein ganz anderes Lese-Erlebnis ermöglicht.

Man kann mit den Figuren interagieren, zum Teil mit ihnen sprechen und Fragen zu ihrer Geschichte stellen. Man kann dadurch das eigene Textverständnis überprüfen, selber eine Geschichte in Gang setzen oder verändern, man kann selbst Bilder in die Geschichte einfügen und die Bilderbuch-App verändern. Das sind Dinge, die man mit einem normalen Bilderbuch in der Form nicht machen kann.

Der neue Trend: "Augmentieren" 

Man kennt das vielleicht von Pokémon Go. Da ging man mit einem Endgerät durch die Straßen. Durch dieses Endgerät konnte man die Straßen genau sehen, und auf einmal sind Figuren, Tiere oder irgendwelche anderen Dinge aufgetaucht.

Das kann man im Prinzip auch mit Schulbüchern machen. Man öffnet das Schulbuch und schon sieht man etwa in Mathe eine Grafik oder ein erklärendes Video. So etwas entwickeln wir und "augmentieren" quasi das Schulbuch.

Wenn es im Physikbuch um das Sonnensystem geht, um die Mond- oder Sonnenfinsternis, fällt es den Kindern trotz Abbildungen und noch so guter Erklärungen oft schwer, das zu begreifen, weil es abstrakt ist. Wenn ich das augmentiere, also erweitere z.B. durch ein Video oder ein visualisiertes Experiment, kann ich ein Verstehen erleichtern. Ich kann die Kinder sogar dieses Experiment selbst aufnehmen und hinterlegen lassen.

Wie verändern digitale Medien das Lernen?

Jeder Schüler kann seinen eigenen Lernrhythmus realisieren, das Lernen wird individualisiert. Aber das hat seine Grenzen. Sie müssen sich vorstellen, wie die soziale Interaktion im Unterricht wäre, wenn jeder Schüler im eigenen Tempo lernen würde. Das ist schon sehr komplex.

Aber was ich tun kann, ist, die Tools im Sprachunterricht auf verschiedene Sprachniveaus einstellen.

Was habe ich früher als Lehrer gemacht? Da habe ich die Arbeitsblätter umgeschrieben, um verschiedene Differenzierungsgrade zu erreichen. Heute kann das ein digitales Programm erledigen.

Oder ich kann Textpassagen in einfache Sprache übersetzen und vorlesen lassen. Und das erleichtert das individualisierte Lernen sehr. 

Keine Angst vor Digitalisierung 

Es gibt Bedenken, dass die Schüler, wenn sie mal Tablets haben, nur noch am Surfen sind. Das ist natürlich Quatsch. Das passiert nur, wenn das Tablet oder allgemein ein digitales Angebot kein normaler Bestandteil des Unterrichts ist, ein Arbeitsgerät. Es muss regelmäßig ein integratives Element des Unterrichts sein. Einen "Tabletkoffer", der mal freitags in der fünften Stunde hervorgekramt wird, darf es nicht geben.

Produktion 2019

Mehr zum Thema

Bildung und Pädagogik

Bildung So prägen Eltern das wissenschaftliche Verständnis ihrer Kinder

Eltern beeinflussen das wissenschaftliche Denken ihrer Kinder stärker als gedacht – und zwar mit ihrer Haltung zu Wissen und Wissenschaft, unabhängig vom Bildungsgrad. Das haben Entwicklungspsychologen der Uni Vechta und der pädagogischen Hochschule Freiburg herausgefunden.

Impuls SWR Kultur

Klimakrise Umfrage: Die Deutschen haben beim Thema Klima große Wissenslücken

In Deutschland ist das Wissen über die Klimazusammenhänge lückenhaft und altersabhängig. Ältere Menschen sind einer Umfrage zufolge besser über die Klimakrise informiert als jüngere. Das hat eine Umfrage der Europäischen Investitionsbank ergeben.
Jochen Steiner im Gespräch mit Sabine Schütze, SWR-Umweltredaktion

Impuls SWR Kultur

Digitalisierung

Sport Wie KI den Sport verändert – Mehr Leistung, weniger Fairness

KI wird nicht müde, eine Kampfrichterin irgendwann schon. KI erkennt selbst bei schnellsten Drehungen eines Turners seine Ungenauigkeiten. Und sie ist ein kostengünstiger Trainer-Ersatz. Von Lena Dillenburg (SWR 2024) | Manuskript und mehr zur Sendung: http://swr.li/ki-im-sport | Bei Fragen und Anregungen schreibt uns: daswissen@swr.de | Folgt uns auf Mastodon: https://ard.social/@DasWissen

Das Wissen SWR Kultur

Bildung Digitalpakt für Schulen läuft aus – wie geht es jetzt weiter?

Der Digitalpakt für Schulen zwischen Bund und Ländern läuft aus – viele Schulen haben profitiert, aber nicht alle. Ein neuer Pakt für die weitere Finanzierung von Whiteboards, Tablets und Lern-Programmen ist geplant, aber wie er finanziert werden soll, ist noch unklar.

Impuls SWR Kultur

Digitalisierung Datenverschlüsselung – Wie Kryptografie unser Leben bestimmt

Im Alltag verschicken wir verschlüsselte Textnachrichten, kaufen online ein. Quantencomputer und KI stellen die Kryptografie vor neue Herausforderungen – ein Wettlauf mit der Zeit. Von Sven Ahnert (SWR 2024) | Manuskript und mehr zur Sendung: http://swr.li/datenverschluesselung-kryptografie | Bei Fragen und Anregungen schreibt uns: daswissen@swr.de | Folgt uns auf Mastodon: https://ard.social/@DasWissen

Das Wissen SWR Kultur

Stand
Interview
Ralf Caspary im Gespräch mit Julia Knopf
Onlinefassung
Susanne Paluch