Digitales Programmheft

MAHLERunFINISHED

Stand

KONZERTTERMINE

Do 7. Dezember, 20 Uhr
Fr 8. Dezember, 20 Uhr
Stuttgart, Liederhalle
Fr 15. Dezember, 20 Uhr
Sa 16. Dezember, 20 Uhr
Freiburg, Konzerthaus

PROGRAMMFOLGE

Die Reihenfolge, in der die fünf Werke des heutigen Programms erklingen werden, stand zum Zeitpunkt der Drucklegung dieses Programmheftes noch nicht fest. Sie wird daher auf einem separaten Einlegeblatt bekannt gegeben.

GUSTAV MAHLER (1860 – 1911)
Adagio (1. Satz) aus der unvollendeten Sinfonie Nr. 10 fis-Moll

PHILIPPE MANOURY (*1952)
»Rémanences-Palimpseste«
Uraufführung, Kompositionsauftrag des SWR

MARK ANDRE (*1964)
»Echographie 4«
Deutsche Erstaufführung, Kompositionsauftrag des SWR

JAY SCHWARTZ (*1965)
»Theata«, Music for Orchestra VIII
Uraufführung, Kompositionsauftrag des SWR

ALEXEY RETINSKY (*1986)
»La commedia« für großes Orchester
Uraufführung, Kompositionsauftrag des SWR SWR Symphonieorchester

SWR Symphonieorchester
Teodor Currentzis, Dirigent

Im Anschluss an die Konzerte findet eine kammermusikalische »Nach(t)musik« mit Musiker:innen des SWR Symphonieorchesters auf der Bühne statt. Das Programm wird erst bekannt gegeben, wenn die »Nach(t)musik« beendet ist (Programmzettel).

Livesendung · Fr 8. Dezember 2023, 20.05 Uhr in SWR2
Video-Livestream · Fr 8. Dezember 2023, 20.05 Uhr auf SWR.de/so
Konzerteinführungen · Martina Seeber

Gustav Mahler
Gustav Mahler

KURZINFOS ZUM HEUTIGEN KONZERT

Gustav Mahler ∙ österreichischer Komponist und Dirigent ∙ geboren 1860 ∙ beginnt seine Dirigentenlaufbahn 1880 als Operettendirigent im Kurort Bad Hall, ab 1883 Musik- und Chordirektor in Kassel, komponiert dort »Lieder eines fahrenden Gesellen« ∙ 1891 – 1897 Erster Kapellmeister in Hamburg: »Wunderhorn-Periode« mit Sinfonien 1-3 ∙ Hofoperndirektor in Wien 1897 – 1907, inzwischen international berühmt, übernimmt Leitung der Wiener Philharmonischen Konzerte ∙ 1902 Hochzeit mit Alma Schindler ∙ komponiert Sinfonien 4-8, »Rückert-Lieder«, »Kindertotenlieder« ∙ 1907 Tod der Tochter Maria Anna ∙ Chefdirigent New York Philharmonic Orchestra ∙ dirigiert Konzerte in Europa und den USA ∙ es entstehen die 8. und 9. Sinfonie, »Das Lied von der Erde« ∙ starke gesundheitliche Probleme ∙ schreibt 10. Sinfonie im Particell (ohne Instrumentierung) ∙ stirbt am 18. Mai 1911 in Wien

Gleich zu Beginn seiner Tätigkeit als Chefdirigent des SWR Symphonieorchesters hat Teodor Currentzis eine ganz spezielle Idee entwickelt – sozusagen als tiefe Verbeugung vor Gustav Mahlers unvollendeter zehnter Sinfonie: Vier zeitgenössische Komponisten (Philippe Manoury, Marc Andre, Jay Schwartz und Alexey Retinsky) sollten vom SWR den Auftrag erhalten, in der Originalbesetzung des »Adagios« aus Mahlers Zehnter eigene Sätze von jeweils rund fünfzehn Minuten Länge zu schreiben und darin ihren eigenen Reflektionen und Assoziationen zu Mahlers Zehnter zu folgen. Es sollte keine Rekonstruktion oder Vervollständigung der Skizzen Mahlers sein, wobei Anklänge oder auch Zitate aus Mahlers hinterlassenem Material ausdrücklich erlaubt sein sollten.

REIZVOLL UNVOLLKOMMEN

Es sind ja oft die einfachen, die kurzen Fragen, die schwer zu beantworten sind: Wo ist das Musik-Werk? Haben wir es im Moment des Erklingens? Doch erst am Ende, wenn es gar nicht mehr klingt? Oder gibt es die Komposition nur in geschriebenen Noten, wo der Lesende das Ganze in den Händen hält – gleichsam wie einen Roman, überschaubar, handhabbar. Es lässt sich trefflich räsonieren über diese Zeitkunst namens Musik – und damit auch über Gustav Mahlers unvollendete zehnte Sinfonie, die heute im Zentrum steht.

MAHLERunFINISHED: Vier Komponisten nähern sich diesem Spätwerk. Sie denken jenes Unvollendete weiter, das Mahler hinterlässt aus einem ebenso tragischen wie einleuchtenden Grund: Er stirbt bei der Arbeit im Jahr 1911. Zumindest das Adagio ist da so weit, dass man von einem autorisierten Satz sprechen kann. Das Fragment, das nicht abgeschlossene: Dies spiegelt Mahlers Welt, die keine gebrechliche, aber schon immer eine zerbrechliche war. Keine wilhelminisch auftrumpfenden, keine überwältigenden Orchesterballungen in seinen Sinfonien, sondern eher: feine Linien, immer interessant orchestriert aus den Erfahrungen des langjährigen Dirigenten Mahler heraus. Auch das Adagio ließe sich so fassen: Der einstimmige Beginn der Bratschen, zunehmend polyphon garniert mit Variationen anderer Instrumente. Später dann: diese erdfern sich hoch schwingenden Melodien, ziellos wirkend, stets garniert mit einer Spur Melancholie, auch mit jenen »herrlichen Längen«, die immer wieder erwähnt werden, wenn es um Mahler geht. Denken Sie ruhig an amouröse Filmszenen, nicht nur an Luchino Viscontis Film »Tod in Venedig« von 1971, wo so viel aus Mahlers Fünfter zu hören ist.

KEINE HEILE WELT

Doch dann der Schock nach all der lichten Schwelgerei: Gerade dort, wo sich erste und zweite Violinen so schön verbandeln. Wie aus dem Nichts kommt dieses Fortissimo vom ganzen Orchester. Als einer der »kühnsten und zukunftsweisenden Entscheidungen in Mahlers gesamtem symphonischen Œuvre« wird diese Stelle beschrieben. Für Mahler selbst war diese Passage offenbar Ausdruck seines Liebeskummers: »Zusammen floss zu einem einzigen Akkord / Mein zagend Denken und mein brausend Fühlen«, schreibt er an seine Frau Alma, die just ihre Affäre mit Walter Gropius begonnen hatte. Den von Krankheiten ohnehin schon arg gebeutelten Mahler nimmt alles derart mit, dass er sich Rat sucht bei Sigmund Freud. Einfach dürften dessen Fragen auch nicht gewesen sein. Vielleicht aber kurz. Reden soll ja der Mensch auf der Couch.

Partiturseite aus der 10. Sinfonie von Gustav Mahler
Partiturseite aus der 10. Sinfonie von Gustav Mahler

Auch Musik ist sensiblen Wesens. Der 1965 in San Diego geborene Jay Schwartz ist kein Psychologe, hat aber Klavier studiert, Komposition und Musikwissenschaft. Schwartz horcht in seinem heute uraufgeführten »Theta« in Mahlers Welt hinein, in dessen Klang- wie Lebenswelt. Theta Ɵ ist das griechische Symbol für den Ausgangspunkt einer Winkelberechnung, zugleich symbolisiert es den Tod. Sein Werk, so Jay Schwartz, »klingt weniger konkret an die Partitur von Mahlers Zehnter an, sondern horcht vielmehr einem Urton der Todessehnsucht Mahlers nach.« Eine besondere Rolle spielt Johann Sebastian Bachs Geistliches Lied »Komm, süßer Tod«. Es ist nicht direkt hörbar in dieser Klangwelt, die von Glissandi geprägt ist, also vom stufenlosen Gleiten von einem Ton zum anderen. Schwartz notiert die Bewegungen sorgfältig aus, zuweilen gehen seine Glissandi von einem Ton zum nächsten Halbton über mehrere Takte.

TOTENTANZ

Solche vagen, kaum halt bietenden Verläufe, schließen Expressivität nicht aus. »Broad and ecstatic« (breit und ekstatisch) steht als Aufführungsvorschrift in den Noten. Es folgen »orgiastic« und gegen Ende ein »broad and wailing« (breit und jammernd). »Das Pietistische des Liedes«, so Jay Schwartz, »wird in einen hedonistischen Totentanz verwandelt und verfremdet: ›Komm, süßer Tod ‹ nicht als stilles Gebet, sondern als archaischer Urschrei.« Zur zunehmenden Expressivität dieses besonderen Orchesterwerks Theta passt, dass Schwartz Mahlers Todesahnung übergreifend begreift als so etwas wie ein »letztes Klagelied der Spätromantik, am Vorabend des großen Umbruchs in die Moderne.« Am Ende bleibt Schwartz jedoch nicht bei musikhistorischen Rückblicken: »Heute begreife ich ›Komm, süßer Tod ‹ aufs Neue als Aufruf zu einem Umbruch in eine neue Zeit.«

Der Komponist Jay Schwartz
Der Komponist Jay Schwartz

Existenzielle Fragen sind grundlegend für das Schaffen des 1964 in Paris geborenen Komponisten Mark Andre. Oft ist seine Musik leise, kaum hörbar – und das gilt auch für die »Echographie 4«, die durchweg in leisesten pianissimo-Regionen angesiedelt ist. In dieser besonderen Art der Klang-Mikroskopierung spiegelt sich Mark Andres Ansatz eines vertieft-innerlichen Hörens von Musik. Damit berührt er spirituelle, auch religiöse Sphären. Der viel beschäftigte Komponist zitiert in einem Interview die Theologin Margareta Gruber anlässlich eines Porträtabends in der Hamburger Elbphilharmonie im Mai 2022, wenn er sagt: »Die Auferstehung geschieht im Entschwinden. Das gilt in beide Richtungen: Jesus, der wieder aufersteht, entschwindet dem Irdischen – und umgekehrt gibt es diese Auferstehung eben nur, weil er dem Irdischen entschwindet. Der Entschwundene ist auferstanden, aber auch der Auferstandene ist verschwunden. Verschwinden und auferstehen, auferstehen und verschwinden. Das finde ich sehr faszinierend und auch für die Musik einen wichtigen Gedanken.«

ECHOS AUS DEM RAUM

Mahlers Leben, auch dessen Adagio aus der unvollendeten zehnten Sinfonie, schwingt in diesen Worten mit – und auch in der Ästhetik des Franzosen im Allgemeinen. Wie den Instrumentations-Virtuosen Mahler sind dem französischen Komponisten natürlich auch handwerklich-technische Fragen nicht fremd. »Echographie« heißt nicht nur Andres Werk, sondern bezeichnet auch ein physikalisches Verfahren, das die meisten wohl aus medizinischen Ultraschalluntersuchungen kennen. Nun geht es nicht um Baby-Bilder aus dem Mutterleib, sondern um die »akustische Abtastung« des Aufführungsraums, die Andre vor der Komposition vorgenommen hat im Bereich des Hörbaren, also mit einem sogenannten elektroakustischen »Sweep« zwischen 20 Hertz und 20 Kilohertz. Auf Basis dieser »akustischen Raumsignatur« entstanden die Strukturen dieses Werks, die zeigen: Musik muss nicht laut sein, um intensiv zu wirken. In seiner, so Andre, »Offenbarung der fragilsten, innigsten, instabilsten, intensivsten Zwischenzeiträume« gibt es jedenfalls eine »starke Korrelation mit Mahlers Ansatz im Allgemeinen und besonders mit den Fragmenten der zehnten Sinfonie.«

Mark Andre
Mark Andre

Wie Mark Andre bürgt auch sein französischer Kollege Philippe Manoury für Qualität. Manourys Ansatz ist vergleichsweise objektiver – ein Grund mag sein, dass er bei Max Deutsch studierte, der wiederum ein Schüler des konstruktiv-rational denkenden Arnold Schönberg war. »Für Orchester zu schreiben, ist wie Schach spielen«, sagt Philippe Manoury und fügt hinzu: »Die Kombinationen sind endlos, auch wenn wir alle Regeln kennen.« Die Vergangenheit spielt natürlich auch eine Rolle. Wenn es um sein Schaffen für Orchester geht, erwähnt der französische Komponist drei einflussreiche Namen, darunter Claude Debussy, »der die Hierarchien im Orchester zu Fall gebracht hat«, der von der Dominanz der Streicher wegkommt und »das Gewicht ganz neu« verteilt. Im gleichen Atemzug fällt der Name Richard Wagner, auch dessen »Plastizität«, das heißt, seine Polyphonie, die sich weitet und zusammenzieht; damit die Zeit dehnt oder komprimiert. Last but not least: Gustav Mahler. An ihm schätzt Manoury die »Suspendierung der Zeit« ebenso wie dessen »einzigartigen Kontrapunkt«.

Philippe Manoury
Philippe Manoury

ALLUSIONEN UND RITUALE

Im Gegensatz zu Jay Schwartz spielt die Lebenssituation Gustav Mahlers für Manoury eine untergeordnete Rolle. Er bezieht sich auf Strukturelles. Im langsamen Duktus seines Stücks »Rémanences-Palimpseste« schwingen die »herrlichen Längen« mit. Konkreter bezieht sich Manoury – ganz im Sinne des Werktitels – auf manche Passagen des Adagios aus Mahler zehnter Sinfonie. Gleich zu Beginn hallt Mahlers Ausgangthema nach, später dann taucht der so zukunftsweisende »Schreckensakkord« auf. Von Zitaten möchte Manoury dabei nicht sprechen. Es sind Allusinen, also Stilanleihen, die im Verlauf des Werks ständig auftauchen – im Sinne mal mehr, mal weniger versteckter Anspielungen. »Alexey Retinsky ist ein faszinierender junger Komponist. Seine Musik gehört in eine ganz andere Kategorie.« So sagt es Teodor Currentzis.

Alexei Retinsky
Alexei Retinsky

Der 14 Jahre ältere Dirigent unterstützt Retinsky schon früh in dessen Karriere. Zahlreiche Kompositonsaufträge gehen auf die Initiative des Chefdirigenten des SWR Symphonieorchesters zurück, zum Beispiel jenes bohrend intensive »The water has no hair« für großes Sinfonieorchester, das Retinsky für die letzten Pfingsfestspiele Baden-Baden schrieb in Form eines »Vorspiels zum Vorspiel« der Oper »Tristan und Isolde« von Richard Wagner. Der 1986 auf der Krim geborene Komponist lässt sich ebenso wenig in eine »ästhetische Schublade« stecken wie Philippe Manoury. Sein Interesse ist eine rituelle Musik, die mitteilsam ist, die das Publikum hineinzieht ins Brodeln des Geschehens. Eine entschiedene Beschäftigung mit der Musik der Vergangenheit, also auch mit Mahlers Adagio aus der zehnten Sinfonie, ist für Retinsky kein leichtes Unterfangen: »Heute ist es hundert Mal schwerer, eine Brücke zu einer tonalen Aussage zu bauen als ein gut klingendes Geräusch zu schreiben.« Die Schwere der Aufgabe führt am Ende zu einer besonderen Konstellation. Ganz im Sinne des Konzertmottos MAHLERunFINISHED ist die Partitur von Retinsky bei Drucklegung dieses Textes noch nicht fertig. Oder anders: Selbst in geschriebenen Noten ist das Werk nicht greifbar, nicht zu fassen.

Torsten Möller studierte an der Berliner Humboldt-Universität Musikwissenschaft, Kunstgeschichte und Soziologie. Mit dem Schwerpunkt auf der Musik des 20. und 21. Jahrhunderts ist er freiberuflich tätig für Radio (SWR2, Deutschlandfunk) und Print (Schweizer Musikzeitung, MusikTexte). In Essen unterrichtet Torsten Möller das Fach Musikjournalismus an der dortigen Folkwang Universität der Künste.

TEODOR CURRENTZIS

Teodor Currentzis ist Chefdirigent des SWR Symphonieorchesters, Gründer und künstlerischer Leiter des Orchesters und Chores musicAeterna und des UTOPIA-Orchesters. Für den in Griechenland geborenen Currentzis wurde seit Anfang der 1990er-Jahre Russland zur Wahlheimat, als er sein Dirigierstudium am Staatlichen Konservatorium in Sankt Petersburg bei Ilja Musin begann. Von 2004 bis 2010 war Currentzis Chefdirigent des Opernhauses und des Balletts in Nowosibirsk; von 2011 bis 2019 wirkte er als künstlerischer Leiter der Oper und des Balletts in Perm. Seit 2012 kuratiert Teodor Currentzis das Diaghilew-Festival in Perm. Als Chefdirigent des SWR Symphonieorchesters stehen für Teodor Currentzis vor allem das sinfonische Œuvre von Gustav Mahler und russische Sinfonik im Fokus seiner Programme, immer wieder aber auch zeitgenössische Kompositionen, darunter Werke von Lachenmann, Schnittke, Crumb, Scelsi, Zender, Kourliandski und Nikodijevic. Mit dem SWR Symphonieorchester und musicAeterna begibt sich Teodor Currentzis regelmäßig auf ausgedehnte Gastspielreisen mit Konzerten in der Berliner Philharmonie, der Philharmonie de Paris, dem Festspielhaus in Baden-Baden, der Mailänder Scala oder dem Auditorio Nacional de Música in Madrid.

Teodor Currentzis
Teodor Currentzis (© Nikita Chuntomov)

Gern gesehener Gast ist er zudem bei den Salzburger Festspielen, der Ruhrtriennale, dem Lucerne Festival, dem Klara Festival in Brüssel und den Festspielen in Aix-en-Provence. Teodor Currentzis arbeitet darüber hinaus mit den berühmtesten Theaterregisseuren zusammen, darunter Robert Wilson, Romeo Castellucci und Peter Sellars. Viele seiner bei Sony Classical erschienen CDs sind mit internationalen Preisen ausgezeichnet worden. Auf dem Webportal SWRKultur.de finden sich zahlreiche Konzertmitschnitte, die Teodor Currentzis gemeinsam mit dem SWR Symphonieorchester aufgenommen hat. Neben Sinfonien von Mahler, Tschaikowsky, Rachmaninow und Schostakowitsch sind dort auch hochwertige, unter Pandemie-Bedingungen entstandene Studioproduktionen wie Hans Zenders »Schuberts Winterreise« oder auch Gustav Mahlers »Lied von der Erde« zu sehen

SWR SYMPHONIEORCHESTER

Das SWR Symphonieorchester hat in der Liederhalle Stuttgart und im Konzerthaus Freiburg sein künstlerisches Zuhause. Im September 2016 aus der Zusammenführung des Radio-Sinfonieorchesters Stuttgart des SWR und des SWR Sinfonieorchesters Baden-Baden und Freiburg hervorgegangen, zählen Interpretationsansätze aus der historisch informierten Aufführungspraxis, das klassisch-romantische Kernrepertoire sowie Musik der Gegenwart gleichermaßen zu seinem künstlerischen Profil. Seit der Saison 2018/2019 steht Teodor Currentzis als Chefdirigent an der Spitze des SWR Symphonieorchesters, zur Saison 2025/2026 übernimmt diese Position François-Xavier Roth. Zu den jährlichen Fixpunkten im Konzertkalender des SWR Symphonieorchesters zählen die SWR eigenen Konzertreihen in Stuttgart, Freiburg und Mannheim sowie Auftritte bei den Donaueschinger Musiktagen und den Schwetzinger SWR Festspielen. Seit 2020 ist das SWR Symphonieorchester das Residenzorchester der Pfingstfestspiele Baden-Baden. Einladungen führen das Orchester regelmäßig zu den Salzburger Festspielen, in die Elbphilharmonie Hamburg, nach Berlin, Köln, Frankfurt, Dortmund, Essen, Wien, Edinburgh, London, Barcelona, Madrid und Warschau. International gefragte Dirigenten wie Herbert Blomstedt, Peter Eötvös, Christoph Eschenbach, Sir Roger Norrington, Jakub Hrůša, Eliahu Inbal, Ingo Metzmacher, Kent Nagano, Michael Sanderling, Pablo Heras-Casado, Jonathan Nott, Dima Slobodeniouk und David Zinman haben mit dem SWR Symphonieorchester zusammengearbeitet.

Teodor Currentzis am Pult des SWR Symphonieorchesters

Unter den hochkarätigen Solist:innen finden sich Patricia Kopatchinskaja, Antoine Tamestit, Gil Shaham, Nicolas Altstaedt, Vadym Kholodenko, Martin Grubinger und Isabelle Faust als Artists in Residence sowie viele weitere namhafte Gäste, darunter Hilary Hahn, Sabine Meyer, Julia Fischer, Yulianna Avdeeva, Renaud Capuçon, Anna Vinnitskaya, Janine Jansen, Mischa Maisky, Vilde Frang und Fazil Say. Mit seinem umfangreichen Musikvermittlungsangebot erreicht das SWR Symphonieorchester jährlich etwa 15.000 Kinder, Jugendliche und Erwachsene im Sendegebiet des SWR. Zahlreiche Live-Übertragungen und Konzertaufzeichnungen für SWR2 und auf SWR.de/so ermöglichen vielen Musikfreunden in der ganzen Welt, an den Konzerten des SWR Symphonieorchesters teilzunehmen.

SWR SYMPHONIEORCHESTER
Orchesterbesetzung

1. VIOLINEVIOLA
Jermolaj Albiker, KonzertmeisterPaul Pesthy *
Vivica PercyRaphael Sachs
Maxim KosinovJean-Christophe Garzia
Phillip RoyDirk Hegemann
Michael Hsu-WarthaEsther Przybylski
Alexander KnaakSally Clarke
Taru ErlichGro Johannessen
Stefan BornscheuerMitsuko Nakan
Dorothea JügeltDora Scheili
Gesa Jenne-DönnewegNicole Nagel
Helke BierJakob Lustig
Min WieJanis Lielbardis
Matia GotmanAndreea Alcalde Polo
Hwa-Won RimmerBohye Lee
Andreas RitzingerBarbara Weiske
Andreea JankeLila Rubin **
Leo EsselsonSusanne Ye
Tinatin Koberidze ** 
 VIOLONCELLO
2. VIOLINEFrank-Michael Guthmann *
Gunnar Persicke *Marin Smesnoi
Uta TerjungHendrik Then-Bergh
Harald E. PaulRahel Krämer
Susanne KaldorDita Lammerse
Peter LauerMarkus Tillier
Ada Gosling-PozoFionn Bockemühl
Michael Mayer-FreyholdtWolfgang Düthorn
Sylvia SchniedersBlanca Coines Escriche
Alina AbelAnna Mazurek
Katrin MelcherAlexander Richtberg
Karin AdlerPanu Sundqvist
Insa Fritsche 
Maria Kranzfelder
Jing Wen
Ines Perez Garcia 
Maximilian Beer** 
KONTRABASSTROMPETE
Sebastian Breidenstein *Thomas Hammes *
Felix von TippelskirchHolger Schäfer
Axel SchwesigFalko Schob
Frederik StockChristof Skupin
Astrid Stutzke 
Christoph DornPOSAUNE
Peter HeckingMayumi Shimizu *
Josef SemelederHarald Matjaschitz
Valentin VacariuStefanie Scheuer
Yosehp Ahn 
Myungho KimTUBA
 Werner Götze
FLÖTE 
Matvey Demin *PAUKE
Anne RomeisJochen Brenner
Marta Santamaria Llavall 
 SCHLAGZEUG
OBOEFranz Bach
Anne Angerer *Markus Maier
Annette SchützFelix Birnbaum
Ute TaxhetNico Wolbert
  
KLARINETTEHARFE
Dirk Altmann *Ursula Eisert
Rudolf König 
Anton HollichCELESTA
 Christoph Grund
FAGOTT 
Hanno Dönneweg ** Stimmführer:in
Angela Bergmann** Praktikant:in
Jinsol Kim ** 
  
HORN 
Thierry Lentz * 
Thomas Flender 
Benno Trautmann 
Josef Weissteiner 

FRAGEN AN RAHEL KRÄMER

Wann und warum haben Sie sich in Ihr Instrument verliebt?

Dank meiner Eltern gab es bei uns zu Hause viel Musik. Möglicherweise war eine Aufnahme des berühmten Cellokonzerts in B-Dur von Luigi Boccherini mit ausschlaggebend, gespielt von Anner Bylsma. Ich habe es geliebt, vor allem auf längeren Autofahrten! Jedenfalls habe ich als Dreijährige mit großer Bestimmtheit gesagt, dass ich einmal Cello spielen möchte und mit sechs Jahren durfte ich (endlich…) anfangen. In den Celloklang »verliebt« habe ich mich im Laufe der Jahre immer wieder aufs Neue. Warum? Wenn ich es in Worten »erklären« könnte, hätte ich mich wohl nicht verliebt…

Rahel Krämer
Rahel Krämer

Was zeichnet Ihr Instrument innerhalb der Familie der Streichinstrumente aus?

Innerhalb der Familie der Streichinstrumente nimmt das Cello für mich eine sehr vielseitige und dadurch auch besonders schöne und interessante Stellung ein, da das Cello dank seiner Tonlage ein ausgesprochen großes Spektrum an Klangfarben und Tonhöhen birgt. Bezogen auf die Funktion im Orchester: Harmonisch betrachtet, kann das Cello mit der Basslinie eine Grundlage bilden, oftmals gemeinsam bzw. mit Unterstützung der Kontrabässe. Ebenso gut kann das Cello für Zwischen- oder Nebenstimmen eingesetzt werden, und auch das ist eine wunderschöne Aufgabe! Nicht zuletzt aber ist das Cello als gesangliche Hauptstimme nicht wegzudenken, gelegentlich auch im Unisono mit den Ersten Geigen als tiefe Oktave, sodass hier die »Bassfunktion« und die Funktion der Hauptstimme miteinander verschmelzen. Darüber hinaus nimmt das Cello eine wichtige Rolle in der Kammermusik ein, es gibt bedeutende Solowerke mit Orchesterbegleitung sowie zahlreiche reine Solowerke ohne Begleitung.

Was lieben Sie an Ihrer Arbeit im SWR Symphonieorchester?

Ich schätze es sehr, dass wir Musik aus ganz verschiedenen Epochen spielen, mitunter unbekanntere bzw. weniger gespielte Werke und insbesondere auch Neue Musik. Sich immer wieder neuen Herausforderungen zu stellen, offen zu bleiben für Neues – all das ist sicher nicht immer ganz einfach, dafür aber spannend, kann sogar erfüllend sein, und vor allem kommt nicht so leicht eine Routine auf. Gerade durch die Auseinandersetzung mit Neuer Musik bleibt man auch am Puls der Zeit, unabhängig davon, wie sehr einen das persönlich anspricht. Das kann und darf ja unterschiedlich sein, so wie übrigens auch bei Werken aus anderen Epochen. Umso großartiger und besonderer ist es dann, beispielsweise eine Mahler-Sinfonie zu spielen, und ich wünsche mir, dass das auch immer besonders bleiben wird.

Für welches Hobby lassen Sie Ihr Instrument im Kasten?

Von einem echten Hobby zu sprechen, wäre in meinem Fall etwas zu hoch gegriffen, aber es gibt Tage, da zieht es mich hinaus bzw. hinein in die Natur. Sei es zu Fuß, auf den Langlaufskiern oder auch mal auf dem Rennrad. Bei letzteren beiden muss ich allerdings die Möglichkeiten rund um Stuttgart erst noch kennenlernen. Ich genieße aber auch sehr ein gutes Buch, einen guten Film oder das Stuttgarter Ballett!

Welche drei Musikstücke nehmen Sie mit auf eine einsame Insel?

…oh, so schwierig… Und je länger man darüber nachdenkt, desto schwieriger wird es. Die Auswahl ist ja viel zu groß. Zumal eine Selektion von drei Musikstücken lediglich eine »Momentaufnahme« abgeben könnte, morgen würde ich vielleicht eine andere Auswahl treffen. – Nur gut, dass ich gerade nicht vorhabe, auf eine einsame Insel zu gehen!

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Sonstige Informationen
Wir weisen freundlich darauf hin, dass unautorisierte Bild- und Tonaufnahmen jeglicher Art bei dieser Veranstaltung untersagt sind.

Impressum
Sabrina Haane, Gesamtleitung SWR Symphonieorchester
Dr. Henning Bey, Künstlerische Planung
Tabea Dupree, Redaktion SWR2
Henrik Hoffmann, Redaktion Programmheft
Matthias Claudi, Leitung Kommunikation SWR Ensembles und Festivals
Johannes Braig, Gestaltung
Sämtliche Texte sind Originalbeiträge für dieses Programmheft
Hausdruckerei des SWR

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Autor/in
SWR