Musikgespräch

Stummfilmbegleitung am Klavier: Der Pianist Kai Adomeit über seine Arbeit im Kino

Stand
Autor/in
Michael Rebhahn
Onlinefassung
Anna Seel

Von Beginn der Stummfilmzeit an ist die Musikbegleitung am Klavier, der Orgel oder durch ein Orchester ein wesentlicher Teil der Wahrnehmung des Filmerlebnisses. Der Pianist Kai Adomeit hat zahlreiche Produktionen und Live-Filmaufführungen begleitet.

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Beim Stummfilm spricht die Musik

Musik im Stummfilm funktioniert ganz anders als die Filmmusik, die man aus Tonfilmen kennt. Während die Musik heutzutage den Zuschauer auf das nächste Geschehen vorbereitet, hat die Musik im Stummfilm ein wenig mehr Verantwortung: „Die Musik bereitet nicht nur auf die Handlung vor, sondern die Musik handelt selbst und geht mit der Handlung mit“, erklärt Kai Adomeit.

Worte gibt es im Stummfilm zwar noch nicht, aber dafür spricht die Musik an ihrer Stelle. Sie stellt die fehlenden Worte in Melodien, Rhythmik und Akzenten dar und intensiviert dadurch das Seherlebnis, sie bildet eine emotionale Grundstimmung und Unterstützung. Auch die Figuren werden durch die Musik bewertet und charakterisiert.

Klavierpartitur der Filmmusik zu Metropolis von Gottfried Huppertz
Für den Pianisten Kai Adomeit ist die Musik von Gottfried Huppertz der Höhepunkt der Stummfilmmusik. Das Schaffen Huppertz sei sehr gut dokumentiert, so Adomeit. Wie auch mit der Klavierpartitur zum Stummfilmklassiker „Metropolis“ aus dem Jahr 1927.

Orchesterproben mit Kinoerlebnis

Aber wie genau schafft man es, mit dem Film synchron zu sein und seine Stimmung passend zu treffen? Neben auskomponierten Stummfilmbegleitungen improvisieren manche Musiker*innen wild über die Darstellungen im Film.

Adomeit spielt meistens mit Filmmusikkompositionen und erzählt von einer typischen Probe mit Orchesterpartitur und Film:

„In der ersten Probe kann man den Film gar nicht gebrauchen. Da muss man erst mal herausfinden wo ist oben und unten? Man muss sich die Noten noch zurechtmachen. Man muss wirklich die Tempi genau absprechen, aber ab der zweiten Probe läuft dann der Film mit, und dann beginnt man eben auch zu sehen.“

Der Stummfilm hatte also schon immer eine Stimme, man muss sich nur auf die Worte der Musik einlassen.

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