Gespräch

Nilz Bokelberg ist der SWR Kultur Coverlover: „Musik ist eine der schlausten Kulturformen überhaupt“

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AUTOR/IN
Markus Brock

Schöne Plattencover sind oft genau solche Meisterwerke, wie die Platten, die drinstecken. Höchste Zeit, sich mal genauer mit der Coverkunst zu beschäftigen. Soweit die Idee hinter „Coverlover“ – ein neues Format auf dem SWR Kultur Instagram Kanal. Der Coverlover ist Nilz Bokelberg, den viele noch als den langhaarigen Musikexperten beim Musiksender Viva kennen.

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Jetzt stellt er legendäre und künstlerisch wertvolle Plattencover vor – von Nirvanas „Nevermind“ bis Lady Gagas „Artpop“. Welche Ideen und Geschichten stecken hinter solchen Coverkunstwerken? Und wer ist der Mann hinter dem Coverlover?

Das Huldigen des Covers

Nilz Bokelberg kauft bis heute Platten nur nach Cover: „Ich hab schon so viele Bands entdeckt, weil mir einfach das Cover so gut gefallen hat.“ Früher, in den Zeiten vor Spotify & Co. sei das ganz normal gewesen, „blind zu kaufen“ oder sich auf Empfehlungen von Freunden zu verlassen.

Die Zeit der Coverkunst ist für den 1976 geborenen Rheinländer allerdings nicht vorbei, sagt er, mit Verweis auf die aktuelle Vinyl-Renaissance. In Sachen Cover gäbe es auch heute viele aufwendige Sachen.

Das „Huldigen des Covers“ vermisse er aber sehr, erinnert sich Nilz Bokelberg an seine Jugend, in der er dem Cover sehr viel Aufmerksamkeit gewidmet hätte. „Da habe ich mir die Texte durchgelesen und die Dankesgrüße und überlegt – aha, wen grüßen die und was könnte das bedeuten. Und dann auch geguckt, wer spielt auf der Platte mit, welche Instrumente und so.“

Der Informationswert, der in so einer Plattenhülle steckt, der war total wichtig, sagt Bokelberg: „Das ist heute nicht mehr so. Heute haben die meisten das Lied schon hundert Mal gestreamt, bevor sie es kaufen. Das Mysterium, dass man auch mit so einem Cover hatte, das ist so ein stückweit aufgelöst.“ Das liege natürlich auch an den sozialen Netzwerken, wo die Künstler*innen selbst Auskunft gäben.

Musik im Zentrum der Dinge

„Die Geschichten von Plattencovern sind so unterschiedlich wie die Musik selbst – und das will ich in „Coverlover“ erklären und die Leute dafür begeistern.“ Seine Liebe zur Musik sei immer so groß gewesen sagt Nilz Bokelberg, dass „ich das immer zum Zentrum der Dinge gemacht habe“ und damit auch seine Karriere als Musikexperte manifestiert habe. Berührungsängste habe er dabei nicht, „ich mag einen Harry Styles, es gibt wahnsinnig spannende Indie-Bands und ich liebe die Beatles“.

Wahnsinnig viel ausprobieren

Mit Podcast-Formaten wie „Die Nilz Bokelberg-Erfahrung“, „Wiedersehen macht Freude“ – zusammen mit seiner Frau, der Podcast-Königin Maria Lorenz-Bokelberg und „Gästeliste Geisterbahn“ – ist Nilz Bokelberg sehr erfolgreich. „Es ist ein Medium, das noch am wenigsten reguliert ist. Wo man noch wahnsinnig viel ausprobieren kann. Deswegen liebe ich das sehr und finde das ganz aufregend.“

Wo bleibt die Moral?

Angesprochen auf seine ehemalige Lehrtätigkeit als Dozent für Medienethik lacht Nilz Bokelberg. Damals habe er Beispiele wie „das Geiseldrama von Gladbeck“ oder „die Hitler-Tagebücher“ als medienethische Problemfälle thematisiert.

Wo bleibt da die Moral? Heute habe er das Gefühl, dass einem fast nichts mehr unangenehm oder peinlich sein müsse und diese Haltung auch auf die Medien abgefärbt habe. Er frage sich, wie das Vertrauen in die Medien wieder hergestellt werden könne, das sei ein großes Problem.

Schlaue Kulturform mit Herz

Angesprochen auf einen Lieblingstitel tut Nilz Bokelberg sich schwer. Da gäbe es einfach viel zu viele. „Ich liebe Musik so dermaßen, ich finde Musik ist eine der schlausten Kulturformen, die es gibt und die mir so ans Herz geht.“

Musik Everything But The Girl mit neuem Album „Fuse“ – Wiederhören mit alten Freunden

Das Duo „Everything But The Girl“ von Tracey Thorn und Ben Watt wurde 1995 wurde mit „Missing“. auf einen Schlag weltbekannt. Nach 24 Jahren gibt es wieder ein neues Album: „Fuse“ .Musikalisch es etwas aus der Zeit gefallen ist es für SWR2-Popkritiker Dirk Schneider eine große Freude, sich mit den beiden immer noch verbunden zu fühlen. Denn die Musik ist immer noch so zärtlich, klug und introspektiv wie vor einem Vierteljahrhundert.

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