Albumkritik

Musikalisches Märchen: Das neue Album von Sufjan Stevens

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AUTOR/IN
Giordana Marsilio
Giordana Marsilio (Foto: Giordana Marsilio, Autorin und Redakteurin, SWR Kultur)

„Javelin“ ist das erste Soloalbum von Sufjan Stevens seit „The Ascension“ von 2020. Die Musik des Amerikaners ist in Filmen wie „Little Miss Sunshine“ oder „Call me by your Name“ zu hören. „Javelin“ ist wie ein musikalisches Märchen, in dem Stevens seine Hörerinnen und Hörern verzaubert. Elegant und ohne Pathos zeigt er seine Gefühle. Und Trotz der Melancholie kann man in jedem Song Hoffnung spüren.

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Zum Einstieg nur Stimme und Piano

Mit einem Abschied – „Goodbye Evergreen“ – beginnt das neue Album. Der Einstieg ist minimalistisch: Stevens' sanfte Stimme und ein Piano. Dieser intime Dialog bricht plötzlich in eine musikalische Explosion aus: Streichinstrumente, Chöre, Elektronische Klänge. Dieses Muster zieht sich durch das ganze Album: Jeder Song findet seinen Höhepunkt in einem musikalischen Gesamtkunstwerk, in dem sich verschiedene Instrumente elegant vermischen.

Der Multiinstrumentalist nutzt viele Genres

„Javelin“ ist buchstäblich ein Spiel mit der Musik. Der Multiinstrumentalist nutzt Elemente des Folk-, des Indie- und des Elektrogenres, mischt sie mit Flöten, Trommeln und Streichinstrumenten, um immer wieder eine fantastische Welt zu schaffen. So wie in „Genuflecting Ghost“ in der seine leise erzählerische Art zu singen auf Elektro-Beats trifft. 

Trommelschlag wie der Klang des Herzens

Das Spiel geht weiter in dem 8-minütigen-Stück „Shit Talk“, einem Mix von Folk-Elementen und epischen Tönen.  Oder im Titel „Will Anybody Ever love me?“. Hier zieht sich ein starker Trommelschlag im ganzen Lied durch, wie der  Klang eines Herzschlags.

„Javelin“ wirkt wie ein musikalisches Märchen

Jedes Lied beginnt sehr konkret: seine Stimme und ein Instrument – Gitarre Piano oder Banjo-  wir stehen mit  den Füßen in der Realität . Aber dann, nach wenigen Sekunden, geschieht etwas: er zieht uns in eine Welt hinein voller magischer Klänge mit Synthesizer, Glöckchen und Trommeln. Er bietet Einblicke in die Liebe und in Verluste, die er mit Authentizität und Feinfühligkeit erzählt, wie in der Ballade „So you are tired“

Die Stärke von Sufjan Stevens: Eine ehrliche Musik zu schreiben, in der er ohne Angst seine Gefühle zeigt.  in jedem Song von „Javelin“ kann man sie spüren: die Hoffnung.

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