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Simon Strauß: Zu zweit

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Mit seinen beiden bislang veröffentlichten literarischen Büchern „Sieben Nächte“ und „Römische Tage“ hat Simon Strauß sich einen Ruf als neoromantisch grundierter, konservativ-erhabener Autor erschrieben, der dem profanen Leben Augenblicke des Heroischen, des großen Gefühls entgegenzusetzen vermag.

Sein neues Buch ist eine gerade einmal 150 Seiten umfassende Novelle, die als Vorsatz ein Zitat von Matthias Claudius trägt: „So sind wohl manche Sachen, / die wir getrost belachen, / weil unsre Augen sie nicht sehen.“

Ein Mann liegt schlaflos in seinem Zimmer. Mit Fingerspielen versucht er seine Nerven zu beruhigen. Draußen geht etwas vor sich. Der Regen klatscht auf das Dach; Helikopter kreisen über dem Haus. Er hört ein Maunzen, ein Kratzen an der Tür und steht auf. Vor der Tür ein zitterndes Bündel, dem der Mann ein Büschel Haare herausreißt; dann tritt er nach draußen, macht sich auf den Weg. Erinnerungen an seine Kindheit steigen in ihm auf; draußen steht die Welt unter Wasser.

Eine Frau hat sich auf ein Floß gerettet; was sich anbahnt, ist eine Annäherung unter ungewöhnlichen und widrigen Bedingungen. Kein Boden unter den Füßen, sondern nur Wasser, rundherum der Ausnahmezustand. Zwei Fremde, aufeinander zurückgeworfen.

Was bedeutet es, zu zweit zu sein? Bedarf es überhaupt eines anderen Menschen, um sich selbst erkennen zu können? Wie betrachtet man die eigene Vergangenheit, wenn die Welt sich schlagartig verändert hat? Eine Reflexion über das Schauen und das Sehen und über die Angst. Und eine Liebesgeschichte, das auch.

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Autor/in
SWR