Kulturmedienschau

Schauspielerin Sandra Hüller – Königin auch ohne Palme | 30.5.2023

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AUTOR/IN
Kristine Harthauer

Die Königin von Cannes – als solche preisen fast einstimmig die Kulturseiten der Tageszeitungen die Schauspielerin Sandra Hüller. Den Preis als beste Hauptdarstellerin hat sie bei den Filmfestspielen von Cannes zwar nicht erhalten. Aber auch ohne Palme gilt sie als Gewinnerin: Denn sie spielt in zwei preisgekrönten Filmen die Hauptrolle.

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Sandra Hüller dominiert in zwei Hauptrollen die Preisverleihung

Mit vier schlichten Worten lenkte Regisseurin Justine Triet bei der Dankesrede für die Goldene Palme den Fokus auf ihre Hauptdarstellerin: „Bitte komm rauf, Sandra.“ Auch die deutsche Presse feiert Sandra Hüller als die „Königin von Cannes“.

In Triets Siegerfilm „Anatomie d'une chute“ („Anatomie eines Falls“) spielt sie die Hauptrolle, ebenso in Jonathan Glazers Auschwitz-Drama „The Zone of Interest“, in dem sie die Ehefrau des SS-Verbrechers Rudolf Höss spielt. Glazers Film erhielt den großen Preis der Jury. Glorreicher könne man kaum gewürdigt werden, meint die Süddeutsche Zeitung in ihrem Resumée der Preisverleihung.

Stilistisch konventionell, inhaltlich ehrgeizig

Die „Welt“ bemerkt, dass Justine Triets Film eine „auf den ersten Blick erstaunliche Wahl“ für die Goldene Palme sei: „Anatomie d'une chute“ stelle eine Abkehr von den großen Gesellschaftsthemen dar, die in den vergangenen Jahren die Filmfestspiele dominierten. Stilistisch sei der Film absolut konventionell, aber dafür inhaltlich umso ehrgeiziger, so das Urteil der Welt.

Die „FAZ“ thematisiert in ihrem Abschlussbericht die Rolle der Frauen bei den Festspielen. Viel habe sich in den vergangenen Jahren verändert. Jeder dritte Wettbewerbsfilm in diesem Jahr wurde von Frauen gedreht, die Entscheidungen der Jury hätten sich allerdings nicht nach Paritäten gerichtet, so der Juryvorsitzender Ruben Öslund.

Während bei den Filmfestspielen größere politische Bekundungen unterbunden wurden, übte Justine Triet in ihrer Dankesrede heftige Kritik an den innenpolitischen Entscheidungen der Regierung Macron: Neben der Unerbittlichkeit angesichts des anhaltenden Streits um die Rentenreformen beklagte sie den Ausverkauf der französischen Kultur.

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