Nachhaltiges Reisen (Foto: IMAGO, PantherMedia / Rolf Georg Brenner)

Ferienstart in Baden-Württemberg

Fünf einfache Tipps: Mit der Glücksformel nachhaltiger reisen

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AUTOR/IN
Eva Marburg

Jon Andrea Florin von der Non-Profit-Organisation fairunterwegs, die Menschen beim klimaethischen Reisen unterstützt, hat mit seinem Team eine Formel kreiert: Die Glücksformel, mit der nachhaltiges Reisen ganz leicht fallen soll.

Eine Wäscheleine vor einem Zelt (Foto: IMAGO, IMAGO / Shotshop)
Eine Flugreise ans Mittelmeer oder doch lieber Camping am örtlichen Baggersee? Vor dieser Frage stehen zahlreiche Touristen Jahr für Jahr. Aus Klimasicht wäre die Frage einfach zu beantworten.

Zum Beginn der Sommerferien stellen sich viele Urlauber in diesem Jahr mehr denn je die Gewissensfrage: Soll ich wirklich ans Mittelmeer fahren, wo es gerade brennt? Oder gar dorthin fliegen? Laut dem Reiseportal booking.com geben fast 90 Prozent der Befragten an, nachhaltig reisen zu wollen. Aber nur knapp die Hälfte macht es dann auch.

Mit der „Glücksformel“ will fairunterwegs einen Beitrag zu nachhaltigem Reisen leisten und mehr Menschen aufzeigen, dass klimaethischer Urlaub keine Herausforderung sein muss.

G – wie gemächliches Reisen

L – wie Lokales bevorzugen

Ü – wie Überraschung

C – wie CO2-Ausstoß und Ressourcenverbauch reduzieren

K – wie korrekte und faire Preise bezahlen

G – wie gemächliches Reisen

Nachhaltiges Reisen (Foto: IMAGO, imago images / Volker Preußer)
Sich wirklich auf einen Ort einlassen, das kann man nur, wenn man sich die Zeit dafür nimmt. Hetzt man nur von Sehenswürdigkeit zu Sehenswürdigkeit, kann einem viel entgehen.

Gemächliches Reisen heißt, sich Zeit zu lassen und auf Stress und Eile im Urlaub zu verzichten. Es geht darum, die Dinge zu genießen, sie in aller Ruhe auf sich wirken zu lassen und den eigenen Erfahrungen mit Achtsamkeit zu begegnen.

Je langsamer man unterwegs ist, desto mehr erlebt man. Das beginnt schon bei der Anreise. Wer mit Fahrrad, Bus oder Bahn anreist, führt vielleicht Gespräche mit anderen Reisenden oder entdeckt Orte, die man sonst verpasst hätte. Länger an einem Ort zu bleiben, intensiviert die Eindrücke.

L – wie Lokales bevorzugen

Nachhaltiges Reisen (Foto: IMAGO, imago images/Shotshop)
Auf kleinen Märkten findet man nicht nur tolle handgemachte Produkte, sondern unterstützt zusätzlich die Menschen vor Ort.

Lokales bevorzugen bedeutet, die Gastfreundschaft der Menschen vor Ort zu schätzen und dafür zu sorgen, dass dort nachhaltige, bessere Arbeitsbedingungen herrschen. Das Geld, das im Urlaub ausgegeben wird, sollte auch dort bleiben.

Am besten bucht man deshalb Übernachtungen bei kleinen, familiengeführten Unterkünften, die den Menschen gehören, die dort leben. Einkäufe auf lokalen Wochenmärkten, in kleinen Läden oder bei Straßenhändlern unterstützen die Gegend vor Ort.

Auch Mitbringsel und Souvenirs sollte man lieber beim lokalen Handwerk kaufen und nicht aus der Massenfabrikation.   

Ü – wie Überraschung

Nachhaltiges Reisen (Foto: IMAGO, imago images/robertkalb photographien)
Auch abseits der großen Touristenströme lassen sich besondere Orte entdecken.

Einfach mal nicht planen müssen, wie in der Familie, im Alltag oder Job: Das ist der Vorteil des Sich-Überraschen-Lassens. Wenn man auch mal den Zufall zum Reiseführer macht, entdeckt man Dinge, Orte und Menschen, die auf keinem Bewertungsportal stehen.

Ausschau halten nach Sehenswürdigkeiten jenseits der Hotspots und das anschauen, wo wenige hingehen, wie in die Nebengasse oder in das Ortsmuseum. Überraschung ist, sich auf Unvorhergesehenes einzulassen und seine eigenen Erwartungen zu durchbrechen.

C – wie CO2-Ausstoß und Ressourcenverbauch reduzieren

Nachhaltiges Reisen (Foto: IMAGO, imago images/Westend61)
Mit Angeboten wie Interrail oder Nachtzügen kann man bequem auch große Strecken mit der Bahn zurücklegen. Perfekt für ein nachhaltiges Reiseabenteuer in Europa!

Tourismus ist in großen Teilen für die Klimaerhitzung, die Wasserknappheit vor Ort und die Abfallflut verantwortlich. Nachhaltiges Reisen achtet daher darauf, die Treibhausemissionen möglichst klein zu halten und die Ressourcen zu schonen.

CO2-Emissionen vermeidet man am besten, indem man Flüge umgeht und zum Beispiel mit der Bahn unterwegs ist. Bei Flügen sollte man auf Klimaverträglichkeit achten und leicht packen. Oder lieber gleich ein Reiseziel in der Nähe anpeilen.

Starken Wasserverbrauch haben Hotels und Ressorts aus Beton mit Klimaanlage, einem Pool oder Golfplatz in trockenen Gegenden. Kleine, traditionell gebaute Hotels sind nachhaltiger. Bei großen Hotels sollte man auf ein Umweltzertifikat achten.

Auch im Urlaub besser die Mehrwegflasche und den Jutebeutel zum Einkaufen einpacken und die Plastiktüten vermeiden.

K – wie korrekte und faire Preise bezahlen

Nachhaltiges Reisen (Foto: IMAGO, imago images/Image Source)
Ob im Hotel oder im Café: Viele Servicekräfte sind vor allem auf Trinkgelder angewiesen, um über die Runden zu kommen.

Ein billiger Discount-Urlaub mit all inclusive ist nicht nachhaltig. Wenn eine Reise günstig ist, zahlt am Ende jemand drauf: die Arbeitskräfte vor Ort zum Beispiel, die im Niedriglohnsektor arbeiten.

Zertifizierte Reiseveranstalter achten auf Menschenrechte, Umweltschutz und faire Bezahlung und lassen ihr Nachhaltigkeitsmanagement unabhängig überprüfen. Auch ein faires Trinkgeld im Urlaub zu geben ist wichtig, denn oft ist das der einzige Lohn für die Servicekräfte. 

Jon Andrea Florin im Gespräch über klimafreundliches Reisen:

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Eva Marburg