Schuldgefühle und Scham

„Was ich anhatte“: Wanderausstellung in Ulm kämpft gegen victim blaming bei sexualisierter Gewalt

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Philine Sauvageot

Immer noch herrsche bei sexualisierter Gewalt das Vorurteil, „dass Frauen die Schuld tragen“, sagt Kuratorin und Dokumentarfilmerin Beatrix Wilmes in SWR2. Gegen dieses „victim blaming“, das die Frauen zu Täterinnen mache, kämpft die Wanderausstellung „Was ich anhatte“, die bis zum 14. Juli in Ulm zu sehen ist.

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12 Kleidungsstücke von 12 anonymisierten Frauen

In der Ausstellung in Ulm hängen 12 Kleidungsstücke von 12 anonymisierten Frauen, die sie trugen als sie zum Opfer einer Vergewaltigung wurden: Jeans, schwarzes T-Shirt, langes Nachthemd. „Ganz normale Alltagskleidung“, sagt die Kuratorin Beatrix Wilmes in SWR2.

Immer noch herrsche das Vorurteil, dass Frauen an sexualisierten Übergriffen eine Mitschuld tragen würden, zum Beispiel weil sie zu aufreizende Kleidung getragen hätten. „Das ärgert mich“, sagt die Kuratorin.

Geschichten der Frauen sichtbar zu machen

Die Ausstellung wandert bereits seit drei Jahren durch Deutschland. Im Laufe der Zeit hätten sie viele positive Reaktionen erhalten. Ein Zeichen, dass dieses Thema „endlich in die Öffentlichkeit gehen muss“, sagt Wilmes.

Mehrere Frauen hätten ihr eine Tüte mit Kleidung in die Hände gedrückt, sie baten sie, „auch ihre Geschichte zu erzählen“.

Eine Ausstellung, die noch lange gezeigt werden muss

In jeder Stadt werden neue Geschichten erzählt, so verändert sich die Ausstellung laufend. Sie stellen Kleidung von sehr jungen Mädchen bis zu über 80-jährigen Frauen aus, denn „sexualisierte Gewalt kann Frauen in allen Altersstufen treffen“, erzählt Wilmes.

Mittlerweile habe die Ausstellung ihren 26. Ausstellungsort erreicht. Normalerweise höre eine Ausstellung irgendwann auf, sagt Wilmes. In diesem Fall habe sie aber ein anders Gefühl: „Diese Ausstellung braucht noch eine ganze Zeit, bis sie aufhört“.

Ulm

"Was ich anhatte..." in Ulm Ausstellung zeigt Kleidung von Opfern sexualisierter Gewalt

Immer noch gibt es das Vorurteil bei sexualisierter Gewalt, dass Frauen wegen ihrer Kleidung "die Schuld tragen". Dagegen kämpft die Ausstellung "Was ich anhatte..." in der Stadtbibliothek Ulm.

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