Fotografie

Echtes Leben – echte Bilder: Preisgekrönte Dokumentar-Fotografie in der Staatsgalerie Stuttgart

Stand
Autor/in
Andreas Langen
Andreas Langen, Autor und Redakteur, SWR Kultur

Die Staatsgalerie Stuttgart zeigt eine Auswahl aus 30 Jahren Dokumentar-Fotografie-Preis der Stiftung Wüstenrot – komplexe Bildserien über Demokratie, Kapitalismus, Sexualität, Migration und andere relevante Themen. Die Stilmittel sind so unterschiedlich wie die Inhalte, aber eines gelte für alle Werkgruppen, so Kuratorin Christin Müller: „Die Fotografien sind authentisch, und sie zeigen mehr als ein Bildmotiv – sie zeigen eine Haltung.“

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Staatsgalerie Stuttgart. Images of the Present.
Kirill Golovchenko. Ohne Titel. Aus der Serie: Der ukrainische Durchbruch. 2008 Bild in Detailansicht öffnen
Staatsgalerie Stuttgart. Images of the Present.
Verena Jaekel. San Francisco, 23.04.2006. Aus der Serie: Neue Familienportraits. 2005/2006 Bild in Detailansicht öffnen
Staatsgalerie Stuttgart. Images of the Present.
Malte Wandel. Miguel 01, Cabeça do Velho, Chimio, Mozambik, 2017. Aus der Serie: Sarah, Miguel und Jamal. Seit 2015 Bild in Detailansicht öffnen
Staatsgalerie Stuttgart. Images of the Present.
Albrecht Tübke. Ohne Titel. Aus der Serie: Jugend 1998. Bild in Detailansicht öffnen
Staatsgalerie Stuttgart. Images of the Present.
Sara-Lena Maierhofer. Napoleon (Villa Reale, Mailand) Aus der Serie: The Great. 2014 Bild in Detailansicht öffnen
Staatsgalerie Stuttgart. Images of the Present.
Susanne Hefti. Kosovo – A Truely. Affirmative Research, 2017 Bild in Detailansicht öffnen

17 ausgezeichnete Projekte aus 30 Jahrgängen

Für die Ausstellung in der Staatgalerie Stuttgart hat Kuratorin Christin Müller 17 Projekte aus den bisher 30 Jahrgängen des Dokumentarfotopreises der Wüstenrot-Stiftung ausgewählt. „Das reine Einzelbild oder die Bildserie werden immer weniger“, so Müller. Es gehe immer mehr in das installative und kontext-basierte Arbeiten, wo auch das eigene Tun, die eigene Beobachtung klarer sichtbar werden. Der Betrachter werde mit einer Haltung konfrontiert ist, und nicht nur mit einem Bild.

Staatsgalerie Stuttgart. Images of the Present.
Susanne Hefti. Kosovo – A Truely. Affirmative Research, 2017

Nicht nur ein Bild, sondern auch eine Haltung

Eine solche Haltung ist es etwa, wenn die Fotografin Susanne Hefti ihren Aufnahmen aus dem Kosovo ein Tagebuch-artiges Video beiseite stellt. Darin räsoniert sie darüber, was sie als Beobachterin mit der Kamera eigentlich zeigen kann und was nicht. Das ist Medien-Kritik aus erster Hand, die unterstreicht: Was da an den Wänden der Staatsgalerie hängt, ist der ehrgeizige Versuch, Realität in ihrer ganzen Komplexität abzubilden – anstelle von Propaganda oder KI-Fakes.

Gleichzeitig ist es natürlich so, dass der Konstruktionscharakter dessen, was hier erzählt wird, immer offengelegt wird. (Das heißt), wir sehen verschiedene Perspektiven mitunter in einer einzigen Arbeit, so dass man spürt, dass es nicht eine Wahrheit gibt, sondern dass die Wahrheit sich zusammensetzt aus unterschiedlichen Blickwinkeln.

Staatsgalerie Stuttgart. Images of the Present.
Malte Wandel. Miguel 01, Cabeça do Velho, Chimio, Mozambik, 2017. Aus der Serie: Sarah, Miguel und Jamal. Seit 2015

Handfeste und beinahe altmodische Tugenden der Dokumentarfotografie

Doch neben all der Medientheorie kann man auch ein paar handfeste und beinahe altmodische Tugenden benennen, die engagierte Dokumentarfotografie auszeichnen – zum Beispiel langer Atem. So befassen sich Malte Wandel oder Andrea Diefenbach seit vielen Jahren mit den Schicksalen von Arbeitsmigranten und ihren Familien. Dabei entstehen Bilder und Werkgruppen, die dem Titel der Stuttgarter Ausstellung gerecht werden, egal wie alt sie sind: „Images of the Present“ – Bilder der Gegenwart.

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