art KARLSRUHE 2024

Kunst als Geldanlage?

Besserwisser Know-how für die art KARLSRUHE: Wie man zum Kunstmessen-Profi wird

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AUTOR/IN
Luisa Sophie Klink

Die art KARLSRUHE öffnet vom 22. bis 25. Februar wieder Ihre Pforten. Vier Tage lang treffen sich das Who is Who der Kunstszene und Kunstmessen-Neulinge. Sie sind gern gesehene Gäste. Doch wie bewegt man sich zwischen Kennern und Künstlern? Ein kleines „Howto Kunstmesse“.

Auf einer Messe war sicher jeder schon mal, um etwas auszuprobieren, sich inspirieren zu lassen oder einfach nur zum Flanieren. Doch um Kunstmessen machen viele Nichtkenner einen großen Bogen – zu elitär, zu abgehoben. Vorurteile mit denen Kristian Jarmuschek, Galerist und einer der Projektleiter der art KARLSRUHE, aufräumen möchte.

„Es wird auf einer Kunstmesse nichts abgefragt, vielmehr fragen die Galeristen, ob sie einen Künstler vorstellen dürfen. Man muss keine Angst haben, jeder ist willkommen, sich umzuschauen, Fragen zu stellen, zu flanieren oder sich einfach nur wohlzufühlen“, sagt Jarmuschek.

Halle 2 mit Fokus Kunst nach 1945 und Gegenwartskunst
In Halle 2 mit dem Fokus auf Kunst nach 1945 und Gegenwartskunst wird der letzte Feinschliff für die diesjährige art KARLSRUHE vorgenommen. Ein Galerist legt selbst noch ein letztes Mal vor der Eröffnung Hand an. Die Kunstwerke sollen im besten Licht erstrahlen. Bild in Detailansicht öffnen
Skultpurengarten im Atrium
Der Skulpturengarten im Atrium ist auch schon fast aufgebaut. Jede Figur bekommt einen exakten Platz zugewiesen – alles für eine harmonische Gesamtschau. Bild in Detailansicht öffnen
dm-arena mit zeitgenössischer Kunst
In der Arena mit zeitgenössischer Kunst werden vorsichtig die letzten Bilder enthüllt. Bild in Detailansicht öffnen

Neue Räume für junge Künstler und Messe-Neulinge

Auf der art KARLSRUHE sei man bemüht, Kontakte zwischen aufsteigenden Künstlern und jungen Kunstliebhabern herzustellen. „Sie sind auf einer Wellenlänge, haben die gleichen Intentionen“, so Kristian Jarmuschek.

Gleich zwei neue Räume werden ihnen dieses Jahr zur Verfügung gestellt: Direkt nach ihrem Abschluss dürfen Kunsthochschul-Absolventen in einem sogenannten „Acadamy Square“ ihre Werke ausstellen, um möglichst früh netzwerken zu können.

Sonderausstellung „Academy Square“ Engagiert, innovativ, originell – Nachwuchskünstler auf der art KARLSRUHE

Erstmals zeigt die art KARLSRUHE Nachwuchskünstler aus Baden-Württemberg in einer Sonderausstellung: Auf dem „Academy Square“ präsentieren sich 14 ehemalige Kunsthochschüler aus Karlsruhe und Stuttgart. „Engagiert, innovativ, originell“ urteilt Monopol-Chefredakteurin Elke Buhr über den Nachwuchs. Sie hat die Ausstellung für die art KARLSRUHE mit Begeisterung kuratiert.

Im „Paper Square“ haben Kunstneulinge jeden Alters die Möglichkeit in den Markt einzusteigen. Hier werden Papierarbeiten wie Collagen oder Drucke angeboten, die preislich noch erschwinglich sind.

Nach oben ist aber alles offen. Laut Jarmuschek liegen auf der art KARLSRUHE die Preise für Papierarbeiten in diesem Jahr zwischen 200 und 100.000 Euro.

art Karlsruhe 2024
Im „Paper Square“ werden Papierarbeiten angeboten, die preislich noch erschwinglich sind.

Geld in Kunst – eine sichere Bank?

Der ein oder andere denkt bei Kunstmessen vielleicht auch an ein lukratives Geschäft, eventuell ein Schnäppchen machen zu können. Handeln ist zwar erlaubt und mit den richtigen Argumenten kann ein Anreiz für einen Nachlass zwischen zehn und 20 Prozent geschaffen werden, so Jarmuschek – etwa durch das Zugeständnis, das erworbene Kunstwerk öffentlich zugänglich aufhängen zu wollen und dem Künstler so Aufmerksamkeit zu schenken.

Doch muss man wissen, dass Investitionen so gefährlich sein können wie an der Börse. Nur ist das Verspekulieren für den ein oder anderen in gewisser Weise fast schmerzlicher.

Wenn man sich ein Kunstwerk, das einem so gar nicht gefällt, prominent als Blickfang im Wohnzimmer dekoriert, nur in der Hoffnung, dass es irgendwann mal viel wert sein wird und man es dann endlich wieder loswerden kann, sei das keine gute Idee. „Nichts schlimmer als das“, sagt Jarmuschek.

art KARLSRUHE 2024
Kunsthochschul-Absolventen stellen im sogenannten „Acadamy Square“ ihre Werke ausstellen, um möglichst früh netzwerken zu können.

Tipps vom Profi: Fettnäpfchen beim Kaufen von Kunst vermeiden

Man soll nur kaufen, was auch wirklich gefällt und sich als Neuling einen Betrag vorab festlegen. Ist das Geld einmal weg, hat man zumindest eine schöne Gegenleistung bekommen, auch wenn der Preis nicht steigt. „Kunst soll Spaß machen, dem Käufer Glücksgefühle bescheren“, sagt Jarmuschek.

Und noch ein Tipp vom Profi: Das Kunstwerk auf sich wirken lassen, einmal drüber schlafen, oft ist es wie Liebe auf den ersten Blick, man „reagiert auf das Kunstwerk und am besten lässt es einen auch am nächsten Tag noch nicht los – erst dann sollte man zuschlagen“.

art KARLSRUHE 2024
„Kunst soll Spaß machen, dem Käufer Glücksgefühle bescheren“, sagt Kristian Jarmuschek. Wer mit dem Gedanken spielt, Kunst zu kaufen, sollte das Werk erstmal in Ruhe auf sich wirken lassen und nicht vorschnell zuschlagen, rät der Galerist.

Grundsätzlich sei Handeln mit Kunst nach wie vor gewinnbringend möglich, auch wenn die Pandemie dem Kunstmarkt schwer zugesetzt habe, sagt Jarmuschek. Dennoch sei Vorsicht geboten.

Der Kunstmarkt hat so seine Launen, seine Trends und Moden, ist nicht berechenbar, planbar oder gar gerecht.

Wertvolle Kunst erkennen

Hoher Preis, viel wert – wenn es nur so einfach wäre. Denn wenn Kunstwerke richtig viel wert sind, ist der Zug für die meisten schon abgefahren. Die Preise erreichen teils schwindelerregende Höhen. Deshalb träumt natürlich jeder davon, ein Werk von einem aufstrebenden Künstler zu einem Schnäppchenpreis zu ergattern.

Ein geschultes Auge nützt nicht immer, sagt Jarmuschek, auch sei der Abschluss eines Künstlers, beziehungsweise auf welcher Akademie er war, nicht wirklich aussagekräftig für den Wert.

Vielmehr sollte man darauf schauen, wie gut die Künstler vernetzt sind, ob die Bilder schon mal ausgestellt waren, und ob sie bei Galerien und Betrachtern Interesse geweckt haben. Ein weiterer Anhaltspunkt könnten in heutiger Zeit auch die Followerzahlen in den sozialen Medien sein.

Gute Vorbereitung auf die Messe

Auch eine gute Vorbereitung kann hilfreich sein, um beim Flanieren durch die „Kojen“ – ein echter Besserwisserbegriff für den Kunstmessenbesuch übrigens – nicht den Überblick zu verlieren. Als „Kojen“ bezeichnen Kenner den Platz, den Galeristen auf einer Messe zugewiesen bekommen, um die bei ihnen vertretenen Künstler vorzustellen. Profis sind laut Jarmuschek schon vorab mit Galerien in Kontakt und besuchen dann die Messe, um sich die Werke im Original anzuschauen.

Durch Messen spart man sich auch den Gang zu zahlreichen Galerien, kann sich rasch einen guten Überblick verschaffen und vergleichen. Denn die Messebetreiber treffen schon eine Vorauswahl und geben nur den Galerien eine Bühne, deren Künstler eine Jury für gut befunden hat. Der Weg dorthin ist hart. Jede Galerie muss sich erst um einen Messeplatz bewerben.

Wo man nun kauft, das ist jedem selbst überlassen und Geschmackssache. Die einen bevorzugen den direkten Kontakt zum Künstler, eventuell auch online, andere den direkten Service auf Kunstmessen oder Galerien. Gut zu wissen: Einen Aufpreis zahlt man bei Galerien nicht.

Trends und Newcomer der Kunstszene aufspüren

Wer mehr als ein Bild eines Künstlers sehen will, ist bei sogenannten One-Artist-Shows gut aufgehoben. Auf 25 Quadratmetern kann man hier das ganze Portfolio eines Künstlers entdecken.

Aktuell beobachtet Jarmuschek einen Trend weg von der Abstraktion hin zu figürlicher, gegenständlicher Kunst. Seit der Pandemie, glaubt er, setzten die Menschen wieder eher auf Nachvollziehbarkeit und Sicherheit. Ansonsten sei für viele gerade der Reiz an Kunst gewesen, wenn sie sie nicht, zumindest nicht auf den ersten Blick, verstehen.

Wie kommt der Preis zustande?

Wer denkt, er schafft ein Kunstwerk und kann den Preis dafür beliebig festlegen, der irrt, sagt Jarmuschek. Tatsächlich existiert eine Formel, nämlich „Breite plus Höhe multipliziert mit Künstlerfaktor“.

Die Idee zur Formel hatte Gerhard Richter in den 60er-Jahren, als er einen Vertrag mit einem Galeristen geschlossen hat. Damals lautete sie „Höhe plus Beite mal zehn = DM“, heute wird sie scherzhaft „Richter-Faktor“ genannt und schließt Mengenrabatt nicht aus. Ausschlaggebend ist letztendlich der Künstlerfaktor, der sich nach dem Bekanntheitsgrad des Künstlers bemisst.

Als Orientierung, so der Galerist, könne man den Faktor 11 oder 12 bei Hochschulabsolventen als Maßstab anlegen – aber eine Regel gebe es nicht, da sei viel Spekulation dabei.

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Wer heute Kunst studiert, braucht viel Energie. Nicht nur, um die eigenen künstlerischen Visionen umzusetzen, sondern auch um sich erfolgreich selbst zu vermarkten. Denn von der Kunst leben, das klappt nur bei den wenigsten. Während einige durch hohe Verkaufspreise profitieren, müssen viele andere Nebentätigkeiten nachgehen. Dies zeigt die Diskrepanz im Kunstmarkt und die Notwendigkeit einer Balance zwischen finanzieller Sicherheit und künstlerischer Freiheit.

Bei unserem Gast Carlo Krone scheint gerade beides zu klappen. Gerade hat der 23-jährige den Nachwuchspreis der art KARLSRUHE gewonnen und ist dort mit der renommierten Stuttgarter Galerie Thomas Fuchs und mehreren seiner Werke vertreten. Carlo ist zu Gast in dieser Ausgabe von „Was geht – was bleibt?“ und erzählt, wieso er sich von Anfang an neben seinem Studium konsequent auf Instagram als Schaufenster für seine Werke konzentriert hat.

Unser anderer Gast Kolja Reichert gibt tiefe Einblicke in den Kunstmarkt. Mit seinem Buch "Kann ich das auch?", in dem er 50 Fragen zur Kunst beantwortet, macht er den Kunstmarkt für ein breites Publikum verständlich. Als Chefkurator im K21, einer angesehenen Institution in Nordrhein-Westfalen, weiß er, wie Kunstwerke ihren Weg in bedeutende Sammlungen finden. Reichert erklärt den Prozess: "Man besucht Messen, entdeckt neue Talente wie Carlo und entscheidet dann, ob man eine Ausstellung plant.

Beide sind sich in der Folge einig: Kunst braucht Begegnung und zwischenmenschlichen Kontakt. Den Vorwurf, dass der Kunstmarkt intransparent sei, mit teilweise nicht nachvollziehbaren Preisen, lassen sie nicht gelten. Was steckt denn nun dahinter, wenn die Kunst des einen im Atelier verstaubt, während die des anderen schon vor Messebeginn teuer verkauft wird? Wieso fragt sich eine Malerin wie Josephine Sagna, ob sie nur der Hautfarbe wegen eingeladen wird? Und welche Kriterien müssen NachwuchskünstlerInnen erfüllen, um den Sprung ins Rampenlicht zu schaffen? Diese Fragen klären wir in dieser Folge.

Gäste: Carlo Krone | Kolja Reichert
Moderation: Christian Batzlen
Redaktion: Christian Batzlen | Julian Burmeister
Sendungsmusik: "Frolic" von Luciano Michelini

Unser Podcast-Tipp ist diese Woche:
True Care - intensive Fälle mit Ricardo Lange
https://www.ardaudiothek.de/sendung/true-care-intensive-faelle-mit-ricardo-lange/13134177/

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Luisa Sophie Klink