Karl-Sczuka-Preis 2004

Preisträger

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Jon Rose, geboren 1951 in der englischen Stadt Rochester, begann mit sieben Jahren Violine zu spielen, nachdem er ein Stipendium der dortigen King´s School erhalten hatte. Mit 15 brach er die herkömmliche musikalische Ausbildung ab und unterrichtete sich fortan vorwiegend selbst.

In den 70er Jahren tat er sich, zunächst in England, dann seit 1976 in Australien, in einer Vielzahl musikalischer Gattungen um und bildete sich darin weiter - vom Sitarspiel bis hin zu Country und Western; von der Komposition Neuer Musik bis hin zu kommerziellen Studio-Sessions; vom Bebop bis hin zur Mitwirkung in italienischen Club-Bands; von der Komposition für Big Band bis hin zu Klanginstallationen.

In Australien wurde er zur Zentralfigur, was die Weiterentwicklung der "freien Improvisation" betrifft; landauf, landab trat er in nahezu jeder Kunstgalerie, jedem Jazz- und Rockclub auf - entweder als Solist oder mit einer international zusammengesetzten Gruppe improvisierender Musiker namens ´The Relative Band´.

1986 zog er nach Berlin, um dort sein (seit etwa 25 Jahren) laufendes Projekt zu verwirklichen: Die "Relative Violine". Es handelt sich dabei um die Entwicklung einer "Totalen Kunstform" auf der Basis dieses speziellen Instruments, das er immer wieder dekonstruierte und zu - teilweise sehr skurrilen - neuen Instrumenten zusammensetzte. Dafür entwickelte er - neben zahlreichen Neuerungen im Instrumentenbau - neue Spielweisen, wobei er auch analoge und auch interaktive Elektronik einsetzt.

Jon Rose tritt als Solomusiker oder mit seiner Gruppe international jährlich in zahlreichen Konzerten und Festivals auf und hat mit vielen Exponenten der zeitgenössischen Musikszene wie Shelley Hirsh, Alvin Curran, Phil Minton, David Moss oder Lauren Newton zusammengearbeitet. Für seine Performances nutzt neben seinen zahlreichen Live-Auftritten auch die Möglichkeiten des Radios und auch der visuellen Medien. Hörstücke von ihm entstanden für u.a. Programme von ABC, BBC, WDR, SR, BR, Radio France, RAI, ORF, SFB.

1989 wurde Jon Rose als erster australischer Komponist mit dem DAAD-Künstler-Stipendium in Berlin ausgezeichnet und leitete dort im Rahmen des Festivals für Neue Musik "Inventionen" das erste "Relative Violin Festival" mit über 50 Geigern aus aller Welt. Darüber hinaus leitet er unter dem Titel "String ´em up" ein eigenes Festival für die Streicher-Avantgarde und ihre Instrumente (1998 in Berlin / 1999 in Rotterdam / 2000 in New York / 2002 in Paris).

Bis heute war Rose an mehr als 65 Schallplatten- und CD-Veröffentlichungen beteiligt und publizierte in Melbourne zwei Bücher: "The Pink Violin" und "Violin Music in the Age of Shopping". Zu seinen Gruppenprojekten zählen das neunköpfige Streicherensemble "Strung", "Violin Music in the Age of Shopping", die berüchtigte Berliner Noise-Impro-Rockband "Slawterhaus", die interaktiven, auf der innovativen Musik und den Perversionen des exzentrischen australischen Komponisten Percy Grainger basierenden "Badminton-Perks".

Im Jahre 2000 gründete Jon Rose zusammen mit dem Pianisten Veryan Westen ein neues Duo, "Temperament", das sich auf die Improvisation mit veränderten Stimmungen für Tasteninstrumente und unterschiedlichen Skordaturen für Violinen spezialisiert hat.

Seit 2002 lebt Rose wieder in Australien. Für den australischen Rundfunk ABC entwickelte er die Projekte "Australia Ad Lib", das die alternative Musik in Australien dokumentiert, sowie - gemeinsam mit dem US-Geiger Hollis Taylor - "Great Fences of Australia" - eine Art musikalischer Landkarte des Kontinents, entlang der großen Zäune, die das Land durchziehen.

2004 wurde Rose mit seinem Projekt "Temperament" (für Violine und historische Tasteninstrumente) von den Berliner Festspielen und dem Fast Forward Festival in Wien eingeladen und unternahm Gastspielreisen durch vier europäische Länder.

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Autor/in
SWR