Remake des Gerichtsthrillers mit Harrison Ford

Jake Gyllenhall glänzt in der Apple-TV-Serie „Aus Mangel an Beweisen“

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Karsten Umlauf

In Zeiten von Filterblasen und Fake News: Vor Gericht ist die Notwendigkeit von harten Fakten essentiell. Deswegen ist Harrison Ford in „Aus Mangel an Beweisen“ 1990 frei gesprochen worden – einer der bekanntesten Gerichtsfilme aller Zeiten. Der gleichnamige Roman von Scott Turow kommt jetzt als Miniserie bei Apple TV+ neu heraus. Eine gelungene Modernisierung, die über das klassische Gerichtsdrama weit hinausgeht.

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Affäre mit dem Mordopfer

Staatsanwalt Rusty Sabich (Jake Gyllenhall) ist fassungslos - seine Kollegin Carolyn Polhemus (Renate Reinsve) wurde in ihrer Wohnung brutal ermordet. Aber nicht nur das: am Tatort wurde Rustys DNA gefunden und er sieht sich einer Befragung durch seinen verhassten Kollegen Tommy Molto (Peter Skarsgard) gegenüber.

Seine frühere Affaire mit Carolyn kann Rusty nur schwer leugnen. Das ist der erste von vielen gravierenden Unterschieden zum Kinofilm mit Harrison Ford, bei dem die Liebesbeziehung nicht nachgewiesen werden konnte, was letztlich zum Freispruch führte.

Filmstill
Staatsanwalt Rusty Sabich (Jake Gyllenhall) kann die frühere Affäre mit seiner Kollegin Carolyn Polhemus (Renate Reinsve) bei der Befragung durch seinen Kollegen nicht leugnen.

Die Frage nach Liebe und Vertrauen stellt sich permanent

Hier und heute mit DNA-Analyse und allerhand forensischer Kunst wäre das kaum glaubwürdig, weswegen die Serie von Anfang an Roman und Film als Basis begreift, von der sie in die Gegenwart springt. Während der Film noch deutlich vor #Metoo und anderen Workplace-Debatten spielt, bekommen die Frauenrollen nun viel mehr Gewicht.

Insbesondere die Perspektive von Rustys Frau Barbara (Ruth Negga) gibt dem Kampf um Ehe und Familie Tiefe. Fragen von Liebe und Vertrauen, von Scham und Schuld stellen sich permanent, unabhängig davon, wer nun der Mörder war.

Nach den sieben im Vorfeld gezeigten Episoden kann man übrigens überhaupt nicht erahnen, wer nun der Täter oder die Täterin ist. Bis dahin hat die Serie schon so viele Wendungen genommen und sich auch so weit von dem Film entfernt, dass nicht alles glaubwürdig, aber doch sehr vieles möglich scheint.

Filmstill
Tommy Molto (Peter Skarsgard) fordert seinen Kollegen bei den Befragungen zu juristischen Scharmützeln heraus.

Weit mehr als ein Gerichtsdrama in Serienform

Was einen in Atem hält, ist einerseits wie Jake Gyllenhall Rusty als zutiefst widersprüchlichen Charakter darstellt, der von Erinnerungen und Gefühlschaos gequält wird, und dabei viele Grenzen überschreitet. Und wie er sich andererseits mit einem fantastischen Peter Sarsgard als Tommy Molto juristische Scharmützel liefert, die von Gerechtigkeitssinn, aber auch einer großen Portion Narzissmus geprägt sind.

„Aus Mangel an Beweisen“ ist nicht einfach ein Gerichtsdrama. Es ist auch eine Serie über Leidenschaft und Obsession. Und über die US-Justiz und ihr Geschworenensystem, dass Gerechtigkeit zuweilen über den persönlichen Eindruck und Sympathie herstellt. Oder über die Frage wer eine gute Geschichte erzählt. In diesem Sinn kann das Urteil über die Serie am Ende nur lauten: Freispruch, euer Ehren!

Trailer „Aus Mangel an Beweisen“, ab 12.6. auf Apple TV+

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