Bühne

„Deine Oma“ – Theaterstück über Demenz am Pfalztheater Kaiserslautern

Stand
Autor/in
Maja Hattesen

Die jungen Theatermacherinnen Pia Kröll und Florence Schreiber haben beide demente Großmütter. In ihrem Stück „Deine Oma“ werfen sie einen liebevollen Blick auf deren Biografien, ehren sie für ihre Lebensleistungen und geben ihnen einen Raum, den sie als normale Mütter, Ehefrauen, Witwen nicht hatten.

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Pfalztheater Kaiserslautern: „Deine Oma - Eva hatte keinen Bauchnabel“
Pia Kröll (links) und Florence Schreiber (rechts) – Die Macherinnen des Stücks „Deine Oma – Eva hatte keinen Bauchnabel“ wollten unbedingt etwas über das Leben ihrer Omas erzählen.

Falten, Backen, Schrubben, Waschen, Putzen…

Es sind die täglichen Verrichtungen, die uns Frauen heute noch genauso quälen – aber unsere Großmütter haben sich darüber selten beschwert ...

Das Stück spannt einen Bogen von den Schicksalen der Urgroßmütter bis zu ihren Enkelinnen. Die Gegenwart findet in einem Wohnzimmer mit geblümter Couch und Musiktruhe statt, in dem die Enkelin Anna mit ihrer Lebensgefährtin bei Oma zu Besuch ist und mit deren verblassenden Erinnerungen konfrontiert ist.

Pfalztheater Kaiserslautern: „Deine Oma - Eva hatte keinen Bauchnabel“
Szene am Pfalztheater Kaiserslautern: „Deine Oma - Eva hatte keinen Bauchnabel“

Schon bei den Proben erzählten Mitarbeiter von ihren Omas

Dass das Stück einen Nerv trifft, haben die beiden Macherinnen schon bei den Proben erlebt – viele am Theater Beschäftigte kamen auf die beiden zu.

„Die Leute waren sehr berührt …, haben sich erinnert, an die eigenen Eltern oder die Oma. Da kamen Leute zu uns und haben von ihren Omas erzählt, vor allem haben sie sich auch an bestimmte Gerichte erinnert.“

Die Omas haben trotz aller Widrigkeiten Unglaubliches vollbracht

Und auch das wird im Stück in Rückblenden thematisiert: Ehemänner durften bis 1958 die Arbeitsstelle ihrer Frauen ungefragt kündigen. Manche Frauen wurden auch wegen unehelicher Schwangerschaften Monate lang weggesperrt: Für die beiden Theatermacherinnen geht es auch darum, „Danke“ zu sagen an eine Generation von Frauen, die still und leise Unglaubliches vollbracht hat – trotz aller Widrigkeiten.

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Das Stück ist auch eine ganz persönliche Verabschiedung

Gleichzeitig ist es für beide auch eine ganz persönliche Verabschiedung, wie Pia Kröll erklärt: „Es geht mit dem Thema Demenz einher auch die Frage der Vergänglichkeit, sich verabschieden, dass man nicht mehr auf die gleiche Art miteinander sein kann wie früher…ich habe das Gefühl, dass wir nicht so offen mit dem Thema in unserer Gesellschaft umgehen.“

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Maja Hattesen