Bühne

Bekämpfte Gegenwart: „Leben des Galilei“ am Schauspielhaus Zürich

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Autor/in
Eva Marburg

Es ist die letzte Spielzeit am Schauspielhaus Zürich unter Leitung des Intendantenduos Nicolas Stemann und Benjamin von Blomberg. In einer viel beachteten Debatte um das Haus wurden die beiden nach nur vier Jahren vor die Tür gesetzt. Nicolas Stemann inszenierte nun zur Eröffnung „Leben des Galilei“ von Bertold Brecht.

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Heftig geführte Auseinandersetzung am Schauspielhaus Zürich

Aus konservativen Kreisen lautete der medial verstärkte Vorwurf, Nicolas Stemann und Benjamin von Blomberg würden zu viel Theater für und mit marginalisierten Stimmen machen und darüber ihr bürgerliches Stammpublikum vergessen. Nun inszenierte Stemann das Brecht-Stück „Leben des Galilei“.

Die Geschichte von wissenschaftlicher Verantwortung, von Anpassung oder Widerstand weise hier mit den heftig geführten Auseinandersetzungen und dem kritischen Fokus auf das Schicksal von Galileis Tochter in unsere ebenfalls wund gekämpfte Gegenwart, meint Kritikerin Eva Marburg.

Schauspielhaus Zürich, Das Leben des Galilei
Das Stationenstück von Brecht führt durch das Leben Galileis, der 1610 erstmals nicht nur beobachten, sondern mit dem Teleskop nachweisen konnte, dass die Erde sich um die Sonne dreht (im Bild: Matthias Neukirch, Karin Pfammatter, Gottfried Breitfuss, Sebastian Rudolph).

„Leben des Galilei“ kann auch als Kommentar gelesen werden

Der Abend bilde damit einen ganz eigenen Kommentar zu den aufgeputschten gesellschaftlichen Diskursen, dem aktuellen konservativen Rückschritt und – im Zusammenhang mit der Debatte um das Schauspielhaus Zürich – auch zu der Frage, was das „wahre“ Theater sei.

Denn diese Inszenierung von Nicolas Stemann könne auch als Ansage an das Publikum gelesen werden: „Ihr wolltet bürgerliches Sprechtheater, hier habt ihr es!“. Das Publikum bekomme hier einen Spiegel vorgehalten: In diesem ähnele es den machtvollen Kirchenvätern, die das Neue ablehnen, damit ihre Weltsicht nicht ins Wanken gerät.

Schauspielhaus Zürich, Das Leben des Galilei
Die Inszenierung von Nicolas Stemann begreift die Geschichte vom „Leben des Galilei“ als performativen Gesprächs- und Diskursraum, in dem sich alles um die sehr heutige Frage dreht, wer im Kampf um die Wahrheit den Sieg davonträgt (im Bild: Alicia Aumüller, Steven Sowah, Maximilian Reichert).

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