Open-Air Festival auf Burg Waldeck

60 Jahre deutsches Woodstock auf Burg Waldeck: Festival der Liedermacher

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Autor/in
Maja Hattesen

Es war lange vor dem Woodstock-Festival in Amerika: Im Jahre 1964 fand auf Burg Waldeck im Hunsrück das erste Open-Air-Festival Deutschlands statt. Der Startpunkt großer musikalischer Karrieren. Liedermacher*innen der ersten Stunde Joana und Black Lechleiter sind beim 60. Jubiläum dabei und wollen laut für die Demokratie einstehen.

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Politische Lieder – auch noch mit 80 Jahren

Die Waldeck-Bühne war der Startpunkt großer musikalischer und literarischer Karrieren: Reinhard Mey, Hanns Dieter Hüsch, Hannes Wader begeisterten und polarisierten. Aber auch beeindruckende weibliche Künstlerinnen sangen für eine bessere Welt, wie etwa Fasia Jansen oder Joana.

Black Lechleiter, 82 Jahre, Teil des bekannten Gesangsduos „Schobert und Black“ und Joana Emetz, 79 Jahre bereiten sich auf ihren wohl letzten Auftritt beim 60-jährigen Jubiläum des Waldeck-Open-Air Festivals vor. Es sind Songs, die man durchaus als antifaschistische Kampflieder bezeichnen kann.

Lothar "Black" Lechleiter
Lothar Lechleiter, mit Künstlername Black, spielt Gitarre und singt.

Geburtsort des deutschen Woodstocks

Burg Waldeck ist der Wiedergeburts-Ort des deutschsprachigen Liedes nach dem zweiten Weltkrieg. Das deutsche Woodstock – so werden die Festivals in den Sechzigern heute rückblickend eingeordnet.

1964 fand es erstmals statt, als Chanson Folklore International-Festival. Folkmusiker aus aller Welt inspirierten „Schobert und Black“, Reinhard Mey und Hannes Wader. Waldeck wurde für sie zum Karrieresprungbrett.

Sexismus und Frauenfeindlichkeit im Musikgeschäft der 1970er

Joana musste sich anfangs durchbeißen: Sie durfte beim Waldeck-Festival zunächst nicht auf der großen Bühne singen. Stattdessen sang sie vor den Zelten. Ihre Stimme und ihre kritischen Texte gefielen den Leuten dort.

Joana Emetz
Joana Emetz bei einem Auftritt, 1985

Danach tritt sie jahrzehntelang auf Bühnen und im Fernsehen auf. Trotz aller Steine, die man ihr als Frau in den Weg legte ging sie in ihren Texten humorvoll mit dem Thema um. Rückblickend beklagt sie die frauenfeindliche Haltung der Musikproduzenten in den 1970er Jahren.

Wenn ich irgendwohin kam und ein Lied von mir gespielt habe, bei Produzenten oder Plattenbossen, dann sagten die immer: „Mit so einer schönen Stimme müssen sie Liebeslieder singen, doch nicht dieses politische Zeug.“

Noch heute singen Black und Joana beide politische Lieder. Mit rund achtzig Jahren wollen sie es auf der Waldeck allen noch mal zeigen und für die Demokratie einstehen.

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