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Eine Messe von Leonard Bernstein, Minimalistisches von Steve Reich, Zahlenspiele von John Cage: Auf seiner neuen CD zeigt das SWR Vokalensemble das ganze Spektrum nordamerikanischer Chormusik.

Ausgezeichnet mit dem Preis der Deutschen Schallplattenkritik - Kategorie Chorwerke

Zum zweiten Mal in Folge geht der Preis der deutschen Schallplattenkritik in diesem Jahr an eine Produktion des SWR Vokalensembles Stuttgart. In der aktuellen Bestenliste erhält die Einspielung "America" die renommierte Auszeichnung in der Kategorie "Chorwerke".


Diese Frage ist, was die Kompositionskunst in den USA betrifft, überhaupt erst mit dem Anbruch der Moderne zu beantworten. Erst seitdem gelang, was in der Neuen Welt schon früher vielfach versucht wurde: mit tradierten Ausdrucksformen zu brechen und eine unverwechselbare nationale Klangkultur zu finden. Doch auch nach dem stolzen Vollzug dieser neuen Unabhängigkeit standen die US-amerikanischen Komponisten immer noch enorm unter dem Einfluss all dessen, was aus der alten Welt herüberschwappte. Wer irgend konnte, pilgerte nach Europa, um die wichtigsten Neuerungen aufzunehmen. Im modernen Amerika entstand, auch dadurch, ein reichhaltiges Spektrum unterschiedlichster Ausdrucksformen.

Titel-Liste

Four Motets (Aaron Copland)
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Proverb (Steve Reich)
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Five (John Cage)

The Rothko Chapel (Morton Feldman)

Missa Brevis (Leonard Bernstein)
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A Stopwatch and an Ordnance Map (Samuel Barber)
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Das belegen die Werke auf dieser CD: Samuel Barber, Leonard Bernstein und Aaron Copland etwa griffen die europäisch geprägte Musiktradition auf und gaben ihr einen ganz eigenen, typisch amerikanischen Ton. John Cage wiederum versuchte, als Vertreter der New York School, der auch Morton Feldman angehörte, alles "Verbrauchte" hinter sich zu lassen und durch Experimente zu neuen ästhetischen Maßstäben zu finden. Und der fast eine Generation jüngere Steve Reich wurde, inspiriert von Jazz, westafrikanischer und balinesischer Musik, zum Mitbegründer der Minimal Music. All diesen höchst unterschiedlichen Ansätzen liegt ein genuin amerikanisches Selbstverständnis zugrunde. In den Kompositionen wird es bekräftigt, hinterfragt oder manchmal auch verleugnet – aber in jedem Fall bleibt es immer spürbar.

Ein spannendes Porträt der Neuen Welt aus der Perspektive der a-cappella-Musik mit zentralen Werken der Moderne und Unbekanntem – in der gewohnt schlackenlosen Interpretation und klangsinnlichen Realisation von Marcus Creed und dem SWR Vokalensemble Stuttgart.

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