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Programm

Hans Zender
Schuberts Winterreise
Eine komponierte Interpretation für Tenor und kleines Orchester

Interpreten

Sebastian Kohlhepp, Tenor
SWR Symphonieorchester
Dirigent: Teodor Currentzis

Teodor Currentzis im Gespräch

"Das sind die Instrumente, die den Soundtrack zum Trauma des 20. Jahrhunderts spielen: Die Gitarre, das Akkordeon, die Melodica. Das sind die Instrumente der Straße, der Straßenmusiker. Die Instrumente der Konzentrationslager. Es sind die Instrumente des Cabaret, des Exils. Die Instrumente von Kurt Weill, die Instrumente der 1920er und 30er Jahre. Denn das 20. Jahrhundert war die 'Winterreise' der Menschheit."

Sebastian Kohlhepp (Foto: SWR)
Tenor Sebastian Kohlhepp, Solist in "Schuberts Winterreise"

"Verfälschung? Ich sage: schöpferische Veränderung." Zu Hans Zenders "Schuberts Winterreise"

Es war sein bekanntestes Werk, das in Japan genauso gespielt wurde wie überall in Europa. Und es wurde vor allem in den 1990er-Jahren viel diskutiert: Darf man das, mit einem der wichtigsten Werke der 'klassischen Musik' so frech umgehen? Zender irritierte die Zuhörer und gleichzeitig fesselte er sie. Denn seine Version, mit der er das neue Genre "komponierte Interpretation" erfand, will den Hörer über den Einsatz heutiger Mittel und Stilmittel zurückführen zu den verstörenden und intensiven Momenten, die Schuberts Musik womöglich seinerzeit gehabt hat. Das Baden im Allzuvertrauten eines klassischen Liederabends weicht einer akustischen Raftingtour durch wechselnde Wasserverhältnisse – Stromschnellen und Gischt eingeschlossen. All das gibt es aber im Kern schon bei Schubert, würde Zender sagen.
Verschiedene Interpretationen säumen seit bald vier Jahrzehnten nun ihrerseits den Weg dieser komponierten Interpretation. Hans Zender selbst liebte die Aufnahme mit Christoph Prégardien und dem Klangforum Wien unter der Leitung von Sylvain Cambreling, die (nicht als einzige) auf CD erschienen ist. Insbesondere ein Konzert mit "Schuberts Winterreise" aber stellt die Interpreten vor Entscheidungen: Sollen sich die Musiker zu Beginn wirklich, wie die Partitur nahelegt, spielend nähern und ganz real "wandernd einfinden"? Ist der Sänger immer auch Akteur? Sind die verschiedenen "Räume", die wir beim Hören durchqueren, vielleicht auch visuell erlebbar? Zuletzt verfolgte der niederländische Videokünstler Aernout Mik in einer Version der Stuttgarter Staatsoper diese Idee.
Vermutlich werden das Deuten und Ausprobieren des Werkes von Zender/ Schubert in diesem Sinne weitergehen. Auch im Sinne Hans Zenders, der den Blick für die ernsthafte und immer wieder neue Auseinandersetzung mit den 'traditionellen' Musikstücken geschärft und gefordert hat. Damit sie frisch bleiben und uns nach wie vor tatsächlich etwas zu sagen haben. Oder wie er es formuliert: "Verfälschung? Ich sage: schöpferische Veränderung."
(Text von Lydia Jeschke, aus dem Programmheft)

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