SWR Symphonieorchester und SWR Vokalensemble Neue CD: Das Floß der Medusa

Ein brisantes Werk in mehrfacher Hinsicht: 1968 verhinderte ein politischer Skandal die Uraufführung von Hans Werner Henzes "Das Floß der Medusa". Und heute, da Menschen auf überfüllten Flüchtlingsbooten sterben, ist das eigentliche Thema von Henzes Oratorium wieder von bedrückender Aktualität. Die vorliegende Einspielung entstand in Freiburg und in der Hamburger Elbphilharmonie. Hören Sie rein!

CD-Cover "Das Floß der Medusa" (Foto: SWR)

Hans Werner Henze (1926–2012)
Das Floß der Medusa

Oratorio volgare e militare in due parti für Sopran, Bariton, Sprechstimme, gemischten Chor, Knabenstimmen und Orchester (1968, rev. Schluss 1990)
Dichtung von Ernst Schnabel

Camilla Nylund (Sopran)SWR Vokalensemble
Peter Schöne (Jean-Charles – Bariton)WDR Rundfunkchor
Peter Stein (Charon – Sprecher)Freiburger Domsingknaben
Peter Eötvös (Leitung)SWR Symphonieorchester

Aufnahmen: 15.–17.11.2017, Konzerthaus Freiburg/Elbphilharmonie Hamburg

CD bei SWR music erhältlich

Das Floß der Medusa

Die Grausamkeiten der menschlichen Gesellschaft, ausgetragen auf kleinstem Raum: Auf einem Floß treiben knapp 150 Schiffbrüchige hoffnungslos und zunehmend gewalttätig gegeneinander in der Weite des Meeres, nachdem sich die hierarchisch Höhergestellten längst mit Rettungsbooten davon gemacht haben.

Hans Werner Henze (Foto: Hans Werner Henze - Peter Andersen)
Hans Werner Henze Hans Werner Henze - Peter Andersen

Die alte Geschichte dieser 1816 historisch verbrieften Tragödie um den Untergang der Fregatte Medusa inspirierte Ernst Schnabel und Hans Werner Henze 1968 zu einem Oratorium, das nicht zuletzt jene Klassenunterschiede beschrieb und anprangerte.

Das SWR Symphonieorchester und das SWR Vokalensemble mit Henzes "Floß der Medusa" zu Gast in der Elbphilharmonie (Foto: SWR, SWR/Klaus Mellenthin)
Das SWR Symphonieorchester und das SWR Vokalensemble mit Henzes "Floß der Medusa" zu Gast in der Elbphilharmonie, November 2017 SWR/Klaus Mellenthin

Eigentlich sehr zeitgemäß – aber die geplante Hamburger Uraufführung ging damals nach studentischen Protesten gegen den saturierten Kulturbetrieb in einem Tumult unter. Eine neue Aufführung verbindet nunmehr 1816, 1968 und die Gegenwart.

Hans Werner Henze steigt in einen PKW (Foto: picture-alliance / Reportdienste, DB)
Geplatzte Uraufführung: Hans Werner Henze verlässt am 9.12.1968 in Hamburg fluchtartig das Konzertlokal über einen Hinterausgang. DB

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