1987 35 Jahre Schwetzinger Festspiele (Foto: SWR)

70 Jahre Festspiele

7 Annäherungen an ein besonderes Festival

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Im nächsten Jahr feiern die Schwetzinger SWR Festspiele ihr 70-jähriges Jubiläum.

1) Gesamtkunstwerk mit Spargel

Es liegt an der Jahreszeit, ausschließlich an der Jahreszeit. Denn der Spargel gehört in Schwetzingen unübersehbar und unausweichlich zum Frühjahr. Genauso wie die Festspiele. Und deshalb gibt es Menschen, die das eine nicht ohne das andere denken können oder wollen. Dabei hat der Spargel so gar nichts mit den Schwetzinger Festspielen zu tun.

Oder doch? Wenn die Erinnerung nicht täuscht, wurde zumindest einmal an prominenter Stelle eine Spargelstange zum zentralen Requisit. Es war Thomas Hengelbrock, der bei der Premierenfeier nach der Oper Il Giustino von Giovanni Legrenzi mit einer Spargelstange als Taktstock in der Hand den spontan sich bildenden Solisten-Chor dirigierte, der eine ad hoc entstehende Chorphantasie auf den Text "Spargel, Spargel ..." improvisierte, bevor sich das Ensemble gegen Mitternacht endlich über den realen Spargel aus dem Schlossrestaurant hermachen konnte. So viel zum Thema Spargel.

Wirklich von Bedeutung für die Schwetzinger Festspiele ist eine andere Verbindung. Ohne den Rundfunk wären diese Festspiele 1952 nicht entstanden und noch heute verdanken sie ihre Existenz dem Rundfunk und seinen vielfältigen Möglichkeiten der medialen Verbreitung. Es ist vor allem der Rundfunk, der die Schwetzinger Festspiele prägt.

Aber auch das ist noch zu kurz gegriffen. Denn was wären die Schwetzinger Festspiele ohne das einmalige Ambiente von Schloss, Theater, Zirkelsälen und Park? Auch wenn der von Richard Wagner geprägte Begriff des Gesamtkunstwerks etwas anderes meint als das, was wir in Schwetzingen sehen und erleben, so sind diese Festspiele auf ihre eigene Art ein Gesamtkunstwerk.

Die von Kurfürst Carl Theodor mit seinen Architekten im Schloss und Garten geschaffene Illusion einer idealen Welt verfehlt auch heute auf die Besucher ihre Wirkung nicht. Auch wer die Mythenwelt der Antike, ihr Götterpersonal, die unzähligen Bezüge und Anspielungen und die Rituale der Hofgesellschaft des 18. Jahrhunderts nicht kennt, spürt beim Gang durch das Schlosstor, dem Anblick der Arionfontäne und dem sich weit nach allen Seiten ausdehnenden, bis ins letzte Detail beziehungsreich gestalteten Garten den Zauber des Ortes und erliegt der Illusion einer in sich vollkommenen Welt.

Illusionen sind vergänglich, wie es die Musik ist. Im Moment ihrer Entstehung schon Vergangenheit – dieser Ort ist tatsächlich auch geschaffen für die vergänglichste aller Künste, die Musik. Eine Kunst, die jeden Seelenzustand erzeugen, verwerfen und verwandeln kann. Nach (fast) jedem Konzert tritt man als ein anderer wieder hinaus auf den Schlossplatz. Der Zauber wirkt fort, sowohl der des Ortes als auch der der Musik.

2) Sturzgeburt 1952

Dabei ist die Gründungsgeschichte der Schwetzinger Festspiele weniger poetischer als politischer und rundfunkpolitischer Natur. Der von den Amerikanern in ihrer Besatzungszone in Stuttgart etablierte Süddeutsche Rundfunk, seit 1949 in deutscher Verantwortung, umfasste als Sendegebiet »Württemberg-Baden«, wozu jeweils nur die nördlichen Landesteile von Württemberg und Baden gehörten. Die südlichen Landesteile, ehemalige französische Besatzungszone, waren dem in Baden-Baden angesiedelten Südwestfunk zugeteilt. Die Akzeptanz dieser Konstellation war in Nordbaden alles andere als selbstverständlich, sodass – nicht ohne Druck aus der Politik – Geschäftsleitung und Intendanz  des Süddeutschen Rundfunks sich genötigt sahen, ein Zeichen von Gewicht in der Region Nordbaden zu setzen. Dass dieses Zeichen ein kulturelles Zeichen war und die Gründung der Festspiele 1952 nach weniger als einem Jahr der Vorbereitung zur Folge hatte, ehrt alle, die daran beteiligt waren. Der öffentlich-rechtliche Rundfunk verstand sich ganz selbstverständlich als ein wesentlicher gestaltender Faktor im kulturellen Leben. Die äußerst vielfältige kulturelle Landschaft der Bundesrepublik, nach wie vor die reichste in Europa, verdankt sich zu einem bedeutenden Teil dem Engagement des öffentlich-rechtlichen Rundfunks in den Gründungsjahren nach dem Zweiten Weltkrieg.

Mit Peter Kehm, jahrzehntelang Programmdirektor des Süddeutschen Rundfunk und ab 1952 34 Jahre lang Leiter der Schwetzinger Festspiele, hatten die Festspiele von Anfang an einen musikbesessenen und -kundigen Mann an der Spitze, der ihnen schon nach kürzester Zeit internationale Geltung verschaffte und damit den Rang definierte, den sie seitdem einnehmen.

Peter Kehm 1964 in Schwetzingen (Foto: SWR)
Peter Kehm 1964 beim Interview im Schwetzinger Rokokotheater.

Längst sind die Festspiele in ihrer Region zuhause. Die Stadt Schwetzingen und der Rhein-Neckar-Kreis sind neben dem Rundfunk als Mitglieder der Schwetzinger SWR Festspiele gGmbH ihre wichtigsten Förderer geworden. Auch wenn sich in der Metropolregion Rhein-Neckar inzwischen weitere zugkräftige Musikfestivals etabliert haben, können sich die Schwetzinger Festspiele mit Opernuraufführungen, raffiniert durchdachten Konzertprogrammen, einer unanfechtbaren Auswahl an Künstlern sowie nicht zuletzt durch den Charme des Ortes locker behaupten.

3) Schwetzinger Festspiele weltweit

Ihren nationalen und internationalen Bekanntheitsgrad heutzutage verdanken die Schwetzinger Festspiele ohne Zweifel dem Rundfunk. Sie sind fester Bestandteil des medialen Angebots des SWR – ein großer Teil der Musiksendungen auf SWR2 im Frühjahr kommt live oder als Aufzeichnung aus Schwetzingen. Aber sie sind auch ein wichtiger Teil des Konzertangebots der European Broadcasting Union EBU, also der Europäischen Rundfunk Union. Seit 1967 bietet die EBU ihren über siebzig Mitgliedern und weiteren rund 30 assoziierten Partnern Konzerte aus aller Welt zur Übernahme ins eigene Programm an. Die Schwetzinger Konzerte gehörten von Anfang an zu diesem Angebot und wurden wegen ihres hohen künstlerischen Levels überaus gerne von anderen Ländern übernommen. Zeitweilig waren die Schwetzinger Festspiele das Festival mit den meisten internationalen Übernahmen und konnten darin sogar die legendären "Proms" der BBC überflügeln. Dürfen sich die Proms "The world's greatest Classical Music Festival" nennen, so konnten sich die Schwetzinger Festspiele zumindest zeitweilig als das "größte Radiofestival" bezeichnen. Inzwischen haben sich die Gewichte verschoben, unter den (in Nicht-Corona-Zeiten) annähernd 3.500 Konzerten, die die EBU weltweit anbietet, spielt Schwetzingen jedoch nach wie vor eine prominente Rolle.

Das wurde besonders deutlich, als sich im Jahr 2008 mehr als 70 Musikchefs und -chefinnen der EBU auf Einladung des SWR zu ihrer jährlichen Arbeitstagung Anfang Mai in Schwetzingen trafen. Die Umstände hätten nicht günstiger sein können. Ein makellos blauer Himmel prangte über Schloss und Park, die Nächte waren lau, ein Sonderkonzert im Rokokotheater und als Krönung am Ende der Tagung ein Spargelessen im Schlossrestaurant auf Einladung des Oberbürgermeisters sorgten dafür, dass noch zehn Jahre später "The Schwetzingen Meeting" bei der EBU legendären Ruhm genoss.

4) Das große »Ü«

Diskret hinter dem Theater und dem linken Zirkel versteckt, stehen die sogenannten "Ü-Wagen", also die Übertragungswagen des SWR. Das sind die Arbeitsplätze der Techniker, Ingenieure und Tonmeister, deren Anteil am künstlerischen Ergebnis, wie es im Radio, online oder im Fernsehen zu erleben ist, nicht hoch genug eingeschätzt werden kann. Ihre Aufgabe ist es, das Konzert so abzubilden, dass die Hörer zuhause das Konzert oder die Oper vom virtuell besten Hörplatz aus genießen können. Wobei es nicht selten geschehen kann, dass die Aufzeichnung des Musikereignisses klanglich ausgewogener ausfällt als der Eindruck beim Hören an einem nicht ganz optimalen Platz im Konzertsaal. Im Saal wiederum vermittelt sich die Atmosphäre, das Wechselspiel zwischen Interpreten und Publikum auf unvergessliche Weise. Viele Konzerterinnerungen gelten genau diesen magischen Momenten des wortlosen Miteinanders von Publikum und Musikern.

Vom Publikum wegen seiner noblen Intimität über alles geliebt, von Interpreten aber als höchst anspruchsvoll empfunden wird das Rokokotheater. Der Bühnenraum ist extrem tief und hat deshalb seine eigene Akustik – was dort erklingt, erreicht das Publikum nicht so direkt wie das musikalische Geschehen vor dem "Eisernen Vorhang". Das macht die Aufnahme von Opern, barock oder zeitgenössisch, zu einer höchst diffizilen Aufgabe. Und lässt bei Konzerten immer wieder die Frage auftauchen, wo zum Beispiel bei einem Klavierrezital der Flügel am besten zu platzieren ist oder von welcher Position ein Kammermusikensemble akustisch optimal im Saal ankommt.

Vor 40, 50 Jahren, als die Anzahl der Mikrophone, mit denen das Geschehen im Bühnenraum eingefangen werden konnte, noch sehr begrenzt war, da die Übertragungswagen nur über eine kleine Anzahl von Mikrophon-Eingängen verfügten, war es nicht einfach, eine ausgewogene, präsente, auch räumlich klingende Opernaufnahme im Rokokotheater zu produzieren. Der trockene Klang manch früherer Opernproduktionen, gelegentlich charakterisiert als "Schuhkarton-Sound"; ist jedoch längst Vergangenheit. Mit der rasanten technischen Entwicklung sind Klangergebnisse möglich, die die schwierigen akustischen Verhältnisse im Theater ausblenden können. Viel bestimmender sind jetzt die klangästhetischen Vorstellungen einzelner Tonmeister und Tonmeisterinnen, für deren Realisierung auf der technischen Seite nun alle Mittel zur Verfügung stehen. Trotzdem bleiben die Opern die hohe Schule der Schwetzingen-Übertragungen. Jede Oper stellt durch ihre Inszenierung besondere Anforderungen an die Ü-Technik. Die Mikrophone sollen, so nicht nur der Wunsch des Fernsehens, sondern auch der Opernregie, nach Möglichkeit unsichtbar bleiben. Was allerdings die Übertragungsqualität beeinträchtigen kann. Ein Purzelbaum schlagender Papageno mit einem "Mikroport", also einem kleinen, in Gesichtsnähe befestigten Mikrophon, kann dann plötzlich akustisch abgehängt sein, ein Draht in einem Reifrock der Sängerin das Signal des Mikrophons löschen.

Es sind die Mitschnitte der Opern und Konzerte, die das Vermächtnis aus 70 Jahren Schwetzinger Festspiele für die Gegenwart und Zukunft festgehalten haben. So gut wie jedes Konzert ist per Mitschnitt dokumentiert, viele Konzerte sind in den letzten 20 Jahren auch auf dem SWR-eigenen Label auf CD veröffentlicht worden, so manche Aufnahme bringt es unter Kennern zu Kultstatus. In den Jahren 2020 und 2021 fielen zwar die Schwetzinger Festspiele im Frühjahr pandemiebedingt aus. Trotzdem gab es im Radio Festspiele – mit den besten Konzerten der letzten Jahre, zur Freude vieler Hörer.

5) Zwischenruf: Und die Frauen?

Als die Schwetzinger Festspiele 50 Jahre alt wurden, erschien im Metzler-Verlag ein prächtiger, überaus sorgfältig, liebevoll und sachkundig gemachter Band mit dem Titel Ein Arkadien der Musik. 50 Jahre Schwetzinger Festspiele 1952 – 2002. Man nimmt ihn immer wieder gerne zur Hand, auch wegen der über 400 Photographien, und entdeckt darin die ungeheure Fülle dessen, was die Schwetzinger Festspiele in den ersten 50 Jahren ihres Bestehens hervorgebracht haben. Ins Nachdenken gerät man allerdings an einem eher wenig beachteten Punkt bei der akribischen Aufzählung all derer, die zum Schwetzinger Erfolg beigetragen haben. Über fünf Jahrzehnte blieb die Leitung der Festspiele, die Geschäftsführung, die Gestaltung des Musik- und Sprechtheaters und die der Konzertprogramme eine Domäne der Männer. Auch ins Kuratorium hatte es bis zum 50. Jubiläum der Festspiele keine Frau geschafft.

In dem Maße, wie Frauen sich einflussreiche Positionen in den Redaktionen und im Kulturmanagement eroberten, vergrößerte sich jedoch auch deren Gestaltungsraum und Einfluss auf die Festspiele. Mit Marlene Weber-Schäfer, die als einzige Frau bereits in den achtziger Jahren Geschäftsführerin in Schwetzingen war, leitete erstmals ab 2013 eine Frau den Konzertbereich. Ihr folgte 2017 Heike Hoffmann als Künstlerische Leiterin sowohl der Oper als auch der Konzerte, die damit erstmals in einer Hand sind. Auch das Kuratorium macht sich seit einigen Jahren die Expertise von herausragend qualifizierten Frauen zunutze. Komponistinnen schreiben Opern für Schwetzingen, werden in Konzertprogrammen porträtiert, und wenn vormals die Frauen auf Schwetzingens Bühnen vor allem Sängerinnen waren, so haben in den letzten beiden Jahrzehnten gerade auch (junge) Geigerinnen und Pianistinnen das Podium erobert. Männer, aufgepasst!

6) Das Schwetzinger Credo

"Altes wiederentdecken, Neues initiieren, dem Nachwuchs eine Chance geben." Keine Würdigung der Festspiele kommt an diesem Bekenntnis, der "Schwetzinger Dramaturgie", vorbei. Auch wenn die Festspielleiter und -leiterinnen bei ihrer Inthronisierung keinen heiligen Eid darauf ablegen, so hat diese bereits von Peter Kehm kurz nach Gründung der Festspiele im Kern entwickelte Formel in ihrer Schlichtheit ihre immerwährende Festspieltauglichkeit bewiesen. Wobei in den Nachkriegsjahren von Nachwuchs noch nicht die Rede war, denn der war ohnehin dünn gesät und deshalb überall im Musikleben händeringend gesucht.

"Der SWR ist die einzige Rundfunkanstalt mit einem temporär betriebenen eigenen Opernhaus" pflegte Reinhard Ermen, jahrzehntelang Opernredakteur des SDR/SWR gerne und nicht ohne Stolz zu sagen. Ja, die Festspiele wurden als "Festliche Operntage" gegründet, und wohl kein anderes Opernhaus in Deutschland kann mit so vielen Opernuraufführungen prunken wie ausgerechnet das Rokokotheater. Nach wie vor ist es die Oper, die die überregionalen Medien und die Fachpresse nach Schwetzingen zieht.

Der SWR ist die einzige Rundfunkanstalt mit einem temporär betriebenen eigenen Opernhaus.

Aber spätestens seit der Jahrtausendwende hat sich mit Peter Stieber als künstlerischem Leiter der Konzertprogramme das Festival auch als Kammermusikfestival ersten Ranges etabliert. Die wachsende Anzahl der Konzerte fingen engmaschig alles ein, was im Kammermusikbereich von Interesse war. Dauerhafte Beziehungen zu Künstlern wurden geknüpft, Programmlinien gepflegt.

Die Nachfolgerinnen Marlene Weber-Schäfer und Heike Hoffmann setzten jeweils eigene Akzente. Heute werden mehr denn je Programme entwickelt, die musikhistorische Beziehungen offenlegen und dem Publikum Konzentration und Offenheit abverlangen. Und die Festspiele machen sich nun auch auf den Weg in die Stadt zu den Bürgern, in die Kirchen von Schwetzingen und Speyer oder ins Mannheimer Schloss …

Mit der Schaffung der "Woche der Begegnung junger Musiker" 1990 begann explizit die Umsetzung des letzten Drittels des Schwetzinger Credos. Und das ist im Verlauf von drei Jahrzehnten zu einem starken Pfeiler der Konzert-Dramaturgie geworden. Viele Jahre gehörten die Hofmusik-Akademien zum Festspielprogramm, ein Angebot für junge Musiker und Musikerinnen, die sich anhand des Repertoires der Mannheimer Hofkapelle in historisch informierter Aufführungspraxis übten. Heute sind unter anderem die Konzerte der ARD-Preisträger das Bindeglied zwischen höchst erfolgreichem Nachwuchs und den künftigen Beherrschern der internationalen Podien.

Apropos: war es nicht in Schwetzingen, wo 2003 ein bis dato in Deutschland unbekannter junger Pianist namens Lang-Lang eine Klaviermatinee spielte, die es in sich hatte? Und dabei von der BBC eskortiert wurde, die ihn im selben Jahr beim Eröffnungskonzert der BBC Proms Tschaikowskis Erstes Klavierkonzert spielen ließ?

7) Ende und Anfang

Wer dieses Programmheft in Händen hält, wird mit anderen Augen darauf schauen als im Jahr 2019. Die Erfahrung der Pandemie, die das öffentliche Musikleben von heute auf morgen über lange Zeit zum Erliegen bringen konnte, hat wohl jeden verändert, der ohne Musik nicht leben kann. Das sind nicht allein die leidenschaftlichen Konzertgänger, sondern gerade auch diejenigen, die die Musik spielen und das Konzertleben organisieren.

Nachdem nicht nur 2020, sondern auch 2021 die Frühjahrsausgabe der Schwetzinger Festspiele abgesagt werden musste, kam an Pfingsten 2021 die Meldung des Artemis-Quartetts, dass es sich in eine »Spielpause auf unbestimmte Zeit« verabschiedet. Seit 1997 war das Artemis-Quartett 14 Mal in Schwetzingen zu Gast, in manchen Jahren sogar mit mehreren Konzerten. Jedes der Konzerte war ausverkauft. Wenn es ein Ensemble gibt, das den Geist der Festspiele verkörpert, dann ist es dieses Quartett. Als eines der besten Quartette der Welt repräsentiert es die deutsche Streichquartettkultur, wie sie wohl nur noch an wenigen Orten so intensiv gepflegt wird wie in Schwetzingen. Die Geigerin Anthea Kreston nannte es "kraftvoll, intellektuell und leidenschaftlich zugleich", als sie als neues Mitglied ins Quartett kam. In fünf verschiedenen Besetzungen hat das Ensemble im Laufe seiner 30-jährigen Geschichte gespielt, sich immer wieder neu zusammengefunden, bis 2019 auch das letzte Mitglied der ersten Besetzung, Eckart Runge, ausgeschieden ist. Es hat Konflikte und schwere menschliche Dramen überlebt, hat daraus kein Geheimnis gemacht und ist vom Publikum auch deshalb geliebt und gefeiert worden. "Unsere Geschichte ist die eines Wandels" sagte der Cellist Eckart Runge über sein Quartett.

Seit 1997 war das Artemis-Quartett 14 Mal in Schwetzingen zu Gast, in manchen Jahren sogar mit mehreren Konzerten. Jedes der Konzerte war ausverkauft. Wenn es ein Ensemble gibt, das den Geist der Festspiele verkörpert, dann ist es dieses Quartett.

Dass nun gerade dieses Quartett schweigt, Atem holt und sich ­– vielleicht – wieder neu finden wird, ist ein Signal und ein Gleichnis für den Punkt, an dem unser Musikleben gerade steht. Denn der Neubeginn wird nicht einfach eine Fortsetzung des Bisherigen sein können. Wir werden in Zukunft dankbarer dafür sein, eine Kunst erleben zu dürfen, die in ihren besten Momenten eine Ahnung von Vollkommenheit gibt. Und von diesen Momenten gab es in den 70 Jahren der Schwetzinger Festspielgeschichte eine ganze Menge.

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