Konzept Kunst und Technik im Dialog

Das SWR Experimentalstudio in Freiburg

Das SWR Experimentalstudio verfolgt den Weg der Synthese von Kunst und Technik über das Prinzip des Dialogs. In der Regel entstehen hier Kompositionen mit Elektronik als Koproduktionen von Komponisten und erfahrenen Musikinformatikern und Klangregisseuren.

Saal mit zwei Konzertflügeln und technischen Geräten (Foto: SWR, SWR - Klaus Fröhlich)
SWR Experimentalstudio, großer Saal SWR - Klaus Fröhlich

Einerseits gehört ein fester Stab von Spezialisten zum Studio, andererseits vergibt das Experimentalstudio regelmäßig Stipendien an KomponistInnen, um ihnen zu ermöglichen – sei es zu ihrer eigenen Orientierung oder mit einem konkreten musikalischen Vorhaben –, zusammen mit dem Team des Studios zu arbeiten.

Digitalisierung und Musikinformatik

In der Geschichte des SWR Experimentalstudios verzeichnen die ausgehenden achtziger und beginnenden neunziger Jahre den Übergang in eine neue Ära. Die Neuorientierung galt einerseits der umfassenden Digitalisierung der Technik und andererseits der Musikinformatik. Anhand eines Projektes können Zielrichtungen und Vorteile dieser Anstrengungen hier beispielhaft angedeutet werden: Der Klangverwaltung im weitest möglichem Sinn dient der von Mitarbeitern des Experimentalstudios entwickelte Matrix-Mixer. Das volldigitale Gerät kann in einer extrem komplexen Weise sämtliche elektronischen Abläufe während einer Aufführung koordinieren. Die Zugänge zu Geräten, Lautsprechern und Mikrofonen sind dabei nicht nur, wie bei der früheren Matrix-Mixer-Generation, programmierbar, sondern lassen sich auch in beliebigen internen Geschwindigkeiten und Abmischungen öffnen und schließen, während zugleich viele der vormals extern benutzten Geräte wie das Raumklangsteuergerät (Halaphon usw.) in den Matrix-Mixer bereits integriert sind. Ergebnis ist der Prototyp einer kompletten Arbeitsstation, die vielseitig zur Realisation von Konzerten eingesetzt werden kann.

Aufführungen und Produktionen

In der Gestaltung von Aufführungen liegt – neben der Forschung und Produktion im Studio – ein großes Aufgabengebiet des Experimentalstudios.
Komponisten verschiedenster Richtungen wie Karlheinz Stockhausen, Pierre Boulez, Vinko Globokar, Paul-Heinz Dittrich, Brian Ferneyhough, Cristóbal Halffter, Klaus Huber, Luigi Nono, Emmanuel Nunes, Dieter Schnebel, Kazimierz Serocki und viele andere mehr haben Werke für Live-Elektronik realisiert. Sie werden durch das Experimentalstudio in Zusammenarbeit mit Interpreten, Ensembles und Orchestern bei Festivals und Konzertveranstaltungen in ganz Europa aufgeführt.

Musik des 20. Jahrhunderts

Mantra (Stockhausen), Prometeo, Quando stanno morendo Diario Polacco No. 2, Risonanze Erranti, Caminantes...Ayacucho etc. (Nono), ...explosante/fixe... (Boulez), Wandlungen (Nunes), Pianophonie (Serocki), Noche pasiva del sentido (Halffter), Time and Motion Study (Ferneyhough) sind heute schon Zeugen eines unverlierbaren Repertoires der Musik des 20. Jahrhunderts.

Mark Andre, Armin Köhler (verdeckt), Pierre Boulez, Wolfgang Rihm und Detlef Heusinger in einem Studio (Foto: SWR, SWR - Klaus Fröhlich)
Komponistengenerationen SWR - Klaus Fröhlich

Zu den jüngeren Produktionen im SWR Experimentalstudio zählen Arbeiten von (u. a.) Silvia Fómina, Günter Steinke, Gerhard E. Winkler, Bernd Asmus, André Richard, Peter Ablinger, Isabel Mundry, Wolfgang von Schweinitz, Diego Minciacchi, Uros Rojko, Michael Obst, Johannes Kalitzke, Nicolaus A. Huber, Rolf Gehlhaar, Marco Stroppa, Daniel Rothman, Giuseppe Gavazza, Jakob Ullmann, Mark Andre, Amnon Wolman, Chaya Czernowin, Gerald Eckert, Alvin Curran, James Saunders, Dai Fujikura, Lars Petter Hagen, Valerio Sannicandro, Alwynne Pritchard, Julio Estrada, Hilda Paredes, José Maria Sánchez-Verdú.

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