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Sergej Newski

Seit mehreren Jahren versuche ich an Modellen zu arbeiten, die vom Widerspruch leben zwischen dem Material und der Syntax, in der das Material entfaltet wird. Meistens handelt es sich um mehrere voneinander unabhängige Zeitnetze, bei denen sich unterschiedliche Schichten völlig heterogener Materialen (die oft durch längere Pausen innerhalb einer einzelnen Schicht voneinander getrennt werden) überlagern und als Resultat dieser Überlagerung eine Art kontinuierlicher, wenn auch sehr komplexer Erzählung entsteht. Die Ambivalenz zwischen der erlebten Einmaligkeit jedes Klangereignisses und deren Einbettung in die lineare Zeitebene wird dabei zum wichtigen Thema. Im Laufe des Stückes sollen zwischen den einzelnen Materialebenen immer komplexere Beziehungen entstehen, der vorgeplanten Struktur wird der Gedanke eines organischen Wachstums, einer Verschmelzung heterogener Klangfarben entgegengesetzt.

Ein weiteres Thema, auch in diesem Stück, ist die Verzerrung, Deformation des Instrumentalklangs und die taktile Erforschung der Instrumentenoberfläche. Vor dem Arbeitsbeginn wählte ich einige Schwerpunkte solcher Deformation, die meistens von der taktilen, körperlichen Natur der Klangerzeugung ausgehen, sowie vom Charakter des Materials, das bespielt wird. So werden zum Beispiel beide Blechbläser mit den Mundstücken anderer Instrumente gespielt. Das Antasten, Anstreichen des puren, unbearbeiteten Materials (wie Holz, Keramik, Stein, Eisen, Glas) wird zum wichtigsten Bestandteil des Schlagzeugparts.

Schließlich gibt es auch eine Raumebene im Werk: Es sind drei räumlich getrennte Duos, in welchen jeweils ein Soloinstrument von seinem "Schatten" begleitet wird; jede Verzerrung bekommt einen auskomponierten Nachhall. Der Dialog dieser kleinen Instrumentalgruppen ruft im Bewusstsein des Zuhörers eine Assoziation von der Idee des Konzertierens hervor. So könnte man das Ganze auch als ein sehr freies Konzertstück für Tuba, Schlagzeug, Horn und drei Begleitinstrumente betrachten.

Bilder vom Ensemblekonzert I

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