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Womit kann man seine Eltern heute noch schocken? Mit Rockmusik sicher nicht, denn die hat ihre revolutionäre Attitüde schon lange verloren. Da ist die Neue Musik doch eigentlich spannender, könnte man meinen. Erst recht wenn sie, wie bei Stefan Prins, mit Spielkonsolen gesteuert zur multimedialen Performance wird. Oder wenn ein junger Komponist wie Johannes Kreidler aus Protest mal eben zwei klassische Instrumente auseinander nimmt. Wie cool, wie angesagt ist zeitgenössische Musik bei jungen Leuten heute? Jan Lehmann hat sich in Donaueschingen mal umgehört.

Teffen der internationalen Studenten in den Donauhallen, am 17.10.2012 (Foto: SWR, SWR - Tilman Stamer)
SWR - Tilman Stamer

Wuschelhaare, Sonnenbrille, Turnschuhe – für Leute wie Jakob Bauer ist Donaueschingen lässig. Und spannend zugleich:

Erstes Treffen des Studentenworkshops "Next Generation" Donaueschingen 2012 Erstes Treffen des Studentenworkshops "Next Generation" Donaueschingen 2012

Sagt der 21-Jährige und zieht noch mal an der selbstgedrehten Zigarette. Gleich geht es los, im Bartók-Saal der Donauhallen spielt das belgische Nadar-Ensemble. Jakob ist voller Vorfreude, wie vor einem Popkonzert.

Der Marburger Student ist einer von über hundert Teilnehmern des Workshops "Next Generation", ein Begleitprogramm zu den Donaueschinger Musiktagen. Musikstudierende und Nachwuchskomponisten aus ganz Europa treffen sich hier, um sich mit Fragen zeitgenössischer Musik auseinanderzusetzen. Auch ganz praktisch:

Erzählt Friedemann Dupelius, Medienkunststudent aus Karlsruhe. Der Einsatz von Computern, die Vermischung von digitalen und analogen Sounds – das Thema der diesjährigen Musiktage – interessiert die Studierenden noch einmal besonders:

Und auch von Wem. In Workshops und Gesprächen trafen die Studenten im Vorfeld auf Komponisten wie Helmut Oehring, Arnulf Herrmann und Martin Smolka, deren Werke sie später bei den Konzerten live erlebten. Für viele eine spannende Begegnung. Längst nicht alle jungen Festivalbesucher sind in der Neuen Musik wirklich zu Hause. Viele studieren klassische Instrumente oder Musikwissenschaften und sind ganz einfach neugierig auf eine Musik, die die Endlosschleife des immer Gleichen, Erwartbaren durchbricht.

Ist Neue Musik also tatsächlich cool und hipp für junge Leute, weil hier noch wirklich etwas Neues passiert? Nein, sagt Anne Holzmüller, Musikwissenschaft-Dozentin aus Freiburg, eher nicht. Zeitgenössische Musik werde nicht mal an den Hochschulen richtig wahrgenommen, klagt sie, und hat deshalb eine fächerübergreifende Exkursion für Studenten nach Donaueschingen organisiert. Allerdings, so glaubt sie, könnten die stärker konzeptuellen, multimedialen Arbeiten jüngerer Komponisten die Tür gerade für junge Leute ein Stück weiter öffnen.

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