Donaueschinger Musiktage 2001 | Werkbeschreibung

Werke des Jahres 2001: "Orpheus’ Bücher I"

STAND
AUTOR/IN
Beat Furrer

für Stimmen und Orchester

Die Erzählung, auf einen Moment [Nu] komprimiert, in ständiger Wiederholung festgehalten, wird in sich verändernde Räume projiziert – Filterprozesse lassen einzelne Schichten [Bestandteile] in den Hintergrund bzw. in den Vordergrund treten, um so Perspektiven zu erzeugen. Anstelle linearer Zeitverläufe tritt die Vorstellung einer Raumtiefe: Prozesse werden "vertikalisiert" – Eine Momentaufnahme wird durch bewegliche Filter in immer neuen Perspektiven abgetastet. Diese Vorstellungen, bereits in früheren Werken [Nuun, still... etc] entwickelt, habe ich in Begehren zum ersten Mal mit einer theatralischen Form, sprich Oper, in Verbindung gebracht.

Orpheus' Bücher I, eine Bearbeitung der 1. Szene aus Begehren, beschreibt in Ovids bzw. Vergils Worten Orpheus' Aufstieg ans Licht, seinen Wunsch, sich umzudrehen und das Verschwinden Euridices, des Objekts seines Begehrens:

"...steil, dunkel, in dichten Nebel gehüllt, nicht weit vom Rand der Erde, schon an der Schwelle zum Licht: er hat sich umgedreht." Zwischen dem Reich des Todes – die mechanische Wiederholung: Sisyphos, Ixion, die Belliden... und "dem Schimmern des Himmels" bewegt sich Orpheus. ER [er war Orpheus]... kommentiert die vom Chor kommentierte Bilder-Sequenz: "Pfad der Schatten – flüchtig das Schimmern des Himmels..." [Pause]

Aus dem Initial-Klang des Wortes "Schatten" – einem Rauschen – entsteht ein um mehrere Schichten routierender Orchesterklang – das Solisten-Ensemble, elektronisch verstärkt und bewegt um den Raum projiziert. Während das Tutti-Orchester quasi an beiden "Enden" des Klanges nach möglichen Fortsetzungen sucht, um Perspektiven zu verdeutlichen bzw. einzelne Schichten des Klanges zu verstärken.

Gemeinsam erinnernd wird der Verlauf einer Erzählung [Klang] abgetastet [Kamera] – schnell, langsam, stockend... etc.
Nicht mehr wirken lineare, diskursive Verknüpfungen allein formbildend: Vielmehr treten um ein Gravitationszentrum oder zwischen zwei Polen [hell – dunkel] deren Einzelmomente in immer neuen Zusammenhängen in Erscheinung – eine Erzählung im status nascendi.

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AUTOR/IN
Beat Furrer