Michael Lentz / Uli Winters: Zurück Tauben, Spieluhren und Leiermann

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"Zurück - Phasen, Türme und Schnitte, ein Hör-Spiel" von Michael Lentz und Uli Winters ist eine Metamorphose. Viele Elemente werden zu einem großen Ganzen kombiniert: Sprache, Spieluhren, Live-Samplings, Tauben und chinesische Instrumente. Und welche Rolle spielen dabei Deutsche Nonnen?

Am Zufall gespiegelt

Spieluhr in "Zurück" von Ulis Winters und Michael Lentz (Foto: SWR, SWR / Lernradio Karlsruhe -)
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"Zurück" ist eine Hommage an Schuberts berühmtes Lied "Der Leiermann". Wo im Original der Pianist eine Leier imitiert, kommen bei "Zurück" fünf Spieluhren und ein Sprecher zum Einsatz.

Die beiden Komponisten Uli Winters und Michael Lentz waren für "Zurück" auch als Instrumentenbauer kreativ. Tauben picken auf einem eigens konstruierten Xylophon. Und auch die Spieluhren, die das Element des Leiermanns aufgreifen, sind Sonderanfertigungen. Obwohl es sehr einfache Instrumente sind, steckt der Teufel im Detail. Denn fünf Musiker müssen versuchen, die einzelnen Spieluhren so zu drehen, um den Klang eines einzigen Leierkastens zu simulieren.

Wenn Deutsche Nonnen improvisieren

In ihrer Komposition "Zurück" gehen Michael Lentz und Uli Winters neue Wege. Zehn Wochen lang haben die heimlichen Stars des Stücks geprobt: es sind Deutsche Nonnen. Religiös geht es im Stück trotzdem nicht zu, sondern eher tierisch.

Eine Taube flattert (Foto: SWR, SWR / Lernradio Karlsruhe -)
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Denn: Deutsche Nonnen sind eine Taubenrasse. Uli Winters hatte die Idee, Tauben in sein Stück einzubinden. Mit Tatjana Zimek hat er eine Filmtiertrainerin gefunden, die die Idee umsetzen konnte.

Die Tauben erzeugen Klänge auf einem eigens für sie entwickelten Xylophon. Weil die Futterkörner nicht in die Ritzen fallen dürfen, sind die Platten des Xylophons lückenlos nebeneinander angeordnet.

Dafür mussten die Tiere regelmäßig üben. Auch während der Tage in Donaueschingen wurde täglich einmal trainiert. Da Tauben Orientierungstiere sind, müssen sie sich an die Donauhalle, die Umgebung und Gerüche dort erst gewöhnen - sonst finden sie nicht den richtigen Weg. Und im Konzert ist alles ohne Netz und doppelten Boden.

Asiatische Instrumente

In der Komposition „Zurück“ von Uli Winters und Michael Lentz kommen außer Spieluhren, Elektronik und Tauben auch traditionelle chinesische Instrumente vor. Eines davon ist die Sheng. Wu Wei entlockt ihr mystische Klänge.

Der chinesische Musiker Wu Wei mit seinem Instrument Sheng (Foto: SWR, SWR -)
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Die Sheng ist eine traditionelle Mundorgel, die schon seit mehr als 4000 Jahren in China gespielt wird. Ursprünglich bestand sie aus einfachen Bambuspfeifen, auf denen man nur wenige Töne spielen konnte. Nach und nach wurde die Technik der Sheng ausgefeilter: eine aufwändige Klappenmechanik ermöglicht inzwischen chromatische Klangfolgen und ließ die Zahl der Bambuspfeifen auf 37 steigen.

Unter jeder Pfeife befindet sich eine Metallzunge, die durch Atemluft in Schwingung versetzt wird – ähnlich wie bei einer Mundharmonika. Man kann Töne sowohl beim Ein- als auch beim Ausatmen erzeugen und sogar Akkorde spielen.

Am Boden des Instruments befindet sich eine kleine Wasserkammer aus Messing. Dort muss vor dem Einsatz heißes Wasser eingefügt werden, um die Atemluft zu erwärmen. So lässt sich die Sheng leichter spielen.

Der chinesische Musiker Wu Wei spielt Sheng (Foto: SWR, SWR / Lernradio Karlsruhe -)
Wu Wei spielt Sheng SWR / Lernradio Karlsruhe -

Um das Instrument ranken sich viele chinesische Erzählungen. Der Klang soll einst sogar einen Streit unter Göttern besänftigt haben. Aber auch ihre Form hat die Dichter inspiriert: Der Korpus erinnert an die Federn des mythischen Vogels Phoenix und das Mundstück an dessen Hals und Schnabel.

Der 1970 geborene Wu Wei ist einer der bekanntesten Sheng-Interpreten weltweit. Mit 15 Jahren begann er sein Studium: zunächst in Nanjing und Shanghai, ab 1995 auch in Berlin. Seine musikalische Bandbreite ist groß. Er widmete sich dem Jazz, der freien Improvisation, der traditionellen chinesischen Musik und nicht zuletzt auch der Neuen Musik. In den letzten Jahren war er an über 100 Uraufführungen beteiligt.

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