Komponisten Peter Eötvös

Peter Eötvös (Foto: SWR, SWR - Istvan Huszti)
Péter Eötvös SWR - Istvan Huszti

Ich bin 72. In diesem Alter beginne  ich meinen Lebenslauf nicht mit dem Geburtsjahr, sondern beschreibe nur das, was mir wichtig erscheint. Es sind: komponieren, dirigieren, unterrichten. Diese drei gehören zusammen: vorstellen – realisieren – weitergeben.

Das Wichtigste für mich ist das Komponieren. Ich gehöre keiner Schule an. Meine theoretischen Kenntnisse kommen aus der Praxis, mit der ich glücklicherweise sehr früh beginnen konnte. Bis zu meinen 42. Lebensjahr habe ich nur Kammermusik und elektronische Musik komponiert. Im Jahr 1986 entstand ein erster Versuch für größeres Ensemble, die Chinese Opera. Das war ein Durchbruch. Ich entdeckte, dass mir das Komponieren leichter fällt, wenn ich für eine Person schreibe, die ich kenne. So sind seit 2000 neben den zehn Opern auch zehn Solokonzerte entstanden.

Als Dirigent habe ich in den letzten 40 Jahren eine unglaubliche Karriere erleben dürfen. Zuerst waren es die deutschen Rundfunksinfonieorchester, die mich einluden, weil ich moderne Partituren gut lesen und vermitteln konnte. Ich habe die Orchestermusiker immer als Kollegen betrachtet. Aus dieser Haltung ist eine persönliche, freundliche dirigentische Gestik entstanden, die meine Zusammenarbeit mit allen Orchestern sehr erleichterte. 1991 gründete ich meine erste Stiftung für junge Dirigenten, die ich 2004 auch jungen Komponisten geöffnet habe: Die Peter Eötvös Stiftung für Zeitgenössische Musik. Ihr Ziel ist es, Dirigenten und Komponisten in einen ständigen Dialog zu bringen und die Kontinuität eines in der musikalischen Tradition verankerten Denkens bewusst in die Zukunft weiterzuführen.

English

I am 72. At this age I do not begin my CV with my year of birth, but rather describe only those things that strike me as important. These are composing, conducting and teaching. These three belong together: imagining – realizing – passing on.

The most important thing to me is composing. I do not belong to any school. My theoretical knowledge comes from musical practice, which I was fortunate enough to begin at a very young age. Until the age of 41, I only wrote chamber and electronic music; in 1986 I made my first attempt at a piece for larger ensemble, Chinese Opera. It was a breakthrough. I discovered that composing comes more easily to me when writing for a person I know. Now I have written ten operas as well as ten solo concertos since 2000.

As a conductor, I have had the privilege of experiencing an unbelievable career. I started with the German radio orchestras, who invited me because I was good at reading and bringing across modern scores. I have always viewed orchestral musicians as colleagues; this attitude has led to a personal and friendly conducting approach that has greatly facilitated all my collaborations with orchestras. In 1991 I established my first foundation for young conductors, which I also opened up to young composers in 2004: the Peter Eötvös Contemporary Music Foundation.  Its goal is to create a constant dialogue between conductors and composers and expressly continue a way of thinking that is anchored in musical tradition into the future.

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