Der Warnstreik der Lokführer und der Gewerkschaft GDL führt zu Zugausfällen und Verspätungen (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance)

Zweiter Bahnstreik der GDL. Ein Kommentar

Nur ein Streik, der wehtut, ist ein guter Streik

STAND
AUTOR/IN

Claus Weselskys Lokführer-Gewerkschaft prangert unverhältnismäßig hohe Vorstandsgehälter an und zeigt dem Land mal wieder, was ein Streik ist. SWR Kolumnist Martin Rupps gefällt beides.

Seit der Nacht zum Montag fluchen wieder unzählige Menschen in Deutschland über Claus Weselsky, Bundesvorsitzender der Gewerkschaft Deutscher Lokführer, weil er das zweite Mal in diesem Jahr zum Streik aufruft.  Klar, in einer wirtschaftlich ruinösen Pandemie und zur Hauptreisezeit fällt das Verständnis für Streiks bei der Bahn schwerer als sonst. Trotzdem ist Claus Weselsky für mich kein Tarif-Rambo, sondern ein Kämpfer in der Sache, der geschickt zwei Achillesfersen dieser Republik tritt.

Martin Rupps (Foto: SWR, SWR/Kristina Schäfer)
Laut SWR Kolumnist Martin Rupps verfährt die Bahn-Führung mit ihren Beschäftigten nicht gerade großzügig. SWR/Kristina Schäfer

Claus Weselsky prangert mit dem Streik die unverhältnismäßig hohen Gehälter in deutschen Vorständen an. Auch in der Pandemie bekamen die Bahn-Führungskräfte zum festen Gehalt dicke Boni obendrauf. Boni sollen eigentlich eine gute bis sehr gute Bilanz belohnen. Seit Beginn der Pandemie ist sie katastrophal. Mit ihren Beschäftigten verfährt die Bahn-Führung dagegen weniger großzügig. Lokführer sollen nicht einmal einen Ausgleich für die Inflationsrate erhalten.

Weiter hinterfragt der GDL-Chef die Zahnlosigkeit, mit der mittlerweile Tarifkonflikte hierzulande ausgetragen werden. Die üblich gewordenen Frühjahrsrituale der Gewerkschaften Verdi und IG Metall, die ein paar Arbeitsniederlegungen organisieren wie Zeltfeste, ließen die einst üblichen Mittel und Ziele eines Streiks völlig vergessen. Der Streik muss ziemlich weh tun, sonst bewirkt er nichts. Claus Weselsky setzt noch auf den Druck der Straße, während die Großgewerkschaftler lieber das Bühnenstück "theatralische Nachtsitzung mit Arbeitgebern und Phrasen-Pressekonferenz am Morgen" aufführen. Eine solche Pressekonferenz dürfte Claus Weselsky demnächst auch geben, aber nach einem Arbeitskampf, der diesen Namen tatsächlich verdient.

Über so viel Streikbereitschaft schreien die Deutschen, das verwöhnte Volk, natürlich laut auf. Sollen sich doch die Lokführer nicht so haben - ich will pünktlich in den Urlaub!

Baden-Württemberg

Einschränkungen bis Mittwoch Bahnstreik sorgt für Zugausfälle in BW - Bahn setzt mehr Züge als im ersten Streik ein

Seit dem frühen Morgen bestreikt die GDL erneut bundesweit den Personenverkehr. Auch in Baden-Württemberg müssen sich Reisende auf Ausfälle und Wartezeiten einstellen.  mehr...

Mehr Meinungen im SWR

Junge Menschen braucht das Land. Ein Kommentar Der Bundestag muss jünger werden

Von 709 Bundestagsabgeordneten sind gerade mal 20 unter 30 Jahre alt. Das sind zu viele alte Politiker, meint Kirsten Tromnau und hofft auf die Bundestagswahl.  mehr...

Klimaneutralität bis 2040. Ein Kommentar Eigenlob verpestet das Klima

Das Großprojekt zum Klimaschutz der baden-württembergischen Landesregierung sei zu klein gedacht, warnen Klimaexperten. Aber vor allem das Eigenlob der Politiker riecht unangenehm, meint Kirsten Tromnau.  mehr...

"Wege zur Macht" um 20.15 im Ersten. Ein Kommentar Besuch in der Todeszone

Nie war Politik in Deutschland härter, aber auch transparenter, wie der Film "Wege zur Macht. Deutschlands Entscheidungsjahr" am Montagabend im Ersten und in der ARD Mediathek zeigt.  mehr...

STAND
AUTOR/IN