Martin Rupps (Foto: SWR, SWR/Kristina Schäfer)

Zweite Amtszeit für Steinmeier. Ein Kommentar

Ein Bundespräsident von gestern

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Martin Rupps

Dass Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier für eine zweite Amtszeit nominiert wird, muss viele Menschen in Deutschland enttäuschen, meint Martin Rupps.

Jetzt winken auch die Grünen eine zweite Amtszeit von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier durch. Die hatte sich schon abgezeichnet. Sie muss viele Menschen in Deutschland enttäuschen, auch mich. Fast 73 Jahre nach Gründung der Bundesrepublik zieht noch immer keine Frau in das Schloss Bellevue. Stattdessen darf ein Mann weitermachen, dessen politische Verdienste, aber leider auch sein Politikverständnis in der Vergangenheit liegen.

Schon lange hatte Deutschland keinen inhaltlich so mutlosen und im Auftritt so selbstgefälligen Bundespräsidenten wie Frank-Walter Steinmeier, meint Martin Rupps. (Foto: picture-alliance / Reportdienste, Bernd von Jutrczenka)
Schon lange hatte Deutschland keinen inhaltlich so mutlosen und im Auftritt so selbstgefälligen Bundespräsidenten wie Frank-Walter Steinmeier, meint Martin Rupps. Bernd von Jutrczenka

Es gibt Beispiele alter Bundespräsidenten, die erstaunlich jung dachten. Gustav Heinemann entwickelte Verständnis für die damalige Studentenbewegung. Joachim Gauck konnte sich als ehemaliger DDR-Bürger einfühlen in das Trauma vieler Ostdeutscher nach der Vereinigung.

Pauschale Kritik an AfD-Wählern und Impfgegnern

Nichts davon hat Frank-Walter Steinmeier in seiner ersten Amtszeit erkennen lassen. Er ging nicht auf Unzufriedene zu, die plötzlich AfD wählten, und ignoriert unterschiedliche Motive von Corona-Impfgegnern. Frank-Walter Steinmeiers Reden sind völlig kantenfrei geschliffen bis hin zu Plattitüden. Bloß nicht anecken. Bloß keine Debatten auslösen. Damit vertieft er die Kluft zwischen der wachsenden Zahl von Demokratie-Skeptikern und der politischen Klasse in Deutschland.

Schon lange hatte das Land keinen inhaltlich so mutlosen und im Auftritt so selbstherrlichen Bundespräsidenten wie Frank-Walter Steinmeier. Dass er kurz vor der Bundestagswahl erklärte, für eine zweite Amtszeit kandidieren zu wollen (ich möchte ergänzen: Ganz gleich, wer "unter" ihm Bundeskanzlerin oder Bundeskanzler wird), sprach für sich. Damit hat er dem Amt geschadet. Und wird es wieder tun, wenn er die volle zweite Amtszeit im Schloss Bellevue bleibt.

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