STAND
AUTOR/IN

Sind unbedingt zwei Impfungen gegen das Corona-Virus nötig? Darüber wird immer wieder diskutiert - vor allem deshalb, weil derzeit nicht genügend Impfstoff für alle Menschen zur Verfügung steht. Eine Immunologin rät aber dringend dazu.

Durch zwei Impfungen erreicht man "ein immunologisches Gedächtnis" in unserem Körper, sagt Prof. Dr. Christine Falk im SWR. Sie ist Präsidentin der Deutschen Gesellschaft für Immunologie und arbeitet an der Medizinischen Hochschule in Hannover. Das Immunsystem könne sich dann besser daran "erinnern", wenn man nach der ersten Impfung mit dem Coronavirus in Kontakt kommen sollte. So hätten sich schon Antikörper und "T-Zellen"* gebildet, sagt Prof. Falk. Deshalb müsse man "unbedingt darauf hinweisen, dass man zwei Impfdosen braucht."

Welcher Impfabstand ist der Richtige?

In Großbritannien ist nach Beginn der Impfungen gegen das Coronavirus darüber diskutiert worden, wie lang der Abstand zwischen den zwei Impfungen sein kann. Hier sei ein Zeitraum von drei Monaten diskutiert worden, sagt Falk. Auch deshalb, um möglichst viele Menschen zunächst versorgen zu können, bis genug Dosen vorliegen. Die Deutsche Gesellschaft für Immunologie sei jedoch zu dem Schluss gekommen, dass maximal 60 Tage eine bessere Lösung für den Impferfolg seien, da noch keine ausreichenden Studiendaten vorlägen.

Die Europäische Arzneimittelbehörde (EMA), die die Impfstoffe für die EU-Staaten zulässt, habe aufgrund der Diskussion über eine Streckung des Impfzeitraums einen Abstand von maximal 42 Tagen zwischen der ersten und zweiten Impfung empfohlen, sagt die Immunologin. Zuvor war von nur 21 Tagen ausgegangen worden.

2. Impfung verpasst - alles umsonst?

Das könne man so nicht sagen, meint Frau Prof. Falk. Es gebe allerdings schlichtweg keine Studiendaten dazu. Gerade bei dem sogenannten MRNA-Impfstoff, der jetzt zum Beispiel vom Mainzer Unternehmen BioNTech eingesetzt werde, sei eine Immunität nach etwa 14 Tagen erreicht. Diese Zeit benötige der Körper um Antikörper gegen das Virus zu bilden. Was danach passiere, dazu gebe es keine Daten, so Falk, da bei den Tests bereits nach drei Wochen eine zweite Impfung erfolgt sei.

*Der Immunologe Thomas Jacobs hat sich auf die Erforschung von T-Zellen spezialisiert. Er erklärt, dass die T-Zellen in der Lage sind, auf Zellen zu erkennen, ob da ein Virus drin ist: "Diese T-Zellen machen zum Beispiel Botenstoffe, die die anderen Zellen, die Antikörper machen (…). Sie aktivieren aber auch Fresszellen, die sogenannten Makrophagen, die andere Zellen fressen können. Offensichtlich das Wichtigste bei Virusinfekten ist, dass sie auch direkt virusinfizierte Zellen erkennen können und diese dann praktisch töten."

Mehr zum Thema

Zweiter Corona-Impfstoff für Deutschland Auslieferung des Moderna-Impfstoffs an die Bundesländer beginnt

Rund 60.000 Impfdosen des US-Herstellers Moderna werden ab heute an die Bundesländer und deren Impfzentren ausgeliefert.  mehr...

Stuttgart, Mainz, Berlin

COVID-19: Impfungen im Südwesten Corona-Impfen: Aktuelle Zahlen in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz

In Deutschland haben die Impfungen gegen das Coronavirus begonnen. Als erstes werden vor allem ältere Menschen und Pflegepersonal geimpft. Hier finden Sie alle Impfzahlen.  mehr...

STAND
AUTOR/IN