Kleines rosa Sparscheinchen "beschnüffelt" Münzen. (Foto:  Andre Taissin on Unsplash)

Sparen oder lieber Shoppen?

Zinsen endlich rauf - pro und contra

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Sabrina Fritz
SWR-Wirtschaftsredakteurin Sabrina Fritz (Foto: SWR)
Michael Wegmer
SWR-Wirtschaftsredakteur Michael Wegmer (Foto: SWR, Michael Wegmer)

Sparen macht derzeit keinen Spaß - aber höhere Zinsen würden ärmere Euro-Länder belasten. Egal, was die Europäische Zentralbank jetzt entscheidet, es wird nicht allen gefallen.

Pro Zinserhöhung: Geld muss wieder teurer werden

Kurz zur Erinnerung: Warum sind die Zinsen eigentlich unter null gerutscht? Weil wir nach der Finanzkrise shoppen sollten, bis die EC-Karte glüht, um die Wirtschaft zu retten. Die Banken haben uns das Geld super billig unter die Nase gehalten, damit wir Autos, Sofas und Häuser kaufen, und die Rechnung ist ja auch aufgegangen.

Heute sieht die Welt aber anders aus: Geld ist genug da - das Problem ist, dass wir damit keine Fahrräder oder Spielekonsolen kaufen können, weil die Firmen nicht liefern. Wenn aber hohe Nachfrage auf wenig Angebot trifft, steigen die Preise - und das erleben wir gerade. Deshalb muss die Europäische Notenbank jetzt Geld wieder teurer machen, damit wir es nicht mehr so leicht ausgeben. Das gilt übrigens auch für die Staaten, die haben sich ja auch kräftig verschuldet, weil sie kaum Zinsen zahlen mussten.

Mag alles in Krisenzeiten notwendig gewesen sein, aber jetzt sollten alle wieder langsam in den Normalmodus zurückschalten - auch die EZB. Also Zinsen langsam anheben, die Sparer werden sich freuen. Die sind nämlich gerade doppelt gekniffen– keine Zinsen und das Geld wird wegen der Inflation weniger. Das kann auf Dauer nicht so bleiben.

Contra Zinserhöhung: Kein Drama aus der Inflation machen

Schauen wir in die Statistik, das soll ja öfter mal helfen beim Argumentieren. Die Inflation in Deutschland lag seit 1995 fast immer unter zwei Prozent - auch oft deutlich darunter. Deshalb stand fast immer ein Reallohnplus am Ende des Jahres, mehr Gehaltserhöhung als Inflation. Jetzt haben wir seit einigen, wenigen Monaten aus nachvollziehbaren Gründen eine ungewöhnlich hohe Inflation. Und daraus wird ein Drama gemacht, dass man meinen könnte, die Hälfte der Nation kann sich kein Stück Brot mehr kaufen, oder die ganze Volkswirtschaft geht pleite.

Erstens, eine gesunde Volkswirtschaft wie unsere verkraftet auch noch länger eine hohe Inflation. Zweitens ist Energie der Hauptpreistreiber, und die soll doch wegen des Klimawandels bewusst teurer werden, dachte ich. Und drittens ist die EZB für ganz Europa verantwortlich und würde mit Zinserhöhungen hoch verschuldete Länder wie Griechenland oder Italien in die nächste Eurokrise treiben, und damit ganz Europa.

Ich finde es deshalb absolut richtig, dass die EZB in Ruhe beobachtet und wenn nötig mittelfristig reagiert. Und nicht - politisch getrieben wie die US-Notenbank FED - kurzfristig am Leitzins schraubt, nur damit das Gezeter aufhört.

Kritik an lockerer Geldpolitik von Bankenseite

Sparkassenpräsident Helmut Schleweis fürchtet angesichts der niedrigen Zinsen längerfristig höhere Preise. Die Europäische Zentralbank müsse noch in diesem Jahr die Leitzinsen erhöhen, forderte er Anfang Februar 2022 vor einer Sitzung der EZB. Die Chefvolkswirte der Sparkassen-Finanzgruppe erwarten für das Gesamtjahr 2022 in Deutschland eine Inflationsrate auf Basis des Verbraucherpreis-Index HVPI von 3,2 Prozent.

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