Bitte warten...

Vorsicht Zecken! Schutz vor Zeckenbissen, Borreliose und FSME

Der Zeckenkrieg geht wieder los. Die Warnung vor Zecken gilt gerade in Süddeutschland - bis auf wenige Ausnahmen FSME-Risikogebiet. Allerdings: der kalte lange Winter schränkt die Verbreitung der Zecken ein. Reichen lange Hosen gegen die Spinnentiere oder ist eine Impfung nötig?

Mikroaufnahme einer Zecke / Borrelien und Antikörper

Mikroaufnahme einer Zecke und Borrelien mit Antikörpern

Zecken sind Meister des Überfalls. Sie lauern gerne maximal in Hüfthöhe auf ihre Opfer. Die Fieslinge sitzen oft tagelang, die Vorderbeine erwartungsvoll ausgebreitet, an exponierten Stellen wie zum Beispiel an der Spitze von Grashalmen. Anja Braun aus der SWR-Wissenschaftsredaktion gibt Ratschläge

Wie kann ich mich vor Zeckenbissen schützen, damit es gar nicht erst zu Borreliose oder FSME kommt?

Wenn ich weiß, dass ich mich heute Mittag auf eine ungemähte Wiese legen will oder durchs Unterholz streife, ziehe ich mir am besten lange Hosen und etwas Langärmeliges an. Dann hat die Zecke schon mal wenig Chancen, Haut zu finden. Außerdem sitzen Zecken typischerweise im hohen Gras und auf Büschen. Wer also eine Picknickdecke unter sich ausbreitet und die Büsche meidet, hat schon mal ein geringeres Risiko.

Zeckenabwehrsprays und Salben

Es gibt auch Zeckenabwehrsprays und Salben im Handel, sie halten aber oft nicht, was sie versprechen. Stiftung Warentest hat von 20 getesteten Zeckensprays bereits zwölf mit mangelhaft ausgezeichnet. Die acht Sprays, die den Test bestanden hatten, hielten allerdings nicht so lange wie angegeben - sie wirkten maximal ein bis drei Stunden abschreckend und das noch nicht einmal bei jedem Benutzer. Also darauf sollte man sich nicht zu fest verlassen.

Nach dem Ausflug: Absuchen

Ganz wichtig ist deshalb, dass ich mich nach dem Ausflug ins Grüne kurz durchchecke, ob mich einer der kleinen Blutsauger angefallen hat. Am liebsten beißen Zecken in Kniebeugen, am Ellbogen innen, am Haaransatz und hinter den Ohren, in die Achselhöhlen und auch in den Genitalbereich. Denn die Zecke mag warme und feuchte Hautgebiete und vor allem dünne Haut. Bei Kindern ist es daher sinnvoll, überall am Körper nachzusehen, bis hinter die Ohren - einfach, weil die Haut bei ihnen insgesamt noch dünner ist und die Zecke viel schneller ans Blut kommt.

Woran erkenne ich, dass ich an einer Borreliose erkrankt sein könnte?

Eine Zecke bei der Blutmahlzeit.

Eine Zecke bei der Blutmahlzeit.

In der Regel spürt man den Biss einer Zecke wirklich überhaupt nicht und kann deswegen auch nicht rasch reagieren. Denn diese Mini-Blutsauger sondern gleich zu Beginn ihres Stechens aus ihren Speicheldrüsen eine Art Betäubungsmittel ab. Wir bekommen den Biss also nicht mit. Ein Trost ist, dass bei den Zecken die Borreliose-Erreger im Magen der Zecke sitzen und diese beweglichen Bakterien erst durch mehrstündiges Saugen der Zecke in die Stichwunde wandern. Die Zecke rasch zu entfernen ist also schon mal die erste Schutzmaßnahme.

Wanderröte

Haben es die Borrelien aber erst einmal in die Wunde des Opfers geschafft, dann reagiert unser Immunsystem in der Regel mit einer Entzündungsreaktion. Auf der Haut ist dann um die Einstichstelle eine Rötung zu sehen. Da sich die Borrelien in der Haut kreisförmig ausbreiten, wandert auch die Entzündung mit. In der Regel sieht man einen roten Fleck, der immer größer wird und dabei in der Mitte schon wieder verblasst - die sogenannte Wanderröte. Dieses Symptom tritt fast immer auf, aber in unterschiedlichen Ausprägungen und kann leicht übersehen werden. Das muss nicht schlimm sein, denn oft werden die Borrelien von der körpereigenen Abwehr entdeckt und vernichtet. Die Borreliose heilt dann von selbst und unbemerkt aus. Gelingt es dem Immunsystem aber nicht, die Borrelien zu vernichten, können sie verschiedene Organe befallen und so massive Probleme verursachen.

Kopf, Herz und Gelenke

Erste Symptome können Fieber, Müdigkeit und Kopfschmerzen sein. Im zweiten Stadium, das wenige Monate nach dem Zeckenstich eintritt, verstärken sich die grippeähnlichen Symptome. Außerdem greifen die Borrelien das Nervensystem an. Es kommt beispielsweise zu einer Hirnhautentzündung oder Lähmungserscheinungen. Auch das Herz kann betroffen sein. In diesem Fall können Herzrhythmusstörungen auftreten. Phase Drei ist das schwerste Stadium der Borreliose-Infektion: Typisch dafür sind Entzündungen einzelner oder mehrerer Gelenke, häufig ist das Knie betroffen. Diese treten allerdings erst Monate oder sogar Jahre nach dem Stich auf.

Wie macht sich FSME bemerkbar?

Nur etwa 30 Prozent der mit der Frühsommer-Meningo-Enzephalitis Infizierten bemerken überhaupt Symptome. Die ersten Anzeichen einer FSME zeigen sich im Durchschnitt sieben Tage bis drei Wochen nach dem Zeckenbiss und halten etwa eine Woche an. Der Betroffene verspürt dabei grippeähnliche Beschwerden wie Fieber, Kopfschmerzen, Übelkeit, Bauchweh. Diese erste Phase der FSME dauert etwa 2 bis 4 Tage an. Bei über 90 Prozent der Erkrankungen ist damit auch schon alles überstanden.

Zentrales Nervensystem

Bei jedem zehnten Infizierten kommt es jedoch zu einer zweiten Erkrankungsphase und zwar gemeiner Weise nach einem zunächst beschwerdefreien Zeitraum von ein bis drei Wochen. Erst dann bemerkt der Infizierte, dass das FSME-Virus das zentrale Nervensystem befallen hat. Der Verlauf der Erkrankung hängt dann davon ab, welche Teile des Nervensystems infiziert werden. 50 Prozent der Infizierten bekommen eine reine Hirnhautentzündung. Diese äußert sich mit heftigen Kopfschmerzen, Lichtempfindlichkeit, Schwindel, Übelkeit und Nackensteife.

Hirn und Rückenmark

Bei jedem zweiten ist aber zusätzlich noch das Hirn von FSME betroffen. Dann kommen Lähmungen und Bewusstseinsstörungen dazu. Ganz gemein wird es, wenn zu Hirnhaut und Hirnentzündung auch noch das Rückenmarkgewebe angegriffen wird. Das führt dann zu Symptomen ähnlich wie bei einer schweren Kinderlähmung.

Wie behandelt man FSME und Borreliose? Wie erfolgversprechend sind die Therapien?

Wird eine Borreliose in einem späten Stadium entdeckt, wird auch sie mit Antibiotika-Infusionen behandelt.

Antibiotika-Infusion

Bei FSME gibt es keine spezifische Behandlung. Die Therapie ist darauf beschränkt, die Symptome zu lindern. Patienten sollten das Bett hüten. Bei Bedarf können sie - in Absprache mit dem Arzt - Schmerzmedikamente nehmen. In schweren Fällen und wenn die Atemmuskulatur betroffen ist, wird eine Behandlung auf der Intensivstation notwendig. Bei Lähmungserscheinungen kann eine frühzeitige Physiotherapie mit gezielten krankengymnastischen Übungen hilfreich sein. Die Prognose ist insgesamt günstig, insbesondere bei Kindern und Jugendlichen. Die meisten Infektionen heilen folgenlos aus. In höherem Lebensalter verläuft die Krankheit allerdings oft schwerer. Wer eine Infektion durchgemacht hat, ist immun gegenüber allen FSME-Typen. Er kann die Krankheit also kein zweites Mal bekommen.

Die zweite, häufig durch Zecken ausgelöste Krankheit - die Borreliose - wird mit Antibiotika behandelt. In der Regel werden die Borrelien durch Antibiotika-Gabe über zwei oder drei Wochen abgetötet. Wenn die Infektion nicht erkannt wird, weil ich das Symptom der Wanderröte nicht gesehen habe oder es nicht als Symptom erkannt habe - das kommt schon vor - können sich die Borrelien im Organismus ausbreiten. Plan A des Körpers lautet dann, die Borrelien zu entdecken und zu vernichten. Davon merkt man nichts, denn die Borreliose heilt von selbst aus.

Spätschäden und Restbeschwerden

Gelingt es meinem Immunsystem aber nicht, die Borrelien zu vernichten, dann können sie verschiedene Organe befallen und mir fiese Gesundheitsprobleme machen. Typisch sind zum Beispiel Gelenkbeschwerden, vor allem am Kniegelenk oder, wenn Nerven attackiert werden, Schmerzen und Lähmungen. Auch in der Haut können sich die Borrelien einnisten und zu jahrelangen Infektionen führen. Eine Borreliose im fortgeschrittenen Stadium zu erkennen, ist schwierig, da sich die Infizierten oft nicht an einen Zeckenstich erinnern. Auch im Labor lässt sich die Infektion schwer nachweisen. Doch kommt heraus, dass es sich um eine Borreliose im Spätstadium handelt, wird die in der Regel auch mit Antibiotika behandelt. Wenn die Borrelien jedoch schon größere Schäden angerichtet haben, können Restbeschwerden bleiben - auch nach einer erfolgreichen Antibiotika-Therapie, bei der alle Borrelien vernichtet wurden.