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Wunderschöner Herbst

Buntes Laub und die Erde dreht sich schneller

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Das erklärt auch, warum der Indian Summer an der amerikanischen Ostküste so intensiv ist: kalte Nächte und viel Sonne schon am Morgen - da brauchen die Pflanzen starken Sonnenschutz. Die Blätter werden nämlich nach wie vor gebraucht. Denn mit dem Rest-Chlorophyll kann der Baum weiter Energie für den Winter speichern. Es gibt auch Hinweise darauf, dass intensive Färbung einhergeht mit starken Abwehrstoffen der Pflanze gegen Insekten und dass deshalb sogar die Insekten blasse Bäume eher angreifen als bunte.

Das erklärt auch, warum der Indian Summer an der amerikanischen Ostküste so intensiv ist: kalte Nächte und viel Sonne schon am Morgen - da brauchen die Pflanzen starken Sonnenschutz. Die Blätter werden nämlich nach wie vor gebraucht. Denn mit dem Rest-Chlorophyll kann der Baum weiter Energie für den Winter speichern. Es gibt auch Hinweise darauf, dass intensive Färbung einhergeht mit starken Abwehrstoffen der Pflanze gegen Insekten und dass deshalb sogar die Insekten blasse Bäume eher angreifen als bunte.

Dass am Ende dann aber alle Blätter braun werden, ist eine andere Sache. Das ist die Farbe der Gerbstoffe, die entstehen, wenn die rote Farbe vergeht. Das ist der gleiche Vorgang, der Apfelschnitze braun werden lässt.

Der Blätter-Teppich im Garten ist nicht die große Düngergabe, von der viele Hobbygärtner ausgehen. Der Baum gibt nämlich nicht gerne Nährstoffe her und hat das meiste im Herbst zurückverlagert ins Holz - bevor er die Blätter fallen lässt. Aber trotzdem steckt noch etwas drin: Calcium und Eisen zum Beispiel.
Laub liegen lassen, ist aber sowieso und noch aus ganz anderen Gründen eine gute Idee. Die zerfallenden Blätter sind nämlich Nahrung für viele Mikroorganismen und die Regenwürmer. Der Humusgehalt des Bodens verbessert sich deutlich. Außerdem schützt die Laubdecke empfindliche Pflanzen im Winter vor Austrocknung und Frost und unterdrückt Unkraut. Rasen und mediterrane Stauden wie Thymian und Salbei allerdings sollte man freirechen. Denn die vertragen keine Abdeckung.

Aber auch die kleinen Laubhaufen, die beim Laubrechen im Garten entstehen, sind wichtige Biotope: Igel. Frösche, Kröten und Lurche lieben so etwas als Winterlager.
Erlen, Eschen und Ulmen – da sieht man schon nach kurzer Zeit nicht mehr viel vom Laub – nach einem Jahr ist es völlig zersetzt. Das ist nicht bei allen Bäumen so. Bei Eiche, Buchen, aber auch bei Pappeln und Platanen kann das schon drei Jahre dauern bis alles weg ist. Das liegt am ziemlich hohen Gerbstoffgehalt. Im Garten kann man diese Blätter mit etwas Kalk oder Steinmehl versetzen, dann geht es schneller.

Achtung auch bei kranken Blättern: Mehltau, Rost, Sternrußtau an Rosen etwa - da sollten die Blätter nicht liegen bleiben und auch nicht auf den Kompost geworfen werden. Das könnte im nächsten Frühjahr den Neuaustrieb krank machen. Kastanienlaub sollte genau so entfernt werden. Denn da hausen die Kastanienminiermotten drin. Solche Schädlinge und Krankheit sind übrigens auch oft der Grund, warum die Blätter schon früh fallen. Ein anderer: Trockenstress.

Deutschland hat geschätzt etwa neun Milliarden große Bäume. Gut 40 Prozent davon sind Laubbäume. Rechnet man das um, kommt man auf rund 14 bis 18 Millionen Tonnen gefallenes Laub im Jahr. Das ist so viel wie die Deutschen etwa an Lebensmitteln im Jahr wegwerfen. Das Volumen kann man nur schätzen. Das hängt ja auch davon ab, wie stark man es zusammenpresst. Es dürfte so etwa bei 300, 350 Millionen Kubikmetern liegen. Das sind so etwa ein Dutzend Cheops-Pyramiden nebeneinander.

Das meiste Laub liegt im Wald, und da gehört es auch hin. Aber in den Städten ist mehr drin als mit dem Laubbläser zusammenfegen und in die Kompostanlage bringen: Die ökologisch sinnvollste Verwertung ist es, das Laub in Kraftwerken mit zu verbrennen. Alleine in Berlin würde das den Klimagas-Ausstoß von 2.000 Einwohnern wett machen.

Wir reden vom Winter bei uns. Denn natürlich ist das alles auf der Südhalbkugel anders herum mit den Jahreszeiten - der Effekt ist entgegengesetzt. Aber in Südamerika, Afrika und Australien gibt es weniger Waldfläche und wenn, dann sind das überwiegend Tropenwälder, die ihr Laub über das ganze Jahr hindurch austauschen. Unterm Strich ist die Laubmasse, die dort in deren Frühling zuwächst viel kleiner als die, die in Kanada, den USA, in Europa und den riesigen russischen Wäldern in unserem Herbst zur selben Zeit gerade abfällt.

Im Herbst, wenn das Laub fällt, dann geht es der Erde wie der Eiskunstläuferin bei der Pirouette. Wenn sie die ausgestreckten Arme zum Körper hin zieht, dann rotiert sie immer schneller. Das nennt der Physiker Drehimpulserhaltung. Wenn das Laub nicht mehr an den Bäumen hängt, sondern auf dem Boden liegt, dann ist es näher an der Erdachse. Der Effekt ist natürlich nicht spürbar, aber durchaus messbar: im Winter dreht sich die Erde knapp eine tausendstel Sekunde schneller als im Sommer.