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Ausbildung, Sprachkenntnisse, Bleiberecht und Rückführung: Das sind nur ein paar Schlagworte, die seit 2015 praktisch tagtäglich in den Nachrichten zu hören sind. Seitdem 2015 rund 890.000 Menschen nach Deutschland eingereist sind, steht die Frage ihrer Integration ganz oben auf der politischen Tagesordnung.

Diese Frage hat in den Folgejahren nicht zuletzt zur großen politischen Polarisierung in Deutschland beigetragen – und muss dennoch gelöst werden. Ein Rückblick auf das Jahr 2015 – mit acht Geschichten von Menschen, die damals nach Deutschland kamen.

2015 - Höhepunkt vieler Fluchtbewegungen nach Europa

Schon in den Jahren vor 2015 hatte sich die Situation auf den Fluchtrouten nach Europa zugespitzt. Eine Entspannung schien bereits Anfang 2015 ausgeschlossen: Im April 2015 gab es gleich drei schwere Bootsunglücke vor der libyschen Küste innerhalb einer Woche. Mehr als 700 Menschen ertranken, mehrere hundert gelten heute noch als vermisst.

Die "Balkanroute" als Tor zu Mitteleuropa

Im Sommer 2015 verlagerte sich das Fluchtgeschehen zunehmend auf die so genannte Balkanroute. Diese war schon in den Jahren zuvor von Geflüchteten genutzt worden, um nach Mitteleuropa zu gelangen. Doch im Sommer 2015 wurden die Zustände in den Flüchtlingslagern im Libanon und in der Türkei immer dramatischer und hunderttausende Menschen machten sich auf den Weg über die griechischen Inseln, das griechische Festland und den Balkan.

Chaos, Unglück und Endstation Budapest

Weitere dramatische Nachrichten blieben nicht aus: Am 26. August 2015 erstickten 71 Flüchtlinge in einem Kühllaster auf der österreichischen Autobahn. Nur eine Woche später, am 2. September 2015, ging das Bild des ertrunkenen syrischen Jungen Alan Kurdi an der türkischen Mittelmeerküste um die Welt. Gleichzeitig saßen mehrere tausend Flüchtlinge am Bahnhof in der ungarischen Hauptstadt fest. Ungarn wollte sie nicht weiterreisen lassen.

Wir haben so vieles geschafft – wir schaffen das

In dieser angespannten Situation sagt Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) am 31. August den berühmten Satz:

»Ich sage ganz einfach: Deutschland ist ein starkes Land und das Motiv, mit dem wir an diese Dinge herangehen, muss sein: Wir haben so vieles geschafft, wir schaffen das! Wir schaffen das und wo uns etwas im Wege steht, muss es überwunden werden, muss daran gearbeitet werden und der Bund wird alles in seiner Macht stehende tun, zusammen mit den Ländern, zusammen mit den Kommunen, genau das durchzusetzen.«

Angela Merkel

Der viel zitierte Satz gewann allerdings erst im Nachhinein große Aufmerksamkeit. In der Pressekonferenz, in der Merkel ihn äußerte, gab es keinerlei Nachfragen dazu.

Entscheidung mit großen Folgen

Anfang September machten sich mehrere tausend Flüchtlinge von Budapest zu Fuß auf den Weg Richtung österreichischer Grenze. Ungarn lässt sie gewähren. In der Nacht vom 4. auf den 5. September entscheidet Angela Merkel zusammen mit ihrem damaligen österreichischen Amtskollegen Werner Faymann, Flüchtlinge aus Ungarn nach Deutschland einreisen zu lassen. Mehrere tausend Menschen können mit dem Zug nach Deutschland einreisen. In München und an vielen anderen Bahnhöfen finden sich hunderte Freiwillige ein, die spontan helfen wollen: Sie geben Essenspakete und Kleidung aus und unterstützen die Ankommenden, sich im ersten Chaos zurechtzufinden. Um die chaotischen Zustände einzugrenzen, entscheidet das Bundesinnenministerium am 13.September, wieder Kontrollen an den deutschen Grenzen zu Österreich einzuführen.

Jede Menge Herausforderungen

Merkels Entscheidung hat weitreichende Konsequenzen: Nicht nur die Kommunen stoßen mit der großen Zahl an Menschen, die sie unterbringen müssen, an ihre Grenzen. Auch das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge, das für die Bearbeitung der Asylanträge zuständig ist, ist mit der Flut an Anträgen völlig überfordert. Die Organisation von Sprach- und Integrationskursen in diesem Umfang ist für alle beteiligten Stellen eine riesige logistische Herausforderung - und das nicht nur im Jahr 2015, sondern auch in den Folgejahren.

Europäisches Asylsystem gefordert

Über die Bewertung und die Konsequenzen der Ereignisse vom September 2015 wird noch heute heftig diskutiert. Zahlreiche Schwierigkeiten sind immer noch nicht gelöst: Auf EU-Ebene wird nach wie vor über ein neues Asylsystem gestritten, während in Deutschland gerade in den Ballungsräumen der Wohnraum knapp und teuer ist, so dass es für Geflüchtete besonders schwer ist, eine bezahlbare Wohnung zu finden. Im Kleinen sind aber viele Menschen nach wie vor ehrenamtlich aktiv, um Geflüchteten beim Neustart in Deutschland zu helfen.

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