Martin Rupps (Foto: SWR, SWR/Kristina Schäfer)

Wohnmobil-Boom in Deutschland. Ein Kommentar

Wohnmobile – die neue Fliegenplage

STAND
AUTOR/IN

Wohnwagen und Wohnmobil stehen für die luxuriöseste Form des Reisens, meint Martin Rupps. Wer damit unterwegs ist, soll für die Belegung von öffentlichem Raum zahlen.

Wohnmobile sind die neue Fliegenplage. Vergangenes Jahr wurden in Deutschland fast 80.000 Exemplare neu zugelassen. Der Boom setzt sich 2021 fort, wie ein regionaler Blick auf die Stadt Trier und den Landkreis Trier-Saarburg zeigt. Dort gibt es heute doppelt so viele Schrebergartenhäuschen auf Rädern als vor fünf Jahren. Wer dort – aber nicht nur dort – ein Wohnmobil mieten will, muss früh buchen. Vermieter erhalten ein Vielfaches der Anfragen, die sie bedienen können.

Ein Bild von der Stuttgarter Messe CMT vom Januar 2020. Wohnwagen und Wohnmobile erleben in Deutschland einen Verkaufsboom. (Foto: dpa Bildfunk, picture-alliance/dpa)
Ein Bild von der Stuttgarter Messe CMT vom Januar 2020. Wohnwagen und Wohnmobile erleben in Deutschland einen Verkaufsboom. picture-alliance/dpa

Der Trend zum mobilen Reisen wird die Pandemie überstehen, glaube ich. Immer mehr Rentnerinnen und Rentner in Deutschland sind jung, vermögend und fit. Mobil eben. Und gern im eigenen Hotel unterwegs. Was ihnen vielleicht nicht bewusst ist: Sie pflegen die luxuriöseste Form des Reisens. Ein Zimmer mit Bad im Berliner Hotel Adlon mag größer und komfortabler sein, aber es gehört dem Gast nicht.

Wer einen Wohnwagen oder ein Wohnmobil touristisch nutzt, schafft sich ein zweites Zuhause. Das braucht Platz. In vielen Fällen öffentlichen Platz. Weshalb, schließt daran meine Frage an, darf jemand dieses zweite Zuhause gratis im Verkehrsraum abstellen, wo er doch für sein erstes ein Grundstück mietet oder kauft? Öffentliche Flächen in Trier oder Stuttgart sind knapp. Vor diesem Hintergrund finde ich es zum Beispiel richtig, dass Anwohnerparken in großen Städten künftig 350 statt 35 Euro im Jahr kostet. Ich meine, Wohnmobil-Besitzer sollten mindestens 1000 Euro bezahlen. Auch wenn sie keinen Parkausweis brauchen. Wer mindestens 25.000 Euro für einen Wohnwagen bzw. 35.000 Euro für ein Wohnmobil hinblättern kann, wird darüber nicht arm.

Ich möchte hier keine Moral- oder Öko-Keule schwingen. Aber doch darauf hinweisen, dass Wohnwagen und Wohnmobil ein Luxus auf Kosten der Gemeinschaft sind. Es braucht ein neues Bewusstsein für öffentliche Güter, die einmal im Übermaß vorhanden und deshalb billig waren, aber heute nicht mehr. Für den öffentlichen Raum gilt dies ganz besonders.

Trier

Urlaub auf vier Rädern in Corona-Zeiten Wohnmobil-Boom in der Region Trier

Reisen im Wohnmobil ist in Corna-Zeiten beliebter denn je. In der Region Trier ist die Nachfrage nach Wohnmobilen extrem hoch.  mehr...

Mehr Meinungen im SWR

Wählen für Nichtwähler. Ein Kommentar Anfang mit neuem Zauber

Es gibt noch einige Unentschlossene und viele Menschen, die gar nicht wählen wollen. Dabei geht es am Sonntag um einen politischen Neuanfang und wohnt nicht "jedem Anfang ein Zauber inne", fragt sich Kirsten Tromnau.  mehr...

Junge Menschen braucht das Land. Ein Kommentar Der Bundestag muss jünger werden

Von 709 Bundestagsabgeordneten sind gerade mal 20 unter 30 Jahre alt. Das sind zu viele alte Politiker, meint Kirsten Tromnau und hofft auf die Bundestagswahl.  mehr...

Klimaneutralität bis 2040. Ein Kommentar Eigenlob verpestet das Klima

Das Großprojekt zum Klimaschutz der baden-württembergischen Landesregierung sei zu klein gedacht, warnen Klimaexperten. Aber vor allem das Eigenlob der Politiker riecht unangenehm, meint Kirsten Tromnau.  mehr...

STAND
AUTOR/IN