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Egal ob Staubsauger, Smartphone oder Gitarrenverstärker - nicht nur gefühlt hat sich der Verschleiß von Geräten in den letzten Jahren beschleunigt. Gleichzeitig wird es immer schwieriger, die Geräte zu reparieren, da diese kompakter und komplizierter werden und sich die Reparatur auch wirtschaftlich kaum mehr lohnt. Dem wollen sogenannte "Repaircafés" mit ihrem Angebot etwas entgegensetzen.

Ein Tag im Repaircafé

Repaircafe in Stuttgart West (Foto: SWR, Simon Rees)
"Lieber gemeinsam reparieren, als alleine wegschmeißen!" steht auf dem Schild im Eingang zum Repaircafé in Stuttgart West. Gemeinsames Basteln ist der Grundgedanke des Projekts. Simon Rees Bild in Detailansicht öffnen
Um kurz vor 10:00 Uhr treffen sich die ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer zur Vorbesprechung... Simon Rees Bild in Detailansicht öffnen
... das Werkzeug ist zu dieser Zeit schon vorbereitet. Simon Rees Bild in Detailansicht öffnen
Kaum sind die Türen offen, kommen schon die ersten Gäste. Egal ob Radiogerät, ... Simon Rees Bild in Detailansicht öffnen
... Kinderwagenräder, ... Simon Rees Bild in Detailansicht öffnen
... Kleider, ... Simon Rees Bild in Detailansicht öffnen
... oder Gitarrenverstärker. Mitmachen und Gemeinsamkeit stehen beim Reparieren im Mittelpunkt. Simon Rees Bild in Detailansicht öffnen
Verpflegt werden die Gäste und Helfer am üppigen Buffet. Ganz im Sinne der Nachhaltigkeit kommen die Speisen vom Food-Sharing. Simon Rees Bild in Detailansicht öffnen
Wenn die Reparatur am Ende doch nicht klappt, geben die Helfer Beratung zu alternativen Lösungen. Simon Rees Bild in Detailansicht öffnen
Im besten Fall gehen die Leute jedoch mit einem funktionstüchtigen Gerät und einem Lächeln im Gesicht nach Hause. Simon Rees Bild in Detailansicht öffnen

Es herrscht Hochbetrieb im Repaircafé. Zweimal im Monat mieten die Veranstalter die Räumlichkeiten im Eltern-Kind-Zentrum im Stuttgarter Westen.

Die Leute kommen mit kaputten Staubsaugern oder Kinderwägen, brummenden Radios, defekten Laptops oder zerrissenen Kleidungsstücken. Nach der Anmeldung werden sie einem ehrenamtlichen Reparateur zugeteilt, der sich auf dem jeweiligen Gebiet auskennt.

Die Junge Mutter Santina hat Probleme mit den Rädern ihres Kinderwagens. Das ist für sie jedoch kein Grund den gleich wegzuwerfen:

Bevor ich mir einen neuen Kinderwagen kaufe, versuche ich, die Räder reparieren zu lassen. Ich hoffe, dass mir hier jemand helfen kann, damit der Kinderwagen auch noch seine Dienste für das nächste Kind tut.

Santina (Gast im Repaircafé)
Frau und Mann beraten im Repaircafé über Kinderwagenräder.  (Foto: SWR, Simon Rees)
Santina erklärt Helfer Wolfgang das Problem mit ihrem Kinderwagen. Simon Rees

Die Helfer Wolfgang und Moussa nehmen sich dem Problem an. Wolfgang ist 68 Jahre alt und war Lehrer. Seit fünf Jahren arbeitet er ehrenamtlich in Repaircafés. Ihn motivieren sowohl der Nachhaltigkeitsgedanke als auch das gemeinsame Arbeiten an einer Lösung:

Ich möchte auf jeden Fall, dass die Sachen nicht weggeschmissen, sondern weiterverwendet werden. Und es ist schön, mit den Leuten zusammen zu reparieren und zu schauen, ob wir es schaffen, ob wir auch das technische Problem lösen können. Wenn die Leute sagen, "wow, wir haben’s versucht", oder es hat sogar funktioniert, dann freuen sich alle und ich freue mich auch.

Wolfgang (ehrenamtlicher Helfer)

Gemeinsam tüfteln, Dinge wieder zum Laufen bringen und dabei die Umwelt schonen. Das ist ein Grundgedanke des Repaircafés, erklärt Dominik Blacha. Er ist im Vorstand des Vereins und kennt das Erfolgsgefühl, wenn Dinge wieder funktionieren aus eigener Erfahrung:

Wenn man ein Gerät oder ein Kleidungsstück ein paar Jahre länger verwenden kann, tut man schon was für die Umwelt, man schont Ressourcen. Vor allem bei Elektrogeräten ist es ja so, dass da viele seltene Erden verbaut werden. In jedem Handy steckt 0,1mg Gold drin und das ist ja wirklicher Wertstoff und je länger der sozusagen verwendet wird, desto besser

Dominik (Gründer des Repaircafés Stuttgart West)

Damit alle Tüftler auch mal Pause machen und ins Gespräch kommen können, gibt es Kaffee und Tee. Belegte Brötchen und Gebäck werden über Foodsharing organisiert.

Jutta repariert zwar nicht selbst, möchte aber die Sache unterstützen. Sie hilft daher wo sie kann. Heute wechselt sie zwischen Empfang und Tresen. Für sie hat das Reparieren auch eine politische Dimension:

Wegwerfen war gestern. Deswegen finde ich total wichtig und gut, dass wir wieder reparieren lernen. Und das hat ja eigentlich eine sehr große politische Sprengkraft, wenn man das mal weiter denkt. Wenn 50 Prozent der Konsumenten nicht mehr neu kaufen, sondern reparieren, dann guckt die Industrie ganz schön dumm aus der Wäsche. Wir als Konsumenten haben eigentlich viel Macht, wenn wir sie nur nutzen.

Jutta (ehrenamtliche Helferin)

Ins Repair-Café kommen alte und junge Menschen. Manche können sich nichts Neues leisten, andere möchten sich nicht von Dingen trennen, die ihnen lieb und wichtig sind.

Kinderwagenbesitzerin Santina muss sich noch gedulden, bis die Räder repariert sind. Es werden noch Ersatzteile benötigt, die im Café nicht vorrätig sind. Anders sieht es bei Hobbygitarrist Uwe aus. Er war heute einer der Ersten bei der Anmeldung, sein defekter Gitarrenverstärker ist gegen Mittag wieder funktionsfähig:

Das funktioniert jetzt wieder. Und ich krieg‘ das Grinsen nicht aus dem Gesicht. Ja, das ist wirklich ein Erfolg.

Uwe (Gast im Repaircafé)

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