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Beim Wirtschaftsgipfel trifft Minister Altmaier auf Vertreter der Wirtschaftsverbände. Beide Seiten verbindet, dass sie sich in der Corona-Krise nicht mit Ruhm bekleckert haben, meint Stefan Giese.

Keine Frage, es gibt viel zu besprechen heute beim sogenannten Wirtschaftsgipfel zwischen Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) und den Wirtschaftsverbänden. Zurecht weisen die Verbände daraufhin, dass vielen Betrieben etwa im Handel, der Gastronomie, im Tourismus oder der Veranstaltungsbranche die Pleite droht. Recht haben sie auch mit ihrer Klage, dass die staatlichen Hilfsprogramme für Corona-gebeutelte Unternehmen zu behäbig, zu bürokratisch und zu lückenhaft sind. Hier hat sich die Politik wahrlich nicht mit Ruhm bekleckert.

Nicht erfolgreich, aber damit nicht allein: Peter Altmaier (Foto: picture-alliance / Reportdienste, picture alliance/dpa/Reuters-Pool)
Nicht erfolgreich, aber damit nicht allein: Peter Altmaier picture alliance/dpa/Reuters-Pool

Wahr ist aber auch, dass andere Teile der Wirtschaft bei der Bekämpfung der Epidemie eher Teil des Problems als der Lösung sind. Erst wehren sich ihre Verbände erfolgreich gegen strenge Regeln zum Homeoffice. Damit setzen sie wissentlich selbst die Beschäftigten dem Risiko einer Corona-Infektion am Arbeitsplatz aus, die von zu Hause arbeiten könnten.

Dann sträuben sich die gleichen Verbände dagegen, dass eben jene Beschäftigte am Arbeitsplatz auf eine Corona-Infektion getestet werden müssen – und setzen diese damit erneut wissentlich einem Risiko aus. Wie "gut" das Prinzip Freiwilligkeit beim Testen im Betrieb funktioniert, lässt sich in der Pfalz beobachten: Ganze 15 Prozent der Unternehmen dort bieten ihren Mitarbeitenden Corona-Tests an.

Video: Daimlers umstrittene Erhöhung der Dividenden

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Und dann gibt es noch jene Teile der Wirtschaft, denen das Kunststück gelingt, weitgehend ungeschoren durch die Krise zu kommen und gleichzeitig in den Genuss der Krisen-Hilfe zu gelangen. Da ist etwa der bekannte Stuttgarter Autobauer mit dem Stern, der einen Teil seiner Personalkosten als Kurzarbeitergeld an die Solidargemeinschaft auslagert, um dann die Firmeninhaber mit reichlich Gewinnbeteiligung zu beglücken.

Minister Altmaier ist heute beim Gipfel ganz sicher nicht der einzige, der sich bisher nicht mit Ruhm bekleckert hat. 

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