Ein Kran verlädt Container im Handelshafen des Rhein-Neckar-Hafens. (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance)

Konsequenzen aus den Sanktionen

So trifft der Ukraine-Krieg die Wirtschaft im Südwesten

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Jutta Kaiser
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Andreas Reinhardt
Bild von Wirtschaftsredakteur Andreas Reinhardt (Foto: SWR)

Die Sanktionen der EU gegen Russland betreffen auch die Unternehmen in Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg. Mehr oder weniger heftig, wie diese Beispiele zeigen.

Ausschluss aus dem SWIFT-System

Mehrere russische Banken wurden aus dem Zahlungssystem SWIFT ausgeschlossen. Ein Beispiel für die Auswirkungen lässt sich an der Firma Mapeko Feuer aus Neuwied sehen. Das Unternehmen stellt Anlagen her, mit denen Stahlwerke und Gießereien befeuert werden. Solche Anlagen sind richtig teuer, und dafür fließt mehrfach Geld. Zum Beispiel Vorschüsse für Material. Das sind hunderttausende Euro, die bisher über das SWIFT-System verschickt wurden. Das war mit Garantien für beide Seiten abgesichert. Aber diese sichere Vermittlungsplattform können die Geschäftspartner in Zukunft nicht mehr nutzen. Und damit dürfte das Geschäft mit Russland komplett wegfallen. Bei Mapeko Feuer macht das ein Drittel des Gesamtgeschäfts aus.

Und auch andere Firmen wird es treffen, wenn quasi keine Überweisungen von und zu bisherigen Geschäftspartnern möglich sind. Ausgenommen davon sind nur wenige Bereiche, wie zum Beispiel der Handel mit Medizinprodukten.

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Lieferketten für Waren und Rohstoffe gestört

Speditionen und Subunternehmern fehlen in erster Linie Lkw-Fahrer aus der Ukraine, weil sie für ihr Land kämpfen. Abgesehen davon finden auch kaum noch Transporte in die Ukraine und nach Russland statt, weil das extrem gefährlich ist. Das Familienunternehmen G. Krahmer aus dem Westerwald spricht von Problemen, seine Kunststofffäden für Medizinprodukte in die betroffenen Regionen zu bringen. Ob es gelingen wird und dann Geld fließt, sei unklar. Und Fissler aus Idar-Oberstein, Hersteller von Töpfen und Pfannen, schildert Bedenken, was den Nachschub an Metallen in ganz Europa angeht.

Der Gartengerätehersteller Stihl aus Waiblingen hat zum Beispiel große Probleme, an Kabelbäume und Gummiteile zu kommen. Das war schon vor Kriegsausbruch schwierig und das hat sich nochmal verschärft. Nach Angaben einer Sprecherin könnte es sein, dass die Montage unterbrochen werden muss. Dazu führt die Geschäftsleitung schon Gespräche mit dem Betriebsrat.

Auch Schott Mainz ist betroffen, in seinem Werk 400 Kilometer südöstlich von Moskau. Das Unternehmen muss Glasrohre aus Deutschland dorthin bringen, aus denen dann unter anderem Fläschchen für Corona-Impfstoffe hergestellt werden. Schott hat nach eigenen Angaben noch einen Vorrat, aber der hält nicht ewig.

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Firmen ohne Auswirkungen für den Geschäftsbetrieb

Der Schraubenhersteller Würth aus Künzelsau teilte auf SWR-Anfrage mit, der Konzern selbst spüre keine Auswirkungen des Krieges. Allerdings ist unklar, ob vielleicht Zulieferer betroffen sein könnten und damit indirekt auch irgendwann Würth.

Auch das Schweißtechnik-Unternehmen EWM aus Mündersbach im Norden von Rheinland-Pfalz spürt bislang keine Auswirkungen. Eine Sprecherin teilte dem SWR mit, das Unternehmen beziehe momentan keine Rohstoffe oder Produkte aus Russland und der Ukraine. Und die Lager seien schon während der Coronakrise aufgefüllt worden.

Viele Unternehmen dürften unsicher sein, denn am Ende hängt alles mit allem zusammen in der globalisierten Welt. Was alle betrifft, sind die Energiepreise: Sie werden als Folge des Krieges wohl weiter steigen.

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