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Ab dem 20. April dürfen bestimmte Geschäfte wieder öffnen. Wirtschaftsvertreter im Südwesten blicken mit gemischten Gefühlen auf die Entscheidung der Bund-Länder-Beratung.

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Endlich ist klar, wie es im Südwesten weitergeht. Nach langen Verhandlungen um die Lockerungen der Maßnahmen in der Corona-Krise haben sich Bundesregierung und Ministerpräsidenten auf die Lockerung verschiedener Maßnahmen geeinigt.

Die Kontaktbeschränkungen im Kampf gegen das Coronavirus sollen zwar noch bis zum 3. Mai verlängert werden. Aber bis dahin dürfen schon einige Geschäfte wieder öffnen:

  • kleinere Geschäfte bis zu einer Verkaufsfläche von bis zu 800 Quadratmetern
  • Autohändler, Fahrradhändler, Buchhandlungen

Voraussetzung für alle: Strenge Konzepte zur Einhaltung von Hygienevorschriften. Also: Desinfektion, Abstand und Einschränkungen, wie viele Kunden in den Laden dürfen.

Schritt zur Normalität - aber alle Geschäfte hätten gerne wieder geöffnet

Sabine Hagmann vom Handelsverband Baden-Württemberg freut sich einerseits darüber, dass einige Geschäfte wieder aufmachen dürfen. Aber sie hätte sich auch sehr gewünscht, dass alle Geschäfte, die in der Lage gewesen wären, die Hygienevorschriften umzusetzen, jetzt wieder öffnen dürfen. Schließlich ginge es dabei um die Existenz vieler Händler und auch um eine Wettbewerbsverzerrung.

Ebenso sieht es auch Arne Rössel, Sprecher der vier rheinland-pfälzischen Industrie- und Handelskammern. Er vermisst eine Perspektive für die Geschäfte, die noch nicht wieder öffnen dürfen. Thomas Scherer vom Handelsverband Rheinland-Pfalz schätzt, dass 70 Prozent aller Unternehmen, die jetzt noch in Rheinland-Pfalz geschlossen haben - dank der 800 Quadratmeter-Regel - öffnen könnten.

Strenge Hygienemaßnahmen bleiben - Einzelhandel trotzdem zufrieden

Drei Wochen waren die meisten Geschäfte in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz geschlossen. Dass sie nun unter strengen Bedingungen wieder öffnen können, ist für viele Einzelhändler eine Erleichterung. Zwar müssen wohl viele Ladeninhaber in Hygienemaßnahmen investieren - doch das ist für die Unternehmer besser als die komplette Schließung, also keinerlei Einnahmen.

Buchhändlerin Helke Stadelmaier aus Stuttgart-Vaihingen sieht der schrittweisen Öffnung unter strengen Auflagen positiv entgegen. Sie plant, den Laden so umzugestalten, dass alle Hygienevorschriften eingehalten werden können und gleichzeitig eine Beratung möglich ist.

Auch wenn die Stimmung nach den beschlossenen Lockerungen bei vielen gut ist, werden sich die Wochen, in denen die Läden komplett geschlossen waren, sicher trotzdem langfristig auswirken.

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Friseure bleiben geschlossen - und haben Existenzangst

Anders als Geschäfte bleiben Friseure mindestens bis zum 4. Mai geschlossen. Bis dahin sollen die Friseurläden Konzepte erarbeiten, wie auch bei ihnen die strengen Hygieneauflagen eingehalten werden können. Noch mindestens zwei Wochen keine Einnahmen, dadurch stehen die Friseure in Baden-Württemberg zunehmend unter wirtschaftlichem Druck.

Von Sorgen, aber auch persönlicher Trauer nach dieser Entscheidung erzählt Friseurin Stefanie Müller aus Waldenbuch.

Gastronomie leidet extrem unter den Schließungen

Beschlossen haben Bund und Länder auch, dass Restaurants, Cafés und Kneipen weiter geschlossen bleiben, um die Ansteckungsgefahr zu minimieren. Für die Gastronomie in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz ist die Situation schon dramatisch. Viele Gastronomen haben kaum Rücklagen und können die laufenden Kosten ohne regelmäßige Einnahmen kaum stemmen. Dass bis mindestens Ende August weiter keine größeren Veranstaltungen geben darf, verschärft die Krise für die Gastronomie. Denn auch Bewirtung und Catering von Events, Tagungen oder Messen fallen damit weg.

Der Hotel- und Gaststättenverband Dehoga fordert deshalb ein Rettungspaket für die Branche. Die Beschlüsse entbehrten jeglicher Perspektive, die die Branche dringend benötige, sagte der Vorsitzende des Verbandes in Baden-Württemberg: "Unsere Branche bringt hier das größte Opfer seit fast sieben Wochen und ist quasi komplett auf Null zurückgefahren."

Autohäuser drängen auf Öffnung der Zulassungsstellen

Auch wenn die Autohäuser nun wieder aufmachen dürfen, drängt der größte deutsche Autohändler auf die Wiederinbetriebnahme aller Kfz-Zulassungsstellen. "Die Zulassung ist ein Riesenproblem", sagte Roman Still, Chef der AVAG-Holding. Viele Zulassungsstellen seien dünn besetzt oder ganz geschlossen, nur selten laufe es reibungslos. Außerdem muss nach Ansicht der Autohändler rasch geklärt werden, ob er Kaufprämien geben soll, um den Absatz wieder anzukurbeln, denn die Unsicherheit durch die Pandemie sowie Einkommensverluste durch Kurzarbeit dürften die Kauflust bremsen.

Am 30. April wollen die Länderchefinnen und -chefs und Bundeskanzlerin Angela Merkel über weitere Lockerungen beraten.

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