STAND
AUTOR/IN

Zum Diebesgut der Gegenwart gehören Auto-Katalysatoren, Obstbäume, Trauben und Weinblätter. Da helfen nur noch Bewegungsmelder und Überwachungskameras, meint Martin Rupps.

Mein Vater hat in den Siebzigern Aschenbecher geklaut, obwohl er nicht rauchte. Zuhause stellte er sie in eine Art Trophäenschrank - Gäste sollten sehen, in welch "gute" Restaurants er es schafft. Andere Motive für dauerhaftes Ausborgen finde ich weniger nobel: Leute flexen, wie SWR1 am Donnerstag berichtet, Katalysatoren von Autos ab, weil darin Edelmetalle wie Platin und Palladium verbaut sind. Oder Katalysatoren dieses Typs gerade gebraucht werden. Im Raum Mannheim verschwanden eine Zeit lang Lenkräder aus Luxusautos der teuren Navi-Technik wegen.

Ein Mann schneidet mit einer Flex einen Auspuff auf. Funken sprühen.  (Foto: dpa Bildfunk, Felix Kästle)
Felix Kästle

Das liebste Diebesgut schenkt noch immer die Natur. Eine Freundin erzählte mir kürzlich, Unbekannte hätten das Brennholz aus dem Garten ihrer Eltern geklaut. Mundraub im großen Stil trifft gern Trauben, Weinblätter und Erdbeeren. Völlig unverständlich ist mir, dass Menschen im November frische Schnittblumen von Gräbern nehmen. Wie tickt jemand, der einen gestohlenen Strauß auf seinen Wohnzimmertisch stellt?

Keinen Reim konnten sich Gartenbesitzer darauf machen, dass eines Morgens ein fremder Baum auf ihrem Grundstück stand. Diebe hatten 30 Bäume im Zollernalbkreis zwischen Dautmergen und Schömberg (Zollernalbkreis) ausgebuddelt und andernorts gepflanzt.

Der Mensch ist, wie er ist, und will es auch nicht anders. Gegen seine Diebeslust helfen nur Bewegungsmelder und Überwachungskameras. Datenschützer schreien bei dieser Vorstellung auf, aber auch hier gilt: Es kommt drauf an, was man draus macht. Filmchen von diebischen Vätern verkürzen die Fahndung ungemein – und die "guten" Restaurants bekommen endlich ihre Aschenbecher zurück.

Besitzer älterer Autos Achtung, Katalysatorklau

Katalysatoren machen die Abgase unserer Autos sauberer - und sind in letzter Zeit ein begehrtes Objekt für Diebe. Warum das so ist, hat uns Herbert Fuss vom ADAC erzählt.  mehr...

Mehr Meinungen im SWR

Zwei Minuten: Unsere Kolumne zum Wochenende Thomas Bach - armer Herr der Ringe

"Dabei sein ist alles" - bei den Olympischen Spielen in Tokio ist das schwierig, denn Zuschauer sind nicht zugelassen. Dass IOC-Präsident Thomas Bach an den Spielen trotz aller Widrigkeiten festgehalten hat, war vielleicht keine so gute Idee, meint Pascal Fournier in seiner Kolumne.  mehr...

Alles Hab und Gut verloren. Ein Kommentar Weiterleben ohne Omas Puppe

Es sind die kleinen Dinge, die ein Zuhause erst zum eigenen machen, meint Martin Rupps. Sie gingen für die Flutopfer in Schuld und anderswo für immer verloren.  mehr...

Katastrophen-Warnsystem. Ein Kommentar Da ging was schief, Herr Minister!

Warnungen vor dem Hochwasser gab es früh, aber sie erreichten viele Menschen vor Ort nicht. Minister Seehofers Behauptung, das Warnsystem habe funktioniert, ist Realitätsverweigerung, meint Stefan Giese.  mehr...

STAND
AUTOR/IN