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Wer keinen Ärger macht und neue Windkraftanlagen in seiner Nachbarschaft akzeptiert, soll mit Geld belohnt werden, schlägt die SPD vor. Für Stefan Giese ist das gekauftes Wohlverhalten.

Windräder vor dem eigenen Fenster sind nichts, was man sich gewöhnlich unter einer schönen Aussicht vorstellt. Sie gelten außerdem als Vogelkiller und überhaupt als Gefahr für Leib und Leben – allen Studien zum Trotz.

Derzeit ziemlich unbeliebt: Windräder bei Wohnhäusern (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance)
Derzeit ziemlich unbeliebt: Windräder bei Wohnhäusern Picture Alliance

Kein Wunder also, dass der Ausbau der Windkraft nicht so glatt verläuft, wie von großen Teilen der Politik gewünscht. In Baden-Württemberg gingen von Januar bis September 2019 ganze zwei Anlagen ans Netz. In Rheinland-Pfalz waren es im gleichen Zeitraum immerhin 26.

Wer dafür die Schuld trägt, daran scheiden sich die Geister. Landespolitiker, wie zuletzt aus Rheinland-Pfalz, zeigen mit dem Finger gerne vorwurfsvoll Richtung Berlin. Die Große Koalition habe es versäumt, klare gesetzliche Vorgaben zu machen. Genehmigungen würden zu lange dauern und es gebe zu viele Klagen gegen neue Windkraftprojekte.

Schotter für Wohlverhalten

Dagegen lässt sich was machen, ist aus der SPD zu hören. Matthias Miersch, Fraktionsvize im Bundestag, schlägt ein "Windbürgergeld" vor. Wer keinen Ärger macht, wenn in der Nachbarschaft eine neue Windkraftanlage geplant wird, soll demnach mit Geld belohnt werden - Schotter für Wohlverhalten. Der Gedanke dahinter: Auch der gemeine Wind-Wutbürger ist käuflich. Im Grunde ist es Bestechung im Sinne eines höheren Ziels: der Energiewende.

Worum es beim "Windbürgergeld" genau geht, erfahren Sie hier im Audio:

Wenn sich dieser Ansatz durchsetzt, dürfte es nur eine Frage der Zeit sein, bis auch für andere "Zumutungen" Geld fließt, um Widerstände zu überwinden - für Stromleitungen zum Beispiel, hier geht es schließlich um das gleiche höhere Ziel.

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