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Die Selbsthilfeorganisation Wildwasser hat die Reform begrüßt. Allerdings müssten Strafverfahren beschleunigt werden - dazu stehe nichts in dem Entwurf von Justizministerin Christine Lambrecht (SPD).

Die Wildwasser-Geschäftsführerin Dorothea Zimmermann sagte im SWR, der vom Kabinett gebilligte Entwurf zur Bekämpfung sexualisierter Gewalt gegen Kinder sei ein gelungener Ansatz, "weil da viele Bereiche drin sind, die wir schon seit langem gefordert haben und die erstmal eine Verbesserung darstellen."

Es sei richtig, dass künftig von sexualisierter Gewalt gesprochen werden solle – und nicht mehr von Kindesmissbrauch. "Missbrauch suggeriert, dass es auch einen guten Gebrauch geben kann." Außerdem verdeutliche die Formulierung "sexualisierte Gewalt", dass es sich dabei um ein Gewaltdelikt handele. Wildwasser e.V. trete auch dafür ein, statt von Pädophilie, zu Deutsch: "Liebe zu Kindern" von "Pädokriminalität" zu sprechen.

Nach dem Entwurf sind auch schärfere Strafen vorgesehen. Die Verbreitung von Kinderpornos soll ein Verbrechen werden, mit einer Freiheitsstrafe von mindestens einem Jahr. Bislang ist es ein Vergehen. Für sexualisierte Gewalt sieht der Entwurf einen Strafrahmen von bis zu 15 Jahren Freiheitsstrafe vor, statt bisher 10 Jahren.

Nur drei Prozent der Täter werden verurteilt

Dorothea Zimmermann von Wildwasser e.V. hat Zweifel, ob härtere Strafen potentielle Täter abschreckten. Wichtiger sei, dass Strafverfahren gegen die Täter beschleunigt und Gesetze angewendet werden: "Nur drei Prozent von denen die angezeigt werden, werden auch verurteilt. Dann ist natürlich die Frage nach dem Strafrahmen ein bisschen obsolet."

Konkret vermisst Zimmermann in dem Entwurf Maßnahmen, um die Strafverfahren zu beschleunigen: "Da hat sich das Gesetz nicht dran gewagt. Das ist ein ganz wesentlicher Punkt, dass die Verfahren schneller gehen."  Momentan sei es so, dass zwischen der Aussage des Opfers und dem Beginn des Verfahrens bis zu drei Jahre vergingen. Das sei für die betroffenen Jungen oder Mädchen eine große Belastung.

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