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Im Fall des vergifteten Kreml-Kritikers Alexej Nawalny fordern einige deutsche Politiker, das Gasprojekt Nord Stream 2 zu stoppen, sollte sich Russland nicht an der Aufklärung des Falles beteiligen. Aber wie hart würde das Russland treffen?

Auf der einen Seite gibt es derzeit Vorwürfe, Russland habe etwas mit der Vergiftung von Kreml-Kritiker Nawalny zu tun - auf der anderen Seite bestreitet die russische Führung eine Verstrickung. Laut Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) gibt es aber viele Indizien dafür. Deshalb sprechen sich derzeit viele deutsche Politiker dafür aus, Russland mit Sanktionen zu belegen und das Gasprojekt Nord Stream 2 erst mal zu stoppen.

Der Kreml gibt sich unbeeindruckt

In Russland scheint man unterdessen wenig beeindruckt von den Drohungen aus Deutschland. ARD-Reporter Stephan Laack fasst die Reaktionen von Medien, Experten und Regierungssprechern zusammen.

Was würde so ein Baustopp für Russland bedeuten?

Dass die Drohungen aus Deutschland in Russland offenbar nicht sonderlich ernst genommen werden, steht nicht im Verhältnis dazu, welches Potential des Gasprojekt für Russland birgt: Nord Stream 2 und Nord Stream 1 könnten insgesamt 110 Milliarden Kubikmeter Gas pro Jahr nach Deutschland transportieren. Das wäre insgesamt rund ein Sechstel der russischen Gasproduktion.

Zudem hofft man in Russland darauf, dass das Projekt - wenn es dann fertig ist - die eigene Marktmacht innerhalb der EU stärken wird. Außerdem könnte damit der Gastransit durch die Ukraine umgangen werden: Die Ukraine bekommt zwei Milliarden Euro Gebühren pro Jahr dafür, dass russisches Gas durch das Land geleitet wird.

Bau läuft schon jetzt nicht nach Plan

Für Russland steht mit dem Gasprojekt also einiges auf dem Spiel - wobei beim Bau aus russischer Sicht schon jetzt nicht alles rund läuft: Das Projekt, das ursprünglich schon im vergangenen Jahr fertiggestellt werden sollte, war wegen der US-Sanktionen ins Stocken geraten.

Drohungen mit Einreiseverboten und dem Einfrieren von Konten für am Bau beteiligte Unternehmen blieben nicht wirkungslos. Europäische Firmen sprangen ab und jetzt sollen russische Boote den Bau der Pipeline voraussichtlich bis 2021 vollenden. Es fehlen noch ungefähr 150 Kilometer.

Der russische Staatskonzern Gasprom übernimmt mit rund fünf Milliarden Euro ungefähr die Hälfte der Baukosten. Das heißt: Ein Stopp des Projektes würde zunächst auch den Verlust von wichtigen Aufträgen für russische Firmen bedeuten.

Russlands Wirtschaft stark von Rohstoffexporten abhängig

Russland ist insgesamt sehr stark auf die Einnahmen aus den Rohstoffexporten angewiesen. Sie machen ungefähr 40 Prozent des Staatshaushaltes aus.

Bei den Gewinnen zum Beispiel aus den Gasverkäufen gibt es derzeit aber erhebliche Schwankungen. Aufgrund geringerer Nachfrage könnten die Exporte nach Schätzungen von Experten in diesem Jahr um rund 20 Prozent zurückgehen.

Auch der Preis für 1.000 Kubikmeter Gas war zwischenzeitlich bei nur 94 Dollar. Zum Vergleich: Zwischenzeitlich waren das schon mal über 290 Dollar für 1.000 Kubikmeter.

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