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Wie vorsorgen gegen Altersarmut? Ein Modell für alle gibt es nicht

Jedem zweiten Deutschen droht ab dem Jahr 2030 Altersarmut - das heißt HartzIV-Niveau. So das Ergebnis einer WDR-Prognose. Aber jeder kann etwas dafür tun, sich für später abzusichern.

Altersarmut Collage

Der heiße Tipp: Beizeiten anfangen mit der Altersvorsorge

Interview mit SWR-Wirtschaftsredakteur Lutz Heyser

Jedem zweiten Deutschen, der einen oder mehrere Jobs hat, wird es voraussichtlich in Zukunft nicht so gut gehen. Die WDR-Prognose zeichnet ein pessimistisches Zukunftsbild - und das, obwohl sie davon ausgeht, dass es bei der derzeitig guten Konjunktur und der stabilen Rentenkassen bleibt. Wobei das ja alles andere als sicher ist. Warum sieht die Renten-Zukunft für viele, die aktuell rund 2.000 Euro brutto verdienen, so düster aus?

Letztlich ist der Hauptgrund der niedrige Verdienst in manchen Branchen und Jobs. Betroffen sind zum Beispiel Frisöre oder auch Angestellte in einem Reisebüro: Von 2.000 Euro brutto bleiben mir heute so um die 1.300 bis 1.400 Euro netto, damit komme ich aktuell über die Runde, kann aber keine großen Sprünge machen.

Wenn ich dann aber auf meinen gesetzlichen Rentenbescheid schaue, kommen damit vielleicht in 30 bis 40 Jahren weniger als 1.000 Euro an Rente heraus. Das wäre dann im Jahr 2050/60. Letztlich müssten also die Löhne etwa im Einzelhandel oder im Gastgewerbe steigen. Zum Beispiel sollten Teilzeitbeschäftigte schauen, dass sie brutto mehr verdienen und damit auch mehr Rentenansprüche erwirtschaften.

Der WDR selbst sagt bei seinen Recherchen: "Um im Jahr 2030 eine Rente über dem Grundsicherungsniveau zu bekommen, müsste ein Arbeitnehmer nach heutigem Stand 40 Jahre lang ununterbrochen pro Monat mindestens 2.097 Euro brutto verdienen." Das heißt, letztlich müssten hier die Löhne steigen, etwa in der Gastronomie oder eben im Einzelhandel. Oder: Die Leute müssen selbst Vorsorge treffen, weil die gesetzliche Rente - Stand heute - für sie nicht ausreichen wird.

Der Mensch guckt ungern auf das, was noch lange in der Zukunft liegt. Wie viel muss derjenige, der aktuell diese durchschnittlichen 2.000 Euro hat, zurücklegen, um nicht in die Armutsfalle zu tappen?

Es ist schwierig, da eine allgemeingültige Formel festzulegen. Dafür spielen dabei zu viele Unbekannte noch eine Rolle. Zum Beispiel: Wie hoch ist die Rente in 30 Jahren tatsächlich? Wie hoch ist die Inflation bis dahin? Das kann niemand auf Euro und Cent genau sagen.

Letztlich ist das Thema Vorsorge ja auch etwas sehr Individuelles. Deshalb - dazu rät auch die Verbraucherzentrale bei ihren Rentenberatungen - sollte jeder selbst schauen: Wie hoch ist mein Nettoeinkommen, was gebe ich wofür aus und wie viel kann ich mir überhaupt leisten, für später zurückzulegen? Zehn Prozent vom heutigen Nettoverdienst wäre eine Faustformel, ein erster Ansatz. Das wären bei 1.300 Euro netto also rund 130 Euro im Monat.

Das Problem ist - und das zeigen Untersuchungen immer wieder: Die Leute, die heute wenig verdienen und damit akut von Altersarmut bedroht sind, sind meist auch die, die sagen: Sie haben gar kein Geld, jetzt etwas für später zurückzulegen. Viele sehen auch die Riester-Rente kritisch. Von dieser Anlage profitierten eher die Gutverdiener, beklagen auch viele.

Alles in allem bleibt der Fakt - wie auch der WDR sagt: "Wenn die Rentenhöhe wie geplant bis 2030 weiter sinkt, dann werden in Zukunft viel mehr Menschen in Deutschland im Alter arm sein als heute." Deshalb ist es auf jeden Fall heute schon sinnvoll, etwas für später zurückzulegen. Und dazu kommt: Je weniger es ist, desto besser sollte ich es anlegen - das ist die Crux.

Sparen für die Zukunft - aber wie? Die Zinsen sind im Dauertief, die Riester-Rente wird von vielen kritisiert und Lebensversicherungen bringen auch wenig Rendite. Was sind denn gerade für Menschen mit niedrigen Einkommen sinnvolle Vorsorgemodelle?

Schaut man sich den Finanzmarkt an, führt eigentlich kein Weg an Aktien vorbei. Die bringen auf lange Sicht am meisten Rendite - nämlich im Schnitt 4,5 Prozent im Jahr. Auf dem Tagesgeldkonto gibt es dagegen gerade noch 0,5 Prozent. Dafür haben Aktien aber natürlich auch das größte Risiko, dass die Kurse auch mal runtergehen - wie etwa jetzt zu Jahresbeginn. Trotzdem sind sie - gerade für jüngere Leute - wohl ohne Alternative. Das sagt auch die Verbraucherzentrale.

Sinnvoller als Einzelwerte sind aber vielleicht Aktienfonds. Es gibt so genannte Exchange Traded Funds (ETF), also computerzusammengesetzte Aktienfonds. Da gibt es von den Banken auch Fondssparpläne. Auf jeden Fall ist es wichtig darauf zu achten, dass die Produkte selbst nicht zu teuer sind. Schließlich will man das, was man für die Altersvorsorge anspart, für sich selbst zurücklegen und nicht die Bank reich machen.

Onlinefassung: Ulrike Raffel