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Widerstand gegen EU-Pläne Was ist eigentlich "bio"?

Bis vor 20 Jahren haben Biobauern selbst festgelegt, was bio ist - in ihren Verbänden. Dann kamen EU-Mindeststandards, die jetzt neu gefasst werden sollen: Demeter, Bioland, Naturland fürchten sich.

Verschiedene Sorten von Bio-Gemüse und Bio-Obst

Die Nachfrage der Verbraucher nach Bio-Gemüse und Bio-Obst ist enorm gewachsen

Auch die Verbraucher haben Erwartungen, sagt die EU und will zum Beispiel schärfere Rückstandsgrenzwerte für Pflanzenschutzmittel in Bioware. Das Öko-Obst und -Gemüse ist im Schnitt deutlich geringer belastet als konventionelles, das bestätigen auch amtliche Messungen.

Aber strikte Grenzwerte auf Babykostniveau könnten den Bioanbau unmöglich machen, warnt Felix Prinz zu Löwenstein, Chef des Bundes ökologische Lebensmittelwirtschaft: "Wenn ich Bio-Bauer zwischen lauter konventionellen bin, bin ich nicht unberührt von dem, was die Anderen machen. Jetzt zu sagen: ja, dann kannst du eben kein Biolandbau machen - wäre ja idiotisch." Demeter, Bioland und Naturland, denen die amtlichen Vorschriften bisher zu lasch waren, fürchten nun, unter die Räder zu kommen.

Gesunder Planet und gesunde Verbraucher

Ein Landwirt versprüht Pflanzenschutzmittel auf einem Feld

Ein Landwirt versprüht Pflanzenschutzmittel auf einem Feld

Nur sechs Prozent der Äcker in Deutschland werden ökologisch bewirtschaftet. Sie liegen irgendwo zwischen den 94 Prozent konventionellen landwirtschaftlichen Nutzflächen, auf denen gespritzt wird. Löwenstein hält schon die Grundausrichtung der EU-Kommission - auf eher vage Vorstellungen der Verbraucher hin - für falsch: "Wir machen den ökologischen Landbau ja nicht, weil wir ein paar Verbrauchern helfen wollen, glücklich noch zwei Jahre älter zu werden. Sondern wir müssen ihn machen, weil die Landwirtschaft die konventionell heißt, so viele Probleme verursacht für uns und für kommende Generationen, dass wir unbedingt die Alternative dazu entwickeln müssen."

Deutscher Bauernverband auf der Seite der Öko-Landwirte: Es geht ums Geld

Interessanterweise unterstützt der Deutsche Bauernverband die Ökobauern hier sehr nachdrücklich. Das kann Ulrich Hamm, Professor für Biolandbau an der Uni Kassel, leicht erklären. Wenn nämlich ein Bio-Bauer seine Ware nicht vermarkten kann, weil der Nachbar spritzt, dann sieht die EU vor, dass er entschädigt wird - zunächst vom Staat.

Aber, sagt Professor Hamm, eigentlich ist das nicht konsequent: "Diejenigen Landwirte, die für diese Belastungen sorgen, die müssen auch dafür sorgen, dass die Ökolandwirte entschädigt werden. Also, dass das Verursacherprinzip hier auch tatsächlich angewendet wird." Die Diskussion darüber wollen die konventionellen Kollegen erst gar nicht führen müssen.

Daumenschrauben der EU auch beim Viehfutter

Auch beim Viehfutter will die EU die Daumenschrauben anziehen. Das soll zu 100 Prozent aus ökologischem Anbau kommen - keine Ausnahmen mehr. Schon zwei Mal sind da nämlich Fristen verstrichen. Professor Ulrich Hamm hat Verständnis für die Brüsseler: "Liebe Ökolandwirte, es wird Zeit, dass 100 Prozent Ökofutter auch tatsächlich verwirklicht wird. Denn das ist ganz eindeutig die Verbrauchererwartung. Da haben wir ganz viele Untersuchungen dazu gemacht."

Der Bio-Funktionär Prinz Löwenstein argumentiert: Es klappt halt nicht. Ob man deshalb den Ökolandbau aufgeben solle? Sowohl die gesamte Branche in Deutschland als auch der Bundestag haben sich jedenfalls gegen die EU-Pläne gestellt, mit denen ganz neue Regeln eingeführt werden sollen.

Stattdessen fordert Prinz Löwenstein: "Wir sagen, wir wollen die gesetzliche Grundlage weiter entwickeln, aber bitte auf der Grundlage der Verordnung, die wir jetzt haben. Damit das eine Kontinuität hat und nicht eine Entwicklung abbricht, die wir als Gesellschaft dringend brauchen."

Autor: Werner Eckert, SWR Umwelt und Ernährung; Online: Heidi Keller, Christine Trück