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US-Präsident Donald Trump hat Zahlungen der USA an die Weltgesundheitsorganisation vorerst eingestellt. Diese habe in der Coronavirus-Pandemie in ihrer grundlegenden Pflicht versagt. Die EU widerspricht dem.

Die Europäische Union hat US-Präsident Donald Trump in seier Kritik an der Weltgesundheitsorganisation (WHO) in aller Deutlichkeit widersprochen. Der EU-Außenbeauftragte Josep Borrell habe WHO-Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus die volle Unterstützung in diesem entscheidenden Moment zugesagt, hieß es am Donnerstag nach einem Telefonat der beiden.

Die Coronavirus-Pandemie müsse weiter multilateral bekämpft werden. Über den US-Stopp der WHO-Beitragszahlungen sei Borrell besorgt. Er wolle versuchen, weitere Mittel zu mobilisieren. Die EU habe nach einem WHO-Aufruf bereits 114 Millionen Euro in dieser Krise zur Verfügung gestellt.

Bundesinnenminister Heiko Maas (SPD) hat unterdessen angekündigt, dass Deutschland erwägt, den WHO-Beitrag zu erhöhen. Auch er wies die Kritik Trumps zurück.

Trump fand harte Worte für die WHO

Dem Voraus gingen Vorwürfe: Statt die Welt zu beschützen, habe die WHO versagt - und deshalb gebe es nun überall auf der Welt Tote und wirtschaftliche Zerstörung - so lässt sich die Kritik des US-Präsidenten an der Weltgesundheitsorganisation grob zusammenfassen. Trump geht sogar noch weiter: Die Organisation habe die Situation "vertuschen" wollen.

Was ist dran an den Vorwürfen?

Diesen Eindruck teilt Ilona Kickbusch, die Gründung des globalen Gesundheitsprogrammes am Hochschul-Institut für internationalen Studien und Entwicklungen in Genf, nicht. Sie führt stattdessen auf, die WHO habe transparent auf mögliche Gefahren hingewiesen - und zwar schon wenige Tage, nachdem das Coronavirus Ende Dezember entdeckt worden war.

Die WHO hat am 9. Januar die ersten Berichte an die Mitgliedsländer weitergegeben und hat schon am 10. Januar Richtlinien und Empfehlungen ausgegeben, wie sich die Länder vorbereiten könnten.

Ilona Kickbusch

Am 23. Januar habe die Organisation dann eine Pressekonferenz mit "starken Warnungen" gegeben. Der internationale Gesundheitsnotstand wurde schließlich am 30. Januar ausgerufen. Kickbusch sieht Versäumnisse dementsprechend nicht bei der WHO, sondern eher an anderer Stelle - auch bei den USA.

Wenn man sich anschaut, wie lange die USA - und damit auch die Regierung von Trump - gewartet haben, um wirklich zu agieren, dann sieht man, dass den ganzen Februar bis hinein in den März fast nichts auf nationaler Ebene unternommen wurde.

Ilona Kickbusch

WHO zu China-freundlich - was ist an diesem Vorwurf dran?

Außerdem hatte der US-Präsident der Weltgesundheitsorganisation vorgeworfen, zu China-freundlich zu sein.

Warum dieser Eindruck entstehen kann, aber nicht ganz gerechtfertigt ist, erklärt SWR-Brüssel-Korrespondent Dietrich-Karl Mäurer.

Was bedeutet die Beitragseinfrierung der USA für die WHO?

Wenn nun die USA ihre finanzielle Unterstützung streichen, dann trifft das die WHO hart - insbesondere im Berich der freiwillig geleisteten Beiträge, mit denen zum Beispiel Beiträge zur Polio-Ausrottung bezahlt werden.

Doch auch bei den Pflichtbeiträgen, die sich nach Bevölkerungszahl und Sozialprodukt richten, ist Trumps Aktion ein Schlag: Die USA sind hier mit Abstand der größte Geldgeber.

Warum Ilona Kickbuch es als "sehr speziell" bezeichnet, dass die USA ihre Zahlungen einfrieren wollen, hören Sie im Audio.

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