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Weniger Ölförderung = steigende Kosten? "Diffiziles Spiel von Mengen und Preisen"

Die Entscheidung der OPEC-Länder, die Öl-Fördermenge zu verringern - und damit den Preis zu erhöhen, kam doch etwas überraschend. Einschätzungen zur Marktlage von ARD-Energie-Experte Jürgen Döschner.

SWR: Warum hat die OPEC beschlossen, die Ölfördermenge zu reduzieren?

Jürgen Döschner: Immer mehr der 14 OPEC-Mitglieder stöhnen unter den niedrigen Einnahmen, die die niedrigen Ölpreise ihnen bescheren. Ganz zuerst natürlich kleine Länder wie Venezuela, die eine regelrechte Wirtschaftskrise durchmachen. Aber selbst der große Ölriese Saudi Arabien hat inzwischen Probleme mit der Finanzierung seines Staatshaushaltes, der sich im Wesentlichen durch die Einnahmen aus dem Öl-Export speist. Dort ist man in Bezug auf die Öl-Fördermenge offenbar ein wenig kompromissbereiter geworden, als in den vergangenen Jahren.

Man hat lange gebraucht, bis man sich auf eine solche Reduktion geeinigt hat: Acht Jahre ist es her, dass man sich zum letzten Mal zu einer solchen Reduktion durchgerungen hatte. Und das hat sehr viel auch mit den Streitigkeiten innerhalb der OPEC zu tun.

Profitieren denn jetzt auch die kleinen Länder? Vor allem von dieser Preiserhöhung, die nach der Reduzierung der Fördermenge kommen wird?

Das ist nicht ganz selbstverständlich. Natürlich bewirkt eine Verknappung des Angebots in der Regel auch einen steigenden Preis. Aber die Frage ist: Wird es tatsächlich zu einer Verknappung des Angebots kommen? Es ist noch keineswegs gesagt, dass es nach dem aktuellen OPEC-Beschluss auch so kommen wird.

ARD-Energieexperte Jürgen Döschner

Jürgen Döschner

Man hat zwar gesagt, man will die Fördermenge um 750.000 Barrel pro Tag gegenüber dem jetzigen Stand reduzieren. Aber die eigentliche Entscheidung wird beim nächsten regulären OPEC-Treffen am 30. November in Wien gefällt. Da wird dann auch genau aufgeteilt, welches Mitglied wie viel fördern darf. Das ist bis zuletzt einer der großen Streitpunkte gewesen - insbesondere zwischen Saudi Arabien und dem Iran.

Das zweite große Fragezeichen ist, wie sich die Nicht-OPEC-Staaten verhalten werden - insbesondere Russland, Kanada und die USA. Werden die sich daran beteiligen, den Ölhahn etwas zuzudrehen? Oder werden sie die Chance nutzen, ihrerseits ein wenig mehr zu fördern, wenn die OPEC weniger fördert?

Insbesondere in den USA ist durch den niedrigen Ölpreis das Fracking nicht mehr so rentabel gewesen. Das war - so unterstellt man wenigstens - auch ein Teil der Strategie der OPEC: dass man die USA mit dem niedrigen Ölpreis oder mit der Ölschwemme in die Knie zwingen will. Doch wenn der Preis wieder steigt, lohnt sich Fracking eher wieder - und dann könnte das Pendel wieder in die andere Richtung gehen.

Das ist ein sehr diffiziles Spiel von Mengen und Preisen. Heute zumindest war es nicht so eindeutig: Am Morgen ging der Ölpreis um über sechs Prozent in die Höhe. Aber er hat sich später wieder auf ein Plus von etwa 1,5 Prozent eingependelt - und das ist nicht sehr dramatisch.

Sollte der Verbrennungsmotor aussterben und wir im Jahr 2030 alle nur noch elektrisch fahren: Wird es dann auch für die Ölförderländer noch ein bisschen enger?

Manche Experten sagen sogar, dass der Ausverkauf, der jetzt stattfindet, gewissermaßen das letzte Gefecht der Ölproduzenten ist. Dass man die Marktanteile abstecken und sichern will, mit dem Blick darauf, dass die Welt gewissermaßen beschlossen hat, aus den fossilen Brennstoffen auszusteigen. In der Tat könnte es, wenn es schnell geht, auch für die ölexportierenden und ölfördernden Länder knapp werden. Denn die wissen dann gar nicht, wie sie ihren Lebensunterhalt finanzieren wollen, weil eben Länder wie Saudi Arabien zu über 80 Prozent von den Öleinnahmen abhängig sind. Aber das ist sehr weit in die Zukunft geblickt und wenn ich auf die deutsche Automobil- und Energie-Politik schaue, da gibt es noch gar keine Ansätze. Wir haben beispielsweise beim Transport weltweit immer noch eine Abhängigkeit von 98 Prozent vom Öl. Das ist also alles Zukunftsmusik.

Die Fragen stellte Stefan Eich | Online: Ulrike Raffel, Christine Trück